Arne Friedrich stemmte die Arme in die Hüften und zuckte mit den Schultern. „Wir wollten unbedingt gewinnen, und am Ende stehen wir mit null Punkten da. Das ist ziemlich bitter“, klagte der Kapitän von Hertha BSC. Soeben hatte seine Mannschaft 0:2 (0:1) gegen die TSG 1899 Hoffenheim verloren und die Chance verpasst, erstmals seit September 2009 nicht mehr Tabellenletzter zu sein. Nach der Niederlage haben die Berliner drei Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz. Im Olympiastadion sind sie seit dem 8. August 2009 ohne Sieg (1:0 gegen Hannover).

„Wir hätten heute einen Schritt machen können. Stattdessen haben wir wieder eine Chance verpasst“, ärgerte sich Friedrich. „Hoffenheim hat gemacht, was wir eigentlich vorhatten: gut stehen und dann kontern. Hoffenheim hatte wenige Chancen, die haben sie genutzt. Wir sind angerannt und konnten nichts Zählbares daraus machen.“ Auch bei Fabian Lustenberger war „die Enttäuschung riesengroß“. So viel hatten sie sich vorgenommen, so wenig davon konnten sie umsetzen.

Dabei war die Niederlage alles andere als nötig. Hertha hätte in der ersten Halbzeit sogar in Führung gehen müssen. Raffael schoss vor 37.391 Zuschauern – darunter der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) – bereits in der ersten Minute nach einem Solo aus 15 Metern knapp am Tor vorbei – und übersah den besser postierten Theofanis Gekas. Elf Minuten später setzte sich Lukasz Piszczek, der sich später eine Innenbanddehnung im rechten Sprunggelenk zuzog und zwei Wochen ausfällt, über die rechte Seite durch und flankte auf Raffael. Der Brasilianer trat über den Ball, Florian Kringes nachfolgender Schuss war zu harmlos (12.). Adrian Ramos probierte es volley, auch der Schuss war zu unpräzise (15.).

Im Gegensatz zu den vergangenen Heimspielen verschlief Hertha die erste Hälfte nicht. Endlich einmal spielte die Mannschaft mutig nach vorn. Das Problem war die Chancenverwertung. „Wir haben die Geschenke des Gegners nicht angenommen und einige Gelegenheiten fahrlässig vergeben. Das wird bestraft“, sagte Herthas Trainer Friedhelm Funkel. Als die Hoffenheimer das erste Mal gefährlich vor das Tor kam, trafen sie gleich ins Netz: Der bis dahin unauffällige Demba Ba spielte Herthas Kapitän Arne Friedrich den Ball durch die Beine, schüttelte Piszczek locker ab und schob an Torwart Jaroslav Drobny vorbei zum 0:1 ein (35.). Friedrich und Piszczek hatten es ihm viel zu einfach gemacht. Ihr Abwehrverhalten war in dieser Szene nicht bundesligatauglich. „Ich denke zuerst, Lukasz geht hin. Ich werde dann getunnelt, das war unglücklich“, sagte Friedrich.

In der zweiten Halbzeit hatte Hertha nicht mehr viel zu bieten. Eine Teilschuld hieran schob Funkel dem Rasen im Olympiastadion zu. Das infolge der zurückliegenden Wintermonate unebene Geläuf habe das Unterfangen erschwert, das Spiel zu machen und den Rückstand wenigstens in Form eines Ausgleiches aufzuholen.

Allerdings verloren die Berliner zahlreiche Bälle durch Fehlpässe und kamen kaum mehr vor das Hoffenheimer Tor. Vor allem Stürmer Gekas blieb blass, auch der für Kringe eingewechselte Maximilian Nicu setzte keine Akzente. Und Trainer Funkel schöpfte einmal mehr sein Wechselkontingent nicht aus. Der einzige Stürmer auf der Bank, Artur Wichniarek, durfte nicht spielen.

„Wir haben in der zweiten Halbzeit keine Chance der Berliner zugelassen“, stellte Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick zufrieden fest. Noch besser: In der Nachspielzeit traf Vedad Ibisevic zum 0:2-Endstand; auch er war viel zu einfach am für Piszczek eingewechselten Steve von Bergen vorbei- und zum erfolgreichen Abschluss gekommen (90.+2). Die 15. Saisonniederlage sei „ein Rückschlag“, räumte Funkel ein. Zumal die ebenfalls abstiegsbedrohten Klubs SC Freiburg und der 1. FC Nürnberg unentschieden spielten und Hertha damit zu einem Verlierer unter den um den Klassenerhalt kämpfenden Teams machen. Aber: „Der Kampf geht weiter.“

Josip Simunic würde der Klassenerhalt der Blau-Weißen freuen. Obwohl der ehemalige Herthaner von den Berliner Fans bei fast jeder Ballberührung ausgepfiffen worden war. „Beim Einlaufen hatte ich Gänsehaut. Es hat Spaß gemacht, aber die Pfiffe haben mich schon ein bisschen enttäuscht“, sagte Hoffenheims Innenverteidiger. Ob der Sieg seiner neuen Mannschaft schon der Stoß in die Zweite Liga für seine ehemalige war? Simunic überlegt einen Moment: „Das kann schon sein.“