„Die Moral ist nicht gut in der Mannschaft“, musste Trainer Lucien Favre zugestehen, den die deprimierende Negativserie nach Rang vier in der vergangenen Saison gehörig unter Druck setzt. Einen erneuten Schock setzte es für Favre und sein Team am Sonntagvormittag nach der Kernspintomographie von Mittelfeldspieler Kringe. Der Neuzugang aus Dortmund zog sich bei seinem Hertha-Debüt in Mainz bereits in der Startphase einen Bruch des rechten Mittelfußes zu und steht nun für mindestens acht Wochen nicht zur Verfügung. „Ich hatte schon vergangen Woche Schmerzen, konnte aber problemlos spielen. Und dann kriege ich genau auf diese Stelle einen Schlag“, hatte Kringe die Situation geschildert. Schon in der 13. Minute musste er vom Feld. Nach dem Ausfall der Leistungsträger Arne Friedrich und Raffael die nächste Hiobsbotschaft für die Hertha, nachdem auch Mittelfeldmotor Gojko Kacar in Mainz nicht zur Verfügung stand.
Doch aufgeben ist nicht die Sache von Lucien Favre, deshalb geht sein Blick nach vorn. „Wir müssen die Fehler analysieren und uns dann auf den Start in der Europa League am Donnerstag gegen FK Ventspils sowie das Heimspiel gegen Freiburg konzentrieren“, sagte Favre. Zuversicht hört sich anders an. Der Hertha der Saison 2009/10 fehlt die Portion Cleverness, mit der in der vergangenen Spielzeit knappe Ergebnisse über die Zeit gebracht wurden. Das Fehlen des Stammspieler-Trios in Mainz reicht als Erklärung dafür nicht. „Wenn man 1:0 führt, dann muss man cleverer sein. Da kann man nicht verlieren. Wir hatten alles in der Hand“, lamentierte Pal Dardai.
Den Mainzern reichten fünf Minuten, um den Rückstand nach einem Treffer von Maximilian Nicu (50.) durch den Foulelfmeter von Andreas Ivanschitz (80.) und das dritte Saisontor von Aristide Bancé (85.) zu drehen. Favre meinte, sein Team habe über weite Strecken eine gute Partie gezeigt. Attraktiv war das Auftreten aber nicht und wurde deshalb mit Pfiffen bedacht. Oft hatten die Berliner die Ballkontrolle, Chancen aber erspielte sich das Hauptstadtteam nicht. Artur Wichniarek wirkt wie ein Fremdkörper, auch Kacar-Ersatz Lukas Piszczek blieb vieles schuldig. Der Schweizer Coach wird sich sehnlich wünschen, dass der kolumbianische Neuzugang Adrian Ramos der Knaller ist, der die Abgänge von Andrej Woronin und Marko Pantelic kompensiert. In den acht Debüt-Minuten in Mainz riss Ramos, der bisher noch nicht mit der Mannschaft trainierte, allerdings noch keine Bäume aus.





