Ob dieses 1:2 (0:0) tatsächlich eine Niederlage ist, wird erst das Rückspiel am kommenden Donnerstag in Berlin zeigen. In jedem Fall ist die Pleite bei Bröndby IF im Play-off-Hinspiel um den Einzug in die Europa League „ein gefährliches Ergebnis“, wie Kapitän Arne Friedrich danach sagte. „Trotzdem ist für uns im Rückspiel noch alles drin.“ Dafür muss jedoch eintreten, was Pal Dardai nach Schlusspfiff forderte: „Wir müssen uns nächste Woche spielerisch steigern.“

Die beiden Routiniers brachten die Ausgangslage von Hertha BSC perfekt auf den Punkt. Die Berliner haben in Dänemark gewiss kein Wunschergebnis erzielt, sich dank des zwischenzeitlichen Ausgleichs durch Valeri Domovchiyski aber doch alle Chancen aufs Weiterkommen erhalten.

Dazu empfiehlt es sich, mit ähnlich viel Energie ins Spiel zu gehen, wie es die Dänen im Bröndby-Park vormachten. Die Gastgeber, für die jeder Vergleich gegen einen Bundesligisten zum Prestigeduell des kleinen Dänemarks gegen das große Deutschland steht, zeigten vor 12.050 Zuschauern gleich, was sie sich vorgenommen hatten. Und die Bröndby-Fans zogen mit. Mit Anpfiff entrollten sie ein überdimensioniertes Plakat. Vor der Skyline mit Hochhäusern und dem Fernsehturm vom Alexanderplatz stand selbstbewusst: „Auf Wiedersehen Hertha BSC“.

Überraschend offensive Taktik

Favre hatte sich bei der wichtigen Partie für ein relativ offensives 4-3-3-System, also mit Raffael, Artur Wichniarek und Patrick Ebert im Sturm, entschieden. Im Mittelfeld kehrte Pal Dardai (33), der erfahrenste Herthaner, in die Startformation zurück.

Es war, das stellte Kapitän Arne Friedrich hernach fest, „ein sehr intensives Spiel“. Hertha hatte die bessere Spielanlage, Bröndby aber hielt sehr körperbetont dagegen. Cicero musste behandelt werden, nachdem er ein Knie in den Rücken bekommen hatte (9.). Die Stimmung im Stadion war aufgeheizt. Jeder gewonnene Zweikampf der Hausherren wurde frenetisch bejubelt, jeder Freistoß für die Berliner mit einem gellenden Aufschrei bedacht. Europacup pur.

Hertha war beeindruckt, die Mannschaft brachte keine Ruhe in ihr Spiel. Meist wurde reagiert auf das, was Bröndby unternahm. „Wir hatten Probleme mit dem Tempo“, klagte Trainer Favre zu Recht. Friedrich etwa blockte gerade noch so einen gefährlichen Holmen-Schuß zur Ecke ab (25.). Es dauerte fast eine halbe Stunde, bis Hertha überhaupt zum ersten Mal auf das dänische Tor schoss (Cicero/27.). „Gerade in der ersten Halbzeit war Bröndby sehr stark“, sagte Friedrich .

Nach 31 Minuten musste Wichniarek, der überhaupt keine positive Aktion hatte, wegen wegen einer Blockade im Rücken Platz machen für Valeri Domovchiyski. Allein, am Bild des Spiels änderte sich nichts. Hertha profitierte ein weiteres Mal davon, dass Bröndby eine Großchance vergab. Eine Eingabe von Mikael Nilsson schob Morten Rasmussen aus 50 (!) Zentimetern Entfernung allein vor dem Tor am Pfosten vorbei (35.).

Das konnte nicht gut gehen. So war es Jaroslav Drobny, der die unfreiwillige Vorarbeit für Bröndby leistete. Der Torwart, der trotz eines Nasenbeinbruchs spielte, ließ einen Ball, den er schon abgefangen hatte, aus den Händen rutschen – Mikkel Bischoff schob aus drei Metern ins leere Tor, das längst überfällige 0:1 (52.).

Zum Erstaunen der Zuschauer zeigte Hertha Reaktion. Vom Anstoß weg wurde Ebert auf der rechten Seite auf die Reise geschickt, er bediente dem am langen Pfosten freistehenden Domovchiyski, der humorlos einköpfte. 1:1 – schlagartige verstummten die Jubelgesänge der dänischen Fans (53.).

Eiskalte Effektivität beim Ausgleich

Diese eiskalte Effektivität, die sich in der Bundesliga mittlerweile herumgesprochen hat, beeindruckte die Gastgeber. Nun endlich kam Hertha ins Rollen. Behauptete den Ball in den eigenen Reihen. Domovchiyski vergab die Chance zur Führung (65.). Stattdessen brachte sich Hertha mit einer Schwäche, die chronisch zu werden droht, selbst aus dem Tritt: Dem Abwehrverhalten bei Standardsituationen. Wieder war es ein Freistoß von Rasmussen, Nemanja Pejcinovic verlängert den Ball unerreichbar für Drobny, das 1:2 war ein klassisches Eigentor (71.). Der eingewechselte Maximilian Nicu vergab in der 87. Minute mit einem 23-Meter-Schuss, der haarscharf über das Tor flog, die letzte Chance auf eine optimale Ausgangsposition.