Hertha BSC hat rasch einen Nachfolger für Torwart Jaroslav Drobny gefunden. Der Zweitligist verpflichtet den Niederländer Maikel Aerts (33) für zwei Jahre. Der Torwart kommt ablösefrei von Willem II Tilburg. Aerts hatte Donnerstagvormittag die obligatorische sportärztliche Untersuchung in Berlin absolviert, am Nachmittag wurde die neue Nummer eins der Öffentlichkeit präsentiert. „Ich freue mich, Maikel zu begrüßen“, sagte Manager Michael Preetz. „Wir haben einen Torwart mit Ausstrahlung und mentaler Stärke gesucht, einen Führungsspieler.“

Aerts ist das, was man einen Typen nennt. Positiv, laut, unerschrocken. Es gibt Videos, wo er sich bei Auswärtsspielen mit den gegnerischen Anhängern anlegt. Für ungewolltes Aufsehen hatte Aerts mit einer positiven Kokain-Probe 1997 gesorgt. „Wenn man jung ist, macht man Dinge, die man nicht tun sollte. Das war ein Fehler. Das Wichtige war, dass ich daraus gelernt habe“, sagte Aerts, der damals der erste Spieler seines Landes war, der wegen Kokain-Missbrauchs für drei Monate gesperrt wurde. Als mittlerweile dreifacher Familienvater wisse er um die Vorbildfunktion, die er habe.

In den Niederlanden ist er nicht nur als reaktionsschneller Keeper bekannt. Maikel Aerts ist der Cousin von Peter Aerts (39), einem der weltbesten Kickboxer. Für das holländische Fernsehen traten die Beiden zu einem Showkampf „Aerts vs. Aerts“ an.

Sportlich kommt Maikel Aerts mit einer durchwachsenen Saison im Gepäck nach Berlin. In der vergangenen Saison belegte er mit Willem II den 17. und vorletzten Platz in der Ehrendivision (36:70 Tore). Doch im Relegations-Play-off sicherte sich Willem II den Klassenerhalt. Im Internet herrschte unter den Hertha-Fans Enttäuschung. Mit Blick auf Michael Rensing oder Timo Hildebrand, die auf dem Markt sind, hatten sich einige einen namhafteren Torwart gewünscht als einen unbekannten Holländer, der mit einem unbekannten Klub fast abgestiegen wäre.

Gleichwohl hatte Aerts (1,96 m/91 Kilo), entscheidende Fürsprecher. Herthas Torwarttrainer Christian Fiedler hatte sich im Winter mit diesem Thema beschäftigt. „Ich bin nach Eindhoven geflogen, habe Maikel dort und in Tillburg beim Spiel sowie beim Training beobachtet“, berichtete Fiedler. Er hat sich sowohl bei dem ehemals in Holland tätigen Trainer Hans Meyer erkundigt als auch bei Martin Pieckenhagen, dem Keeper von Heracles Almelo. „Das war alles sehr positiv.“ Die Torwart-Personalie ist für Hertha wichtig, aber auch für Fiedler. Es ist die erste Entscheidung, die er in seiner neuen Funktion als Chef-Torwarttrainer trifft.

Angesprochen auf die Skepsis schüttelt Fiedler den Kopf: „Wartet ab, wenn ihr Maikel im Training seht. Er war Kapitän bei Willem II, für mich der beste Spieler seiner Mannschaft und hat im entscheidenden Spiel einen Elfmeter gehalten.“

Der Bundesliga-Absteiger hatte zunächst versucht, Drobny, den Schlussmann der vergangenen drei Jahre, zu halten. Nachdem der Tscheche sich trotz mehrfach verlängerter Bedenkzeit nicht für Hertha entscheiden konnte, hat der Klub am vergangenen Donnerstag sein Angebot zurückgezogen. Nun geht Hertha mit Aerts als Nummer eins in die Saison. Nummer zwei wird Sascha Burchert (20) sein, ein dritter Torwart wird gesucht.

Aerts wollte unbedingt nach Berlin. „Das Niveau in Holland ist hier“, er hält seine rechte Hand vor den Bauch, „und in Deutschland hier“, sagt er zu seiner linken Hand, die er über den Kopf hält. „Mein Ziel ist es, dass wir nächste Saison in die Bundesliga aufsteigen.“

Hertha erwartet ein interessanter Typ. Seinen Urlaub wird er nicht auf den Seychellen verbringen. Aerts geht für Hertha ins Kloster. Um genau zu sein: Nach Regina Coeli, einem ehemaligen Kloster, das mittlerweile ein Sprachzentrum beherbergt. Dort gibt es Deutsch-Unterricht, täglich von 9 bis 21 Uhr. Im vergangenen Sommer hatte ein anderer Niederländer sich in diesem Kloster auf das Abenteuer Deutschland vorbereitet – Louis van Gaal.