Zum zweiten Treffen mit den neuen Kollegen kam es am Netz. Beim Fußball-Tennis lernte Florian Kringe (27) am Mittwoch seine Mitspieler kennen. Der Zugang von Hertha BSC bildete mit Stürmer Artur Wichniarek ein Duo und hatte bei der Übung sichtlich Spaß.

Beim ersten Treffen eine gute halbe Stunde zuvor waren die Mienen noch angespannter gewesen. Trainer Lucien Favre hatte seine Spieler einen schweißtreibenden Laktat-Test absolvieren lassen. Wegen der Länderspiele und einiger Verletzter stehen Hertha derzeit nur acht gesunde Feldspieler zur Verfügung. "Ein richtiges Bild von der Mannschaft werde ich mir erst machen können, wenn die Nationalspieler zurück sind. Aber die ersten Eindrücke sind schon mal sehr positiv", sagte Kringe.

Vor zwei Jahren sagte Kringe ab

Am Montag hatte Manager Michael Preetz Kringe von Borussia Dortmund wenige Stunden vor Ende der Transferperiode bis Juni 2010 ausgeliehen. Dementsprechend wenig Zeit zum Nachdenken hatte der Mittelfeldspieler. "Ich habe Samstagabend von Herthas endgültigem Interesse erfahren und Sonntag entschieden. Hertha ist ein Traditionsklub und auf sehr gutem Weg."

Die Blau-Weißen hatten sich schon vor zwei Jahren um Kringe bemüht. Damals hatte er sich für eine Verlängerung in Dortmund bis 2012 entschieden. Nach 13 Jahren Borussia bekannte er freimütig: "Ein bisschen Wehmut ist nach so langer Zeit dabei. Mit so einem Kapitel schließt man nicht einfach so von heute auf morgen ab."

Ein Wechsel war für ihn dringend notwendig. Erstmals gehörte Kringe zuletzt nicht einmal mehr dem Kader an. Dabei hatte er in der vergangenen Saison noch 29 Partien absolviert. "Ich war verletzt und habe immer weniger Einsatzzeiten bekommen. Als ich auch im DFB-Pokal nicht aufgestellt wurde, habe ich zum ersten Mal gedacht, dass ich wohl besser woanders hingehe." Nach einem Gespräch mit Trainer Jürgen Klopp wusste Kringe, dass Dortmund "mir keine Steine in den Weg legen wird, wenn ich wechseln will." Der BVB wollte den Mittelfeldspieler von der Gehaltsliste bekommen. Das legen die Konditionen nahe.

Bescheidene Leihgebühr

Die Leihgebühr für den gestandenen Bundesliga-Profi (179 Spiele) beträgt überschaubare 200.000 Euro. Am Gehalt ist der BVB, so ist zu hören, noch mit 25 Prozent beteiligt. In Dortmund mag er regelmäßig vor 80.000 Fans gespielt haben. Sportlich, da ist sich Kringe sicher, hat er sich verbessert. "Ein guter Bekannter hat mir gesagt, dass ich die Treppe hochgefallen bin. Ich finde, das trifft es ganz gut." Der BVB hat vergangene Saison als Sechster das internationale Geschäft verpasst, Hertha hingegen spielt in der Europa League.

Kringe will die Erwartungen unbedingt erfüllen. "Dann werden wir hier gemeinsam mindestens zehn gute Monate haben." Seine Ziele: in der Europa League die Gruppenphase überstehen und die K.o.-Runde erreichen. In der Liga will er mit Hertha ungeachtet der starken Konkurrenz erneut unter den ersten Fünf einlaufen.

Eine wichtige Verstärkung

Kringe lachte über seinen eigenen Mut und drehte sich zu Herthas Pressechef Peter Bohmbach an seiner Seite. "Ich weiß gar nicht, was das offizielle Saisonziel vom Verein ist. Nicht, dass ich mich hier zu weit aus dem Fenster lehne. Aber da will ich mit Hertha hin." In der Tat ist das offensiver als die bisherige Vorgabe von Manager Preetz und Trainer Favre. Deren Sprachregelung fürs Saisonziel lautet einstelliger Tabellenplatz.

Für Trainer Lucien Favre ist Florian Kringe eine wichtige Verstärkung. Er sei fit und könne sofort helfen. Allerdings ist bei Hertha das Gerangel nirgends größer als im Mittelfeld. Um vier Plätze bewerben sich acht Profis: Neben dem Neuen sind das Pal Dardai, Gojko Kacar, Cicero, Maximilian Nicu, Patrick Ebert, Lennart Hartmann sowie Zugang Cesar.

Florian Kringe sieht das gelassen: "Der Konkurrenzkampf ist groß. Wir haben eine Menge hochqualifizierter Spieler. Aber das muss so sein in einem Verein, der international spielen will."