Wie ein Anfänger wurde Steve von Bergen ausgespielt. Der Schweizer Innenverteidiger ließ sich den Ball von Aristide Bance durch die Beine spitzeln, aus sechs Metern schob der Mainzer Stürmer ins Tor, es war das entscheidende 1:2 gegen Hertha BSC. Kaum zu glauben: Innerhalb von fünf Minuten gaben die Berliner eine 1:0-Führung aus der Hand und verloren am Ende mit 1:2. Der Hauptstadt-Klub kassierte beim Aufsteiger die vierte Niederlage in Folge. Von 15 möglichen Punkten haben die Blau-Weißen gerade drei ergattert. Folge: Der Vorjahres-Vierte steht nach fünf Runden auf Abstiegsplatz 17. Gewinnt Köln am Sonntag gegen Schalke, ist Hertha gar Tabellenletzter.
„Es ist unglaublich“, haderte Pal Dardai, der anstelle des verletzten Arne Friedrich die Kapitänsbinde trug. „Bei unserer Führung hätten wir cleverer spielen müssen. Wir hätten den Ball länger halten müssen, statt zu schnell den Abschluss zu suchen. Es kann nicht angehen, dass du in Mainz nach 80 Minuten mit 1:0 vorn liegst – und dann mit null Punkten nach Hause fährst.“
Führungstreffer durch Nicu
Dabei schien es, als könnten die Berliner ihre schwarze Serie von zuvor drei Niederlagen in Folge beenden. Nach einer beidseitig schwachen ersten Hälfte hatte Maximilian Nicu Hertha nach 50 Minuten in Führung geschossen. Der Mittelfeldspieler verwertete eine Flanke von Artur Wichniarek, die die Mainzer Abwehr nicht aus der Gefahrenzone bekam, kurz und trocken schloss Nicu ins rechte Eck, 1:0 (50.).
Die Hausherren waren wie gelähmt. Mainz brachte eine Viertelstunde lang keinen geordneten Angriff zustande.
Nicht nur, dass Hertha daraus kein Kapital schlug, die Berliner brachten den Aufsteiger unfreiwillig zurück ins Spiel. Der Schwede Rasmus Bengtsson, der eigentlich ein ordentliches Debüt als Friedrich-Ersatz in der Innenverteidigung gab, schlug ein Luftloch, als er einen Ball aus dem Strafraum befördern wollte. Nemanja Pejcinovic traf den Mainzer A-Jugendspieler Antonio Grimaldi bei dessen Liga-Debüt im Unterleib, der sank zu Boden – Elfmeter. Andreas Ivanschitz verwandelte links unten, 1:1 (80.). Nun war der Substanzverlust bei den Gästen unübersehbar. Neben Friedrich fehlten die verletzten Gojko Kacar und Raffael. Das Debüt von Florian Kringe war nach zwölf Minuten schon wieder beendet. Der Mittelfeldspieler, von Borussia Dortmund ausgeliehen, humpelte vom Platz. Der Mainzer Elkin Soto ihm an der linken Außenlinie in die Beine gesprungen. Bestätigt sich der erste Verdacht auf einen Mittelfuß-Bruch fällt Kringe bis zu acht Wochen, das heißt bis Mitte November, aus.
Der für ihn eingewechselte Nicu war in der umkämpften Schlussphase ebenso wenig zu sehen wie von den meisten Herthanern. Die einzige Ausnahme war Torwart Drobny, der gegen Bance (73.) und Grimaldi (84.) rettete.
Doch wenig später war auch der tschechische Schlussmann geschlagen. Der Schweizer Nationalspieler von Bergen, der schon zuvor auf die gleiche Weise von Bance getunnelt worden war, ließ sich erneut ausspielen, 1:2, nach 85 Minuten war die Partie entschieden.
Von Bergen verliert gegen Bance
Hertha hatte in der Schlussphase nichts mehr zuzusetzen. Daran änderte auch der Sieben-Minuten-Einsatz des frisch verpflichteten kolumbianischen Stürmers Adrian Ramos nichts mehr. Dardai war verärgert: „Wir haben genügend erfahrene Spieler wie Cicero, von Bergen und mich, wir alle müssen am Ende die Partie besser im Griff haben.“ Unmittelbar nach dem Schlusspfiff rang Trainer Lucien Favre nach Worten: „Diese Niederlage ist schwierig zu akzeptieren. Warum haben wir immer kompliziert über Außen gespielt, statt einfach durch Mitte? Wir hätten hier gewinnen, in jedem Fall aber einen Punkt mitnehmen müssen. Die Moral nach dieser Niederlage ist nicht gut. Wir müssen uns jetzt konzentrieren auf die Europa League gegen Ventspils am Donnerstag und am kommenden Sonntag im Heimspiel gegen Freiburg.“





