Die Formalie nahm kaum mehr als ein paar Minuten in Anspruch, alles war gut vorbereitet. Per Post und vorab auch per E-Mail versandte Michael Preetz zu Beginn seines Arbeitstages Dienstagvormittag an drei Stellen, was er schon früher angekündigt hatte: Adrian Ramos (24), dessen Berater Helmuth Wennin von der Agentur Colombiagol und auch die Deutsche Fußball Liga (DFL) setzte der Geschäftsführer von Hertha BSC offiziell darüber in Kenntnis, dass der künftige Zweitligist auch nach dem Abstieg aus der Bundesliga die Zusammenarbeit fortzusetzen gedenke. Möglich machte das eine Option im bis 2013 datierten Vertragswerk, das über den Stichtag 30. Juni hinaus gültig bleibt, wenn der Klub sich bereit erklärt, den Angestellten weiter zu Erstliga-Konditionen zu entlohnen. Das tut Hertha, weil es im Fall Ramos mit rund einer halben Million Euro nicht einmal besonders schwer fällt.

So weit, so einfach. Doch Herthas Wunsch und Wille prallt ziemlich gegensätzlich auf die Zukunftsplanung von Ramos. Die sieht, sagte sein Berater Wennin Morgenpost Online, „unter keinen Umständen vor, für einen Zweitligisten zu spielen, ganz egal, wie der Klub heißt“. Hauptgrund dafür sei die Sorge, in so einem Fall nicht mehr für das Nationalteam seiner Heimat Kolumbien nominiert zu werden. Nun mag das angesichts der generellen Bedeutung des südamerikanischen Landes im Weltfußball schon dahingestellt sein. Generell pflegt Wennin eine sehr eigene Beurteilung der Faktenlage. Mit Preetz streitet er um die Deutungshoheit über Ramos, den Stürmer mit der schlaksigen Statur, der in einem für seinen Klub von allerlei grundsätzlichen Kalamitäten begleiteten Premierenjahr in Europa famose zehn Tore erzielt hat. Nur: Entsprechende Angebote zahlungskräftiger Klubs in der von Hertha erbetenen Höhe im zweistelligen Millionenbereich sind bis jetzt ausgeblieben.

Preetz setzt die geforderte Summe aus sportlichen Gründen so hoch an, aber auch deshalb, weil Hertha Ende August 2009 für 1,4 Millionen Euro von Ramos’ altem Klub America de Cali nur 80 Prozent der Transferrechte erworben hatte. 20 Prozent von jedem Weiterverkauf fließen demnach an den Skandalklub mit seiner unrühmlichen Drogenvergangenheit.

Wennin fordert derweil, Hertha werde Ramos unter allen Umständen ziehen lassen müssen. „Es wäre äußerst schwer, für einen Klub zu spielen, für den er nicht länger motiviert ist zu spielen.“ Er sei diesbezüglich mit Preetz in Kontakt, der das noch bejaht („Wir kommunizieren permanent“), jedoch auch sagt: „Wir werden klarstellen, dass Adrian auch weiterhin für uns spielt.“

Diese Diskrepanz in der Sicht auf die Dinge werde sich lösen lassen, glaubt Wennin. „Adrian verdient es, auch weiter in einer ersten Liga zu spielen.“ Vorläufig wird der 5. Juli zum Tag der Wahrheit, wenn Hertha unter dem neuen Trainer Markus Babbel in die Vorbereitung auf die anstehende Zweitliga-Saison startet. Wird Ramos erscheinen? „Wir werden“, sagte Wennin, „bis dahin eine freundschaftliche Lösung gefunden haben.“ Abwarten.