Aus der Ferne und als bekennender der Freund der Hauptstadt ist es für mich nicht weniger als ein Fiasko, dass Hertha nicht mehr in der Bundesliga ist und Berlin die einzige europäische Hauptstadt ohne Erstliga-Fußball ein wirklich trauriger Rekord.

Dass jetzt ausgerechnet der FC Ruhmreich zu Herthas Begräbnis kommt und dort seine 22. Meisterschaft feiert, ist fast schon makaber, denn die Geschichte beider Klubs ist ja auch die Geschichte zweier Brüder. Zum einen Uli Hoeneß, der schon sein 30-jähriges Jubiläum in den obersten Führungsetagen der Bayern hinter sich hat. Zum anderen Dieter, der für sich völlig zu Recht reklamiert, in knapp dreizehn Jahren einen Verein, dessen Geschäftsstelle aus einer Zweizimmer-Wohnung plus Reiseschreibmaschine bestand, wieder nach oben gebracht zu haben. Der große Unterschied im Wirken der beiden war, glaube ich, dass Uli nur einer von drei Elephanten war. Nicht so sehr der körperlichen Ausmaße wegen, sondern in Sachen Fußball-Verstand. Uli hatte in Franz Beckenbauer und Kalle Rummenigge ein Korrektiv, eines, das gewachsen war – zu Zeiten, als die drei noch zusammen spielten. Mit einer Hackordnung, die sich fortsetzte. Drei finanziell längst unabhängige Alpha-Tiere, denen es gelang, zu streiten, ohne sich gegenseitig auszubremsen und wegzugrätschen, sondern ihre Kompetenz immer zum Wohle des Klubs kanalisierten.

So ein Korrektiv hatte Dieter nicht und so eine Konstellation kann auch keiner auf dem Reißbrett entwerfen. Aber für mich ist sie eines der Geheimnisse der Ausnahmestellung der Bayern – und könnte für viele und auch für einen Neuanfang in Berlin als Vorbild dienen.

Zugegeben, ich kenne Herthas Umfeld nicht so gut. Aber für mich könnte Michael Preetz Teil einer solchen Kompetenz-Elephanten-Gruppe sein. Er hat während des entsetzlich langsamen Sterbens des Klubs mit dem immer neuen Hoffen Standfestigkeit bewiesen. Und noch viel wichtiger: Er hat Herz gezeigt, wie auch die Fans, die sich nicht von ihrem Team abgewandt haben, sondern in den harten Zeiten eher noch Unterstützung und Zuneigung draufpackten. Dieses Herz muss weiter schlagen.

Die Bundesliga wird schnell zur Tagesordnung übergehen, so schön eine Reise nach Berlin auch immer ist, und die Zweite Liga freut sich, nachdem mit Kaiserslautern und St. Pauli zwei prominente Namen die Liga verlassen haben.

Für Hertha kann und darf trotz der angespannten finanziellen Lage die Zweite Liga nur eine Durchgangsstation. Hertha muss versuchen, mit aller Gewalt sofort wieder aufzusteigen, denn sonst beißt sich die Katze in den Schwanz, denn das Portemonnaie würde immer schmaler. Wenn ich keine Kohle habe, habe ich keine Spieler, wenn ich keine Spieler habe, steige ich nicht auf, wenn ich nicht aufsteige, habe ich keine Kohle… Das ist die große Gefahr und ich drücke Hertha beide Daumen, dass sie ihr mutig und mit Geschick aus dem Weg geht.