Den freien Tag hatte er der Mannschaft hart erarbeitet. Eigentlich hätte die U 23 von Hertha BSC gestern Nachmittag zum Training auf dem Gelände am Olympiastadion erscheinen müssen. Doch dank Lukasz Piszczek konnten die Nachwuchsspieler die Frühlingssonne genießen, wo und wie sie wollten.
4:3 (1:1) hatte die zweite Mannschaft des Bundesligisten am Sonntag in der Regionalliga Nord gegen Altona 93 gewonnen. Alle Tore der Berliner hatte Piszczek erzielt. Trainer Karsten Heine strich als Belohnung die für Montag geplante Einheit und lobte den Mann des Spiels: "Das war eine Galavorstellung von Lukasz." Dem vierfachen Torschützen war das fast schon unangenehm. Sicher, er sei zufrieden mit seiner Leistung, aber seine Treffer seien nicht das Entscheidende. "In der A-Jugend in Polen habe ich sogar mal acht Tore in einem Spiel geschossen. Viel wichtiger ist, dass ich fast ein ganzes Spiel durchgehalten habe", sagt der zurückhaltende 23-Jährige. Erst in der 87. Minute wechselte Heine den Offensivspieler aus.
Für Piszczek ist jeder Einsatz ein Beweis, dass sich seine Leidenszeit gelohnt hat. In den vergangenen Monaten bangte der sechsmalige polnische Nationalspieler um seine Karriere. Zu Saisonbeginn absolvierte er fünf Spiele in der Bundesliga und hoffte, sich in der Mannschaft etablieren zu können. Doch im vergangenen September plagten ihn nach einem Unfall im Training Schmerzen in der Hüfte.
Er musste sich wegen einer Kapselverletzung operieren lassen. "Die Ärzte sagten mir, dass das unumgänglich ist, wenn ich noch länger Fußball spielen will. Das war keine leichte Zeit für mich." Zumal er sich zuletzt noch einen Innenbanddehnung im rechten Knie zuzog. Seit zwei Wochen trainiert er nun aber wieder mit den Profis und spielte vor der Partie gegen Altona schon gegen Energie Cottbus II (0:1) und FC Sachsen Leipzig (1:1) für die U 23.
Nun hofft er, möglichst bald wieder in einem Bundesligaspiel zum Kader zu gehören. "Das ist mein Ziel. Ich fühle mich gut, aber letztlich entscheidet natürlich der Trainer." Der freut sich über die gute Form von Piszczek. Lucien Favre wünscht sich, dass auf der rechten Außenbahn Patrick Ebert noch mehr Akzente setzt und mehr Druck auf die gegnerischen Abwehrreihen ausübt. Er hofft, dass sich der Konkurrenzkampf mit Piszczek leistungsfördernd auf Mittelfeldspieler auswirkt.
"Lukasz ist das, was Lucien Favre von Spielern erwartet: polyvalent. Er hat bei uns sowohl als Spielmacher als auch auf der rechten Außenbahn gespielt", sagt Heine. Er sei ein kluger, lernwilliger und ein bescheidener Mensch, der sich immer in den Dienst der Mannschaft stelle. "Ich hoffe daher sehr, dass Lukasz bald wieder bei unseren Profis spielen kann. Verdient hätte er es sich."
"In der A-Jugend in Polen habe ich mal acht Tore in einem Spiel geschossen"



