Es ist kurz nach 12 Uhr an diesem Tag zwei nach dem in jeder Hinsicht erschütternden 0:4 gegen Freiburg, da fühlt sich Hertha BSC zu einem Dementi in Sachen Lucien Favre genötigt. Viele Meldungen kursieren zurzeit über und rund um den Trainer des Berliner Bundesligisten, in manchen war er schon entlassen, in vielen anderen steht er kurz davor, und nun stand der Klub vor der Entscheidung: Lassen wir die Öffentlichkeit spekulieren und folgen unbeirrt unserer Linie? Oder stellen wir die Mutmaßungen richtig? Man kann in einer solchen Situation kaum richtig handeln; erst die kommenden Wochen werden weisen, was richtig war – aber Hertha entschied sich für ein klares Dementi: Es gebe kein Ultimatum an Favre, „es gibt allein den festen Willen bei allen, wieder Erfolg zu haben und diesem Ziel alles unterzuordnen“.

Ein paar Stunden später fliegt der angeschlagene Trainer Favre mit 18 Spielern nach München, wo am Mittwoch im Pokal Zweitligist 1860 der Gegner ist. Ab 19 Uhr (Sky live) kann die Talfahrt zumindest ein bisschen abgefedert, im schlimmsten Falle aber auch dramatisch verschärft werden, weil jede weitere Niederlage Favre noch stärker in Bedrängnis bringt.

Aber auch für den Klub ist es ein besonderes Spiel. Lang ist die Liste peinlicher, weil früher Blamagen im DFB-Pokal, da wäre im historischen Kontext schon das Erreichen der dritten Runde ein Erfolg; noch dazu wird es vom DFB mit 493.500 Euro entlohnt, einem Betrag, mit dem der Bundesligist in seinem Etatansatz nicht kalkuliert hat, und man weiß ja nie, wofür zusätzliches Geld später einmal gut sein kann.

Auf dem Weg nach München sinnierte Favre, welche Formation die bestmögliche sein wird. Die Lage erlaubt kaum die Schonung gestandener Spieler, andererseits steht schon am Sonntag in der Liga in Hoffenheim das nächste Schicksalsspiel an. Wie zu hören ist, bespricht sich Favre dieser Tage auffällig oft mit Arne Friedrich. Ob der Trainer in diesen Gesprächen auch enthüllte, dass er seinen Kapitän insgeheim gern wieder einmal auf die rechte Abwehrseite stellen würde? Andererseits ist gerade nicht die Zeit für Experimente im Zentrum, wo mit Steve von Bergen schon eine Stammkraft wegen Rückenproblemen ausfällt.

Die Rückkehr eines anderen dagegen signalisiert Hoffnung. Gojko Kacar, Herthas bislang Bester, steht erstmals wieder im Aufgebot. Dass der Serbe aufgrund seiner vor zwei Wochen erlittenen Muskelquetschung im Oberschenkel noch am Montag kaum laufen, geschweige denn mit links schießen konnte – was macht es schon, wenn zumindest ein Teilzeiteinsatz womöglich dem großen Ganzen hilft.

sto