Gute Erinnerungen an Hannover hat er nicht. Es war im Oktober 2002, als die Nationalmannschaft in der Landeshauptstadt Niedersachsens auf die Färöer traf. Arne Friedrich stand erstmals in der Startelf, nachdem er im August für Deutschland debütiert hatte; kurz vor der Pause unterlief dem Abwehrspieler von Hertha BSC jedoch ein großes Missgeschick: Er traf ins eigene Tor. Nur weil Teamkollege Miroslav Klose am Ende im Qualifikationsspiel für die EM 2004 noch einen Treffer erzielte, entging die deutsche Mannschaft beim 2:1 einer Blamage.
Ein derartiges Malheur soll Friedrich heute natürlich nicht unterlaufen. Bundestrainer Joachim Löw wollte sich am Tag vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Aserbaidschan (20.45 Uhr, ZDF) noch nicht darauf festlegen, wer neben dem gesetzten Per Mertesacker spielt. Aber nach den Eindrücken des Abschlusstrainings könnte Friedrich den Vorzug vor Serdar Tasci erhalten, obwohl der Stuttgarter bei Löw bekanntlich hoch im Kurs steht. Gestern übte Tasci nur anfangs an Mertesackers Seite, dann übernahm Friedrich diesen Platz – und behielt ihn bis zum Schluss.
Drei Bewerber für einen Platz
Mit kleinen Schritten kommt der Berliner Kapitän dem Ticket nach Südafrika näher. Nach dem Testspiel gegen den kommenden WM-Gastgeber (2:0) am vergangenen Samstag gab es nicht nur Lob für Spielmacher Mesut Özil und Torhüter René Adler, sondern auch für Friedrich. „Wir haben schon gesehen, dass der Arne das organisatorisch sehr gut gelöst hat. Weil wir gesagt haben, wir wollen mit der Abwehr nicht immer so weit zurückhängen, sondern nach vorne gehen“, sagte der Bundestrainer. Auch Friedrich war mit seinem Einsatz zufrieden: „Ich denke, dass ich meine Aufgabe ganz gut gelöst habe.“ Und angesprochen darauf, ob er sich für weitere Aufgaben empfohlen habe, ergänzte der 30 Jahre alte Abwehrspieler: „Drei streiten um den Platz neben Per (Mertesacker – d.R.). Ich hoffe, der Trainer wird auf mich zurückgreifen.“
Während eine Nominierung Friedrichs für die Stammelf bei Hertha praktisch nur in Frage gestellt wird, wenn er mal angeschlagen ist, muss er sich bei der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) neuerdings in Geduld üben – selbst wenn er fit ist. Denn auf der rechten Seite, wo Friedrich jahrelang in der Nationalmannschaft zum Einsatz gekommen ist, plant der Bundestrainer nur noch mit Philipp Lahm vom FC Bayern. Da zählt auch nicht mehr, dass Friedrich von seinen insgesamt 67 Länderspielen auch rechts einige gute absolviert hat. Unvergessen ist das EM-Viertelfinale 2008 gegen Portugal (3:2), als er Weltstar Cristiano Ronaldo so gut wie aus dem Spiel genommen hatte.
Arne Friedrich ist – und das kommt ihm grundsätzlich auch recht gelegen, weil er ohnehin viel lieber auf dieser Position spielt – nur noch eine Alternative für die Innenverteidigung. Dort hat der Bundestrainer zuletzt viele Paare ausprobiert, weil er mit unschöner Regelmäßigkeit ob der schlechten Rückwärtsbewegung oder anderweitiger Unsicherheiten unzufrieden war.
Flexibilität ist gefragt
Mal spielte Mertesacker mit Tasci, mal mit Heiko Westermann, einem weiteren Bewerber. Sogar Robert Huth (Stoke City) durfte während der Asienreise der Nationalelf im Mai mal wieder vorspielen – und enttäuschte. Die Formation Mertesacker/Friedrich hat Löw noch nicht getestet – sollte es heute dazu kommen, müsste Friedrich Flexibilität beweisen und neben Mertesacker auf die ungewohnte linke Innenverteidiger-Position rücken. „Das“, sagte er, „wäre kein Problem. Von der Körperdrehung wäre das nur eine kleine Umstellung.“
Für welche Kombination sich Löw heute auch entscheiden mag – aller Voraussicht nach wird die deutsche Defensive gegen Aserbaidschan nicht außergewöhnlich stark gefordert sein. Der vom ehemaligen Bundestrainer Berti Vogts trainierte Fußball-Zwerg liegt abgeschlagen mit nur einem Punkt auf dem letzten Platz in Gruppe vier. Allerdings kann sich das Paar in der Innenverteidigung schon einmal für die finalen Partien gegen Russland (10. Oktober) und Finnland (14. Oktober) einspielen.





