Wie sieht die neue Mannschaft aus?
Dieses Thema beschäftigt Manager Michael Preetz seit Monaten. Die aktuelle Mannschaft, so viel steht fest, wird auseinander brechen. Von den Spielern, die beim 1:2 gegen Nürnberg zum Einsatz kamen, dürften wohl einzig der neue Rekordspieler Pal Dardai, Lukasz Piszczek und wohl auch Adrian Ramos den Neuanfang mitmachen. Theoretisch kann der Klub die Gültigkeit aller Verträge per Option erhalten und wird von diesem Recht in vielen Fällen auch Gebrauch machen – häufig aber nur, um die Spieler nicht ablösefrei zu verlieren.
Beispiel Gojko Kacar, den Hertha sich theoretisch auch in Liga zwei leisten könnte. Doch wird der serbische Nationalspieler diesen Weg nicht mitgehen wollen. Raffael und Jaroslav Drobny, dessen Vertrag ohnehin ausläuft, ebenso wenig.
Ein riskanter Sonderfall ist Arne Friedrich. Dessen Jahresgehalt, bis zu 3,5 Millionen Euro, ist künftig zu viel für Hertha. Zieht der Klub aber die Option und findet sich kein Abnehmer, müsste der Klub seinen Kapitän deutlich unter Marktwert verscherbeln.
Die Leihspieler Gekas (Leverkusen), Hubnik (FK Moskau), Pejcinovic (Belgrad), Kringe (Dortmund) und Cicero (Fluminense Rio) werden zu ihren Stammklubs zurückkehren. Dagegen hat Artur Wichniarek angekündigt, gern auch in Liga zwei zu bleiben.
Kennt Hertha die Zweite Liga?
13 Jahre war Hertha ein etablierter Erstligist. Von den Aufstiegshelden des Jahres 1997 sind heute nur noch Preetz als Geschäftsführer Sport und Dardai als Profi im Klub. Hertha darf nicht den Fehler machen, die Zweite Liga zu unterschätzen; sie hat seit Berlins letztem Besuch eine riesige Entwicklung vollzogen.
Die Rückkehr ins Oberhaus ist für jeden noch so gut aufgestellten Absteiger kein Selbstläufer. Im Gegenteil, genügend Klubs wurden bis in die Dritte Liga durchgereicht. Hinzu kommt, dass Hertha als traditionsreicher Hauptstadtklub so etwas wie der FC Bayern der Zweiten Liga sein wird. Berlin zu schlagen, wird das Ziel eines jeden Underdogs sein, Hertha wird immer gejagt werden, 34 Spiele lang. Fußballerische Schöngeister, wie Hertha sie diese Saison hat, sind da nicht gefragt. So muss bei der Planung Wert auf erfahrene Spieler (und Trainer) gelegt werden, die mit der zu erwartenden Drucksituation fertig werden.
Wie viel Geld steht zur Verfügung?
Bislang hat Hertha bei der Deutschen Fußball-Liga nur die Zahlen für die Erstliga-Saison 2010/11eingereicht. Dafür endet die Frist am heutigen Montag. Bis 1. April muss der Entwurf für die Zweite Liga fertig sein. Schon im kaum noch vorstellbaren Fall des Klassenerhalts würde Hertha das Finanzvolumen reduzieren, von derzeit rund 78 Millionen Euro Gesamt- und 30 Millionen Euro Spieleretat auf dann noch etwa 72,5 bzw. 28 Millionen. Im Abstiegsfall ist von einem Gesamtetat von geschätzten 38 Millionen auszugehen und etwa 16 Millionen für das kickende Personal.
Hertha im Fernsehen?
Bei einem Abstieg reduzieren sich die Einnahmen aus dem TV-Vertrag dramatisch. Weniger wird dann auch die Präsenz im frei empfangbaren Fernsehen. Die ARD-Sportschau sendet nur einige Minuten aus Liga zwei, das „aktuelle Sportstudio“ auch nicht. Hertha wäre neben dem Bezahlsender Sky nur noch in Regionalprogrammen zu sehen und im künftig als „Sport1“ firmierenden DSF – dort allerdings als potenzieller Topklub der Zweiten Liga wohl häufig zur besten Sendezeit am Montagabend.
Bleiben die Sponsoren an Bord?
Eine gute Nachricht von der Einnahmefront: Die wichtigsten Sponsorenverträge (Deutsche Bahn, Nike und die Exklusivpartner) laufen selbst bei Abstieg ein weiteres Jahr zu Bundesliga-Konditionen weiter.
Bleibt Gegenbauer Präsident?
Die Amtsperiode des höchsten Gremiums im Verein dauert bis 2012. Gegenbauer (59) will dem Auftrag der Basis, die ihn 2008 an die Spitze gewählt hat, auch in Zeiten der Krise nachkommen. Er sei niemand, der in schweren Momenten die Flucht ergreife, sagte er schon zur Zeit des Trainingslagers auf Mallorca Anfang Januar. Wollen die Mitglieder indessen einen neuen Kurs, so steht ihnen das frei. Im Mai, kurz nach dem letzten Spieltag (8. Mai), findet die turnusmäßige Mitgliederversammlung statt. Die Vereinssatzung hält die Möglichkeit bereit, Abwahlanträge gegen das Präsidium (oder den Aufsichtsrat) einzureichen. Solche Anträge gab es bei der zurückliegenden Versammlung am 30. November. Damals löste sich die Opposition in nichts auf.
Freut der Absturz Dieter Hoeneß?
Der Ex-Manager, der Hertha BSC im Mai 2009 ein Jahr vor seinem angekündigten Abschied verlassen musste, hat den Berliner Bundesligisten oftmals als sein „Lebenswerk“ bezeichnet. Der bevorstehende Abstieg mit all seinen begleitenden Negativschlagzeilen kann und wird Hoeneß nicht gefallen. Erst recht nicht der Exzess der Gewalt, der sich am Samstag im Olympiastadion vollzogen hat.

















