Die Mission Nürnberg begann am Sprint-Hügel. Herthas Trainer Friedhelm Funkel ließ seine Spieler an Dienstag bei null Grad die Steigung neben dem Trainingsplatz rauf und runter laufen. Eine Dreiviertelstunde lang. Nicht nachlassen. An die Schmerzgrenze gehen. Funkel wollte, dass die Spieler das üben, was er im Spiel gegen den 1. FC Nürnberg am Sonnabend von ihnen fordert.
Die Einheit war nach dem trainingsfreien Montag der Auftakt einer immens wichtigen Woche. Viele Fans haben der bevorstehenden Partie gegen den Tabellen-15. das Motto gegeben: Sieg oder Abstieg. „Es ist ein ganz, ganz wichtiges Spiel“, sagte Michael Preetz. Herthas Manager will zwar nichts davon hören, dass im Falle einer Niederlage der Sturz in die Zweite Liga nicht mehr zu vermeiden sei. Die Rollen vor dem Spiel seien aber klar verteilt. „Nürnberg steht derzeit über dem Strich auf einem Nichtabstiegsplatz. Wir nicht.“
Die beim 0:1 beim Hamburger SV gezeigte Leistung der Mannschaft mache ihm Hoffnung. „Diese Leistung muss das Maß sei. Nur so geht es.“ Die Spieler sehen das vergangene Spiel nicht so positiv – und kritisieren sich gegenseitig. Torwart Jaroslav Drobny, der mit einem grippalen Infekt beim Training fehlte, bemängelte zuletzt die Chancenauswertung der Stürmer. Nun legte Pal Dardai nach. „Es fehlen die Schweine, die fiesen Charaktere. Wir beeindrucken doch nur durch unsere Freundlichkeit“, sagte der Routinier der „BZ“.
Preetz hat trotzdem keine Angst, dass vor der richtungsweisenden Begegnung der Zusammenhalt schwinden könnte. Im Gegenteil: Er begrüßt die klaren Worte von Drobny und Dardai. „Es ist doch klar, dass die Spieler unzufrieden sind. Es geht jetzt allen darum, dass wir vor dem Spiel gegen Nürnberg unsere Sinne schärfen.“ Schön geredet wurde die schlimme Situation des Tabellenletzten lang genug. Es herrscht eine neue Stimmung bei Hertha BSC.
Die Berliner sprechen seit Monaten davon, dass sie einen überraschenden Sieg landen müssen. Gelungen ist ihnen das noch nicht. Nicht einmal gegen Mannschaften aus der unteren Tabellenregion wie Borussia Mönchengladbach oder VfL Bochum reichte es für drei Punkte. Wie es geht, hat Nürnberg beim 3:2 gegen Bayer Leverkusen vorgemacht.
Die Freude der Franken über die drei Punkte trübt allerdings die Verletzung von Breno. Der formstarke Innenverteidiger fällt mit Kreuzbandriss für den Rest der Saison aus. Doch Hertha will sich in diesen Tagen nicht zu sehr mit den Nachrichten aus Franken beschäftigen. „Wir müssen auf uns schauen“, betonte Preetz. Er stand am Trainingsplatz und beobachtete die Spieler. Besonders die Stürmer stehen im Blickpunkt: Gegen den HSV vergab Adrian Ramos vier gute Möglichkeiten, Theofanis Gekas enttäuschte. Artur Wichniarek war nach seiner Einwechslung besser als sonst, traf aber auch nicht. „Phasen, in denen die Stürmer nicht treffen, gibt es leider. Wir müssen weiter hart arbeiten“, sagte der Pole.
Auch Gojko Kacar will die kommenden Tage nutzen, um den Trainer von sich zu überzeugen. Weil Fabian Lustenberger gesperrt ist, hat Funkel einen Platz im defensiven Mittelfeld zu vergeben. Nach seinen Knöchelbeschwerden konnte Kacar jetzt wieder trainieren. Ob er Sonnabend von Beginn an spielen wird, lässt der Trainer aber noch offen. Er will erst einmal Leistung sehen. „Wir müssen abwarten, wie die Woche verläuft“, sagt Funkel.
Sehr positiv verläuft der Kartenverkauf. Bislang hat Hertha bereits über 40.000 Karten abgesetzt. „Wir sind da auf einem guten Weg. Ich glaube, dass wir das Stadion voll kriegen“, sagte Preetz. Die Kulisse bei dem Abstiegs-Duell wird auf jeden Fall erstklassig sein. Sollte Hertha verlieren, könnte es bis auf weiteres eines der letzten Spiele vor vollen Tribünen gewesen sein.



