Der FC Barcelona will im Januar 2010 Gojka Kacar verpflichten, so berichten es spanische und serbische Medien. Der FC Bayern will seine wacklige Abwehr mit Arne Friedrich stabilisieren, mutmaßt die "Bild". Wer derzeit die Gerüchteküche verfolgt, könnte meinen, Fußball-Profis von Hertha BSC könnten sich kaum retten vor Angeboten von Topklubs.
Die Wahrheit ist eine andere. Am Donnerstag spielen die Berliner erst die sechste Pflichtpartie dieser Saison - und der Druck ist bereits enorm. Nach dem 1:2 bei Bröndby IF im Play-off-Hinspiel der Europa League entscheidet das Rückspiel (Jahn-Sportpark 18.15 Uhr, DSF live) bereits maßgeblich über den weiteren Saisonverlauf.
"Aus sportlichen, wirtschaftlichen und Prestige-Gründen wollen wir unbedingt die Gruppenphase erreichen", sagt Michael Preetz, Geschäftsführer Sport. Doch Hertha hat sich binnen sieben Tagen in eine schwierige Ausgangsposition manövriert. Drei Niederlagen (1:2 gegen Mönchengladbach und Bröndby, 0:1 in Bochum) zehren am Selbstbewusstsein. Die Kritik von Kapitän Friedrich und Vizekapitän Jaroslav Drobny vom Wochenanfang, Hertha brauche mehr Qualität, zeigt: Die Führungsspieler bangen darum, dass Hertha sich schon nach wenigen Spielen aller Perspektiven für diese Saison beraubt.
Michael Preetz formuliert den Druck positiv: "Die Mannschaft hat gegen Bröndby die Chance, sich für ein Jahr harte und gute Arbeit zu belohnen, indem sie die Gruppenphase der Europa League erreicht." Andersherum gesagt: Nach dem Holperstart in der Liga (nur drei von neun möglichen Punkten) droht in der Europa League das Aus, ehe die lukrative Gruppenphase überhaupt beginnt. Wirtschaftlich winkt eine Zusatzeinnahme von mindestens 1,5 Millionen Euro. "Eine solche Einnahme würde unseren Handlungsspielraum bei der Verpflichtung von ein, zwei offensiven Leuten erweitern" (Preetz). Die Neuen sollen bis Ende des Monats vorgestellt werden.
Gegen den zehnfachen dänischen Meister muss es jedoch der aktuelle Kader richten. Raffael (Ellenbogen-Bruch) fällt aus. Der Einsatz von Artur Wichniarek entscheidet sich erst unmittelbar vor dem Spiel. Am Dienstag joggte der Pole, hat aber nach wie vor Rückenschmerzen.
Mit Valeri Domovchiyski hat Hertha nur einen gesunden Stürmer. Doch die Spieler geben sich demonstrativ zuversichtlich. "Eine Krise gibt es nur in den Medien", behauptet Manndecker Steve von Bergen, "intern ist die Stimmung gut. Wir müssen zeigen, dass wir gewinnen wollen. Wir haben alle Chancen, ein 1:0 reicht uns."
Und was ist mit den vermeintlichen Angeboten der Topklubs? Gojko Kacar schüttelte beim Thema FC Barcelona verständnislos den Kopf: "Ich weiß von nichts." Arne Friedrich staunte ebenfalls bei der Frage nach dem FC Bayern: "Ich habe bei Hertha drei Jahre Vertrag plus Option auf ein weiteres. Auf mich ist niemand zugekommen. Was soll ich sagen?"




