Zu einem Laktattest bittet Franco Foda Mittwochvormittag, unmittelbar danach reist der SK Sturm Graz von 1909 zum Auftakt seiner Saisonvorbereitung ins Lauftrainingslager nach Gröbming. Die 3000-Einwohner-Gemeinde in der westlichen Steiermark wird Daniel Beichler aller Voraussicht nach noch kennenlernen. Weiterführende Prognosen wagt der 21-Jährige derzeit nicht, sein Trainer ist über die Wechselpläne seines Shootingstars informiert – wenn es geht, soll Deutschland das Ziel der Veränderung sein. „Zwei, drei Klubs“, sagte Berater Max Hagmayr am Dienstag zu Morgenpost Online, hätten Interesse an Beichlers Diensten, und wenn Hagmayr es auch nicht explizit bestätigen mochte: Hertha BSC ist darunter.
Gesichert ist, dass der Spieler Montag dieser Woche zu Besuch in Berlin war, ein erstes Kennenlernen fand statt mit dem neuen Trainer Markus Babbel und Manager Michael Preetz. Stadion und Trainingsgelände hinterließen bleibenden Eindruck bei Österreichs Nationalspieler, und auf diese emotionale Komponente setzt Bundesliga-Absteiger Hertha. Bei Beichlers Entscheidung werde es „auch nach dem Gefühl gehen“, sagte Berater Hagmayr: „Wenn er glaubt, dass alles passt, kann es ganz schnell gehen.“
Auch ein noch bis 2011 gültiger Vertrag in Graz sollte kein Hindernis darstellen; die festgeschriebene Ablösesumme soll eine Million betragen, was für Hertha darstellbar wäre. Zumal für einen Spieler, dessen Verpflichtung aus mehreren Gründen Sinn macht. Punkt eins: die Perspektive. Beichler wird zur „neuen goldenen Generation“ seines Landes gezählt. Und von Babbel ist hinterlegt, dass er auf die Jugend setzt. Er werde einem älteren immer den jüngeren Spieler vorziehen, wenn der mindestens genauso gut sei, sagte Babbel bei seiner Rede vor den Mitgliedern Ende Mai.
Ruhiger Typ, verlässlicher Arbeiter
Und gut ist Beichler, davon kündet jedenfalls der Eilmarsch des Rechtsfüßers durch die U-Nationalteams seines Landes; ab dem Winter der Saison 2006/07, noch vor seinem Debüt in der heimischen Liga, schnupperte er auf Leihbasis ein halbes Jahr bei Reggina Calcio in den europäischen Spitzenfußball hinein. Wenngleich ohne Einsatz, kehrte er allemal gereift nach Graz zurück. 2009 wählte in die Vereinigung der organisierten Fußballer des Nachbarlandes zum „Aufsteiger des Jahres“. Punkt zwei: die Vielseitigkeit. Beichlers Qualitäten als Torjäger dokumentieren sich in 21 Toren in 64 Ligaspielen; im Schnitt traf er alle 177 Minuten. In der Europa League traf er vergangene Saison in der Gruppenphase zweimal gegen Galatasaray Istanbul.
Seine angestammte Position ist aber auf den Flügeln im Mittelfeld, bevorzugt rechts, wo Hertha nach Verstärkung sucht. Dort spielte Beichler auch bei seinen bislang fünf Einsätzen für Österreichs Nationalteam. Dritter für Beichler sprechender Punkt ist sein Charakter. Der gebürtige Grazer wird von ständigen Beobachtern in seiner Heimat als unaufgeregter Typ beschrieben, als ein ehrgeiziger, fleißiger Arbeiter. Wesenszüge, die sich auch auf den Platz übertragen. Das künstlich übersteigerte Spiel etwa eines Patrick Ebert ist ihm fern; solide, aber immer verlässlich verrichtet er seinen Dienst.
So einer wird, das darf man immerhin annehmen, auch nicht aufbegehren, wenn es einmal nur zu einem Platz auf der Bank reicht. Wobei für Beichler bei Hertha viele Türen offen stünden. Trainer Babbel will im 4-2-3-1-System spielen lassen, mit einem Zentrumsstürmer also und drei offensiven Mittelfeldkräften dahinter. Für jede dieser Positionen käme Beichler infrage, sei es als Stammkraft oder erste Alternative zu Adrian Ramos (Angriff, Mittelfeld rechts), Raffael (zentral) oder dessen Bruder Ronny (links).



