Berlin. Die Ehre ist beschmutzt. Versager, Absteiger, Weicheier – die Fans von Hertha BSC finden derzeit viele Bezeichnungen für die Spieler. Der Frust über das 1:2 gegen den 1. FC Nürnberg und den kaum mehr zu verhindernden Abstieg ist groß. Im Spiel beim VfL Wolfsburg am Sonntag (17.30 Uhr, live bei Sky) wollen die Profis beweisen, dass sie sich mit dem Sturz in die Zweite Liga noch nicht abgefunden haben. „Die Spannung ist noch da. Das ist jetzt eine Charakterfrage“, sagt Kapitän Arne Friedrich.
Dies habe auch die sportliche Führung vor der Mannschaft unter der Woche betont. „Wir verdienen alle unser Geld bei Hertha und müssen weiter alles geben“, fordert der Nationalspieler. Die Anhänger sind gespannt, wie sich ihre Mannschaft im Spiel eins nach dem Desaster vom vergangenen Spieltag präsentieren wird. Jetzt, wo alles zu spät ist, spielt sie vielleicht befreit auf, meinen die einen. Die holt in der Saison keinen Sieg mehr, sagen die anderen.
Doch heute stehen nicht nur die Spieler im Mittelpunkt. Die ganze Bundesliga schaut nach Wolfsburg – wegen der Fans. Auch für sie ist die Partie ein Charaktertest. „Es ist ein Spiel unter besonderer Aufmerksamkeit“, sagt Wolfsburg Manager Dieter Hoeneß.
Die Fans sind in diesen Tagen mächtiger denn je. Sie bestimmen mit ihrem Verhalten, ob Herthas Ruf weiter geschädigt wird. Oder nur so schlecht bleibt, wie er ist. Nach den Ausschreitungen im Olympiastadion nach der Partie gegen Nürnberg fürchtet die Vereinsführung, dass auch auswärts randaliert werden könnte. Unter der Woche trafen sich Mitarbeiter von Hertha mit den Kollegen vom VfL in Wolfsburg zu einer Sicherheitsbesprechung. „Wir haben Vorkehrungen getroffen. Und hoffen, dass das Spiel in einer friedlichen und sportlichen Atmosphäre ausgetragen wird“, sagt Manager Michael Preetz.
Mehrere tausend Berliner Fans werden im Stadion erwartet, die Stehplätze im Auswärtsblock sind ausverkauft. Die Fanbetreuer haben unter der Woche zahlreiche Gespräche geführt, der Wolfsburger Ordnungsdienst und die Polizei ein Vorgehen festgelegt. Am Mittwoch muss sich Hertha beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) in Frankfurt am Main für die Vorkommnisse nach dem Nürnberg-Spiel verantworten. Erneute Übergriffe heute würden sich äußerst negativ auf das bislang noch unbekannte Strafmaß auswirken. Die Polizeigewerkschaft DPolG forderte zuletzt sogar so genannte Geisterspiele ohne Zuschauer. Hertha hat 23 bundesweit geltende Stadionverbote verhängt und befürchtet keine Platzsperre. „Wir haben im Rahmen unser Möglichkeiten reagiert“, sagt Preetz.


