Nach acht Monaten ist das Kapitel Friedhelm Funkel (56) bei Hertha BSC beendet. Manager Michael Preetz informierte das Präsidium des Bundesliga-Absteigers, dass er sich nach intensiven Gesprächen „einvernehmlich mit dem Trainer“ darauf geeinigt habe, den am 30. Juni 2010 auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Noch keine Entscheidung ist gefallen, wer der Trainer für die Mission Wiederaufstieg sein wird. Alle Namen, die gehandelt werden, wie etwas Markus Babbel oder Michael Oenning, sind Spekulationen.

Funkel selbst trägt die Entscheidung so entspannt, wie er sich trotz der dramatischen Situation von Hertha zumeist in Berlin präsentiert hat. Der Übungsleiter, der sonst mit strengem Blick das Treiben der Profis vom Rand verfolgt hatte, mischte sich am Dienstag beim täglichen Training unter die Spieler. Ob beim Ball-Hochhalten oder beim Trainingsspiel – Funkel war mittendrin. Durchgeschwitzt, aber guter Dinge berichtete er anschließend den Medienvertretern, dass Torwart Jaroslav Drobny sich zu einer Kniebehandlung in London aufhalte. Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch will der Noch-Trainer mitteilen, ob er und Cotrainer Christoph John ihren Spind sofort räumen oder die Mannschaft bis zum Freundschaftsspiel am 21. Mai beim FC Grone betreuen. Ab dem 22. Mai beginnt der Urlaub bei den Blau-Weißen.

Preetz weiß, dass die Trainer-Frage eine Königspersonalie auf dem Weg zum angestrebten direkten Wiederaufstieg ist, und damit für Hertha BSC – und für seine Karriere als Manager. Nach dem sein erstes Jahr im Amt mit dem Absturz in Liga zwei geendet hat, gilt es nun unter Druck die passenden Entscheidungen zu treffen. Die Trennung von Funkel hat Preetz sich nicht leicht gemacht. Der Trainer-Routinier genießt sowohl beim Manager als auch bei Präsident Werner Gegenbauer hohes Ansehen. Sinngemäß ist von ihnen zu hören, man sei in der rauen Profi-Branche selten einem anständigeren Charakter als Funkel begegnet.

Mit einiger Verspätung nach seinem Amtsantritt als Nachfolger von Lucien Favre am 3. Oktober 2009, hatten Funkel und Preetz ein gutes Händchen bei den Nachkäufen im Winter: Ob Theofanis Gekas, Levan Kobiashvili oder Roman Hubnik, alle halfen, den phasenweise desolaten Tabellenletzten zu stabilisieren. Die Schießbude der Hinrunde entwickelte sich zur zweitbesten Defensive der Rückrunde. Vor allem auswärts überzeugte das Schlusslicht beinahe nach Belieben (3:0 in Hannover, Freiburg, Köln, 5:1 in Wolfsburg). Gleichwohl vermochte Funkel nie Hertha konstant auf Niveau zu halten. Partout wollte ihm nicht gelingen, was die Kollegen der Abstiegskonkurrenz trotz ebenfalls erheblicher Schwächen fast alle schafften: Christian Groß brachte den VfB Stuttgart mit einer überragenden Bilanz von Platz 17 in die Euro League. Dieter Hecking holte den 1. FC Nürnberg aus dem Tabellenkeller und hofft nun auf die Relegation. Robin Dutt dankte das Vertrauen der Chefetage beim FC Freiburg mit den nötigen Siegen auf der Zielgerade der Saison. Sogar Mirko Slomka, mit sechs Niederlagen in Folge gestartet, rettete Hannover 96 mit einem Schlussspurt vor dem Abstieg.

Nur bei Funkel und Hertha wollte sich der Erfolg nicht dauerhaft einstellen. Null Heimsiege, dazu seine betont vorsichtigen Auftritte gegen Bochum, Gladbach (beide 0:0) und Mainz (1:1) führen zu einer insgesamt schwarzen Bilanz: Unter Funkel gab es vier Siege, neun Unentschieden und 14 Niederlagen.

Die „Frankfurter Allgemeine“, die Funkel aus fünf Jahren bei der Eintracht kennt, beschrieb dessen Dilemma in Berlin: Bisher sei Funkel immer daran gescheitert, weil es hieß, er sei ein Ergebnis-Trainer, aber kein Entwicklungs-Trainer. Bei Hertha indessen leiste er mit der Mannschaft unübersehbare Entwicklungsarbeit, nur blieben die Ergebnisse aus.

Nicht einmal der Verweis auf Funkels makellose Zweitliga-Bilanz (fünf Aufstiege bei fünf Anläufen) konnte die Waagschale des Abstiegstrainers, den die Fans im letzten Heimspiel gegen den FC Bayern gnadenlos ausgepfiffen hatten, aufwiegen. Es hatte „Funkel raus“-Sprechchöre und „Funkel, verpiss dich“-Plakate gegeben. Deshalb gab sich Preetz keinen Illusionen hin: „Wir haben es bei allen Anstrengungen gemeinsam nicht geschafft, die Klasse zu halten, und würden ohne jeglichen Kredit in die neue Saison starten.“

Deshalb nun die Trennung. Just die Fans sind ein Mosaikstein bei der Suche nach einem neuen Cheftrainer. Manager Preetz lässt sich, untypisch für die redselige Branche, weder Namen noch ein Anforderungsprofil entlocken. Aber ein paar Eckdaten liegen auf der Hand: Der Neue soll glaubhaft einen Neustart in Berlin bewegen. Und er soll den Anforderungen für die neue Spielklasse gerecht werden. Preetz: „Er muss die Mentalität mitbringen und vermitteln können, die wir in der Zweiten Liga brauchen.“