Die Rückendeckung fiel prominent aus: Manager Michael Preetz schaute sich das Training der Profis mit Präsident Werner Gegenbauer an. Die Vereinsführung stand nicht zufällig Trainer Markus Babbel zur Seite. Der neue Übungsleiter hatte sich schwer geärgert und am Donnerstag erstmals andere Saiten aufgezogen.
Bereits um 7.30 Uhr hatte Babbel den Kader zum Straftraining gebeten. Der blau-weiße Tross joggte über das Gelände am Olympiastadion an der Waldbühne vorbei durchs Murellental. Eine dreiviertel Stunde war die Gruppe unterwegs. Diese Laufeinheit wird es bis Sonntag täglich zusätzlich zu den normalen Übungsstunden um 10 und 16 Uhr geben. Auch im Traininglager in Oberstaufen im Allgäu soll das Programm beibehalten werden. Was den Trainer empörte: Zehn Profis, die gute Werte beim Laktattest aufwiesen, standen 13 Profis mit schlechten bis katastrophalen Ergebnissen gegenüber. Sie hatten im Urlaub wenig oder nichts getan.
Verärgert über die Faulenzer
Die Stimmung von Trainer Babbel schwankte zwischen Sarkasmus und Wut. „Wo liegt das Problem?“, fragte er rhetorisch, „morgens ist die Luft wunderbar, es ist noch nicht so heiß.“ Eigentlich war der Coach enttäuscht. Seit 19 Jahren ist er im Profigeschäft, so etwas hat er noch nicht erlebt. 13 Spieler haben sich auf ihre Aufgabe unprofessionell vorbereitet, da geht es um Grundsätzliches. „Wenn ich mir die Laktatwerte anschaue, mache ich mir Gedanken, warum Hertha abgestiegen ist. Dass muss auch an der Einstellung gelegen haben.“ Babbel sprach mit ruhiger Stimme, aber sein Urteil war vernichtend. „Wenn du die Chance hast, es besser zu machen, aber so vorbereitet zurückkommst, dann hast du es nicht kapiert.“
Gleich zu Beginn der Vorbereitung gerät Hertha in eine heikle Situation. Der Bundesliga-Absteiger hat den größten Etat der Zweiten Liga, die interessantesten Spieler und das ehrgeizigste Ziel. Aber der kollektive Aussetzer von der Hälfte des Kaders zeigt: Das größte Problem von Hertha auf dem Weg zurück in die Bundesliga ist wahrscheinlich Hertha selbst: Dann, wenn sich Überheblichkeit und Selbstüberschätzung breit machen.
Zumal jene, die es mit dem Urlaubsplan nicht so genau genommen haben, gleich noch die Autorität von Babbel herausfordern. Der hatte auf seiner ersten Trainer-Station beim VfB Stuttgart versucht, seine kriselnde Mannschaft mit intensiven Gesprächen auf Vordermann zu bringen. Doch nicht jeder hatte ihm das Vertrauen mit Leistung gedankt. Deshalb antwortete Babbel bei seiner Vorstellung in Berlin auf die Frage, was er aus jener Phase gelernt habe: „Man darf nicht zu langmütig sein, sondern muss gegenüber den Spielern auch mal die Peitsche rausholen.“
Dieser Zeitpunkt ist nun gleich in seiner ersten Arbeitswoche in Berlin gekommen. Dabei waren die Anforderungen für die Profis durchaus übersichtlich. Vier Wochen Urlaub hatte Hertha seinen Angestellten nach dem Abstieg gegönnt. Der Arbeitsplan für die Ferien sah so aus: 14 Tage absolute Erholung. In der dritten Woche vier bis fünf Läufe. In der vierten Woche täglich 45 Minuten Joggen in unterschiedlicher Intensität.
Ebert mit sehr guten Werten
Zehn Profis haben das ernst genommen. Ausgerechnet Patrick Ebert, der in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit professionellem Lebenswandel hatte, hat sich vorgenommen, seine unverhoffte Chance bei Hertha zu nutzen (siehe auch Infokasten): Ebert glänzte beim Laktattest mit den besten Werten. Doch jene 13 Kollegen, die den Trainingsplan mehr als Wunschzettel des Arbeitsgebers interpretierten, haben dem Rest einen Bärendienst erwiesen. Babbel hat den gesamten Kader inklusive Trainerteam zum außerplanmäßigen Frühtraining verdonnert.
Sehr zum Wohlwollen von Manager Preetz. „Der Vorgang ist ärgerlich. Das ist nicht professionell. Der Trainer hat reagiert, das finde ich gut.“ Demonstrativ stärkten deshalb der Manager und Präsident Gegenbauer mit ihrer Anwesenheit dem Coach den Rücken. Das interne Spannungsfeld, das sich jetzt auftut zwischen denen, die viel gearbeitet haben, jetzt aber trotzdem Extraschichten fahren müssen, und denen, die es haben lax angehen lassen, ist in der Führung erwünscht.
Nun ist Selbstkritik bei Fußball-Profis traditionell nicht sehr ausgeprägt. So versicherten am Donnerstag die Brüder Raffael und Ronny, die beide zu den Faulenzern gehören sollen, sie hätten im Urlaub echt geackert. „Ich fühle mich gut vorbereitet“, sagte Ronny, „aber das Training hier ist schon hart.“ Raffael behauptete, er sei in Brasilien regelmäßig mit seinem Bruder gelaufen. Die Strafeinheiten begeistern ihn nicht. „Ich hätte nicht erwartet, dass wir nicht fit genug sind und jetzt drei Mal am Tag trainieren müssen.“ Dem gegenüber sagte Manager Preetz: „Jeder muss verstehen, dass das, was er macht, Auswirkungen auf die ganze Truppe hat. Disziplin, Ordnung und Eigenverantwortung sind Grundtugenden.“ Weil nicht alle verstanden haben, dass Laufbereitschaft und Fitness die Basis sind, arbeitet Hertha nach. Am Freitag wieder ab 7.30 Uhr.




