Michael Preetz bittet um Verständnis, dann lacht er kurz. Er, der Manager von Hertha BSC, ist ja durchaus erfahren im Umgang mit Medien und Öffentlichkeit; er kennt die Sehnsüchte der Fans nach neuen Spielern und positiven Meldungen, und er kennt auch die Nöte von Journalisten. „Aber“, sagt er dann, „wir hier im Verein machen unsere Arbeit nicht mit Blick darauf, dass jeden Tag eine neue Zeitung erscheint.“ Und so gibt es eben nicht jeden Tag Neues, schon gar nicht in für die Anhänger positiver Hinsicht.
Dabei ist es zuletzt doch recht gut gelaufen für Preetz und seinen neuen Trainer Markus Babbel. Levan Kobiashvili wurde gehalten, Roman Hubnik ebenso, der Vertrag mit Sascha Burchert verlängert und der von Valeri Domovchiyski hinsichtlich Laufzeit und Bezügen modifiziert. Die neue Hertha bekam ihr Fundament gelegt. Preetz formuliert es wohlwollend: „Ich bin zufrieden mit dem Fortgang. Wir haben in relativ kurzer Zeit relativ viel geschafft.“
Aber seit ein paar Tagen müssen er und Babbel feststellen, dass die Dinge auch mal ins Stocken geraten können. Gefühlt tun sich zwei Dutzend Baustellen vor ihnen auf, und mag in den einzelnen Bereichen auch „alles im Fluss“ sein, so kann Preetz zurzeit doch „nirgends Vollzug vermelden“. Teils hängt es nur an Details, bei Fabian Lustenberger etwa, „aber es macht ja nur Sinn, etwas zu verkünden, wenn es auch wirklich rund ist“, sagt Preetz. Das kann Wochen dauern, manchmal auch nur Tage, im Idealfall Stunden. Ein Selbstläufer ist keine Personalie, bei besagtem Lustenberger wähnt Preetz sich aber doch „auf einem guten Weg“. Auch im Umfeld des Spielers wird noch im Laufe dieser Woche mit einem positiven Abschluss der Gespräche über einen bis 2014 ausgedehnten Vertrag gerechnet.
Eine andere Schlüsselpersonalie ist die des Torhüters. Gern soll der auch in Zukunft Jaroslav Drobny heißen; der Zuneigung von Babbel darf sich der Tscheche gewiss sein, und auch Preetz kämpft nach eigenem Bekunden nun ja schon „ein Jahr um ihn“ – da wird der Manager „unser Bemühen nicht an ein paar Tagen scheitern lassen“. Und doch bieten sich andernfalls nirgends so viele gutklassige Alternativen wie auf der Torwartposition, sie heißen unter anderem Michael Rensing (26, FC Bayern), Markus Miller (28, zuletzt Karlsruher SC) oder sogar Timo Hildebrand (31, zuletzt TSG Hoffenheim).
Hinlänglich beschrieben ist, mit welch' bei Bedarf auch harten Bandagen Preetz um die andauernden Dienste von Spielmacher Raffael und Torjäger Adrian Ramos kämpft. Auch der via „Bild“ verbreiteten Meldung, wonach die einseitige Option des Klubs auf Beibehaltung der Vertragsgültigkeit in Liga zwei zu Erstligakonditionen womöglich rechtlich bedenklich sei, widerspricht der Manager. Die Lage ist und bleibt eindeutig: Beide Südamerikaner sollen die vom Tor ausgehende und über Hubnik verlängerte Achse nach ganz vorne ausdehnen; wenn es sich vereinbaren lässt, zu der Spielklasse angepassten Konditionen.
Drobny, Lustenberger, Raffael, Ramos – es sind dies die vier Königsnamen, die Preetz beackert. Dahinter steht mit Gojko Kacar einer, der in Liga zwei kaum zu halten sein wird, gleichzeitig aber vom Grundgehalt (rund 650.000 Euro) vergleichsweise so günstig ist, dass Hertha die vertragliche Option mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ziehen wird; sei es, um Kacar doch zu behalten, oder aber um den WM-Teilnehmer (Serbien) bis Stichtag 30.Juni gegen Zahlung einer Ablöse zu veräußern.
Und dann folgen noch die, deren Verbleib bei Hertha keineswegs sicher und nicht unter allen Umständen auch erwünscht ist: Allen voran Artur Wichniarek. Genauso Christoph Janker, Marc Stein, Maximilian Nicu, Patrick Ebert. Helden von einst, Versager von gestern. Immerhin über Ebert, an dem Babbel überraschend viel Gefallen findet, dem Mitte Juni aber auch ein unschöner Prozesstermin in der „Autospiegel-Affäre“ bevorsteht, sagt Preetz: „Dass der Junge Potenzial hat, ist ja keine Überraschung.“





