- Nach zehn Heimsiegen in Folge ist die Serie gerissen. Mit 1:3 (0:1) unterlag Hertha gegen Borussia Dortmund. Trotz der zweiten Niederlage in Folge - zuvor setzte es ein 0:2 in Stuttgart - lachte Trainer Lucien Favre nur, als er gefragt wurde, ob Hertha eine Krise habe. "Krise? So ist Fußball." Nach fünf Wochen an der Tabellenspitze ist die Führung dahin. Nach 26 Runden liegen die Berliner als Dritter zwei Zähler hinter den punktgleichen VfL Wolfsburg und HSV (je 51).
Der Schlüssel für die zweite Heimniederlage waren selten erlebte Defensivschwächen. So eindrucksvoll die Kulisse mit 74 244 Zuschauern im zum zweiten Mal in der Saison ausverkauften Olympiastadion war, die Hausherren taten sich schwer. "In den ersten 20 Minuten waren wir schlecht", räumte Manndecker Josip Simunic ein. Dortmund beherrschte den Raum und ließ den Ball laufen. Gegen den BVB-Spielmacher Tamas Hajnal fand Herthas Mittelfeld lange kein Mittel. So legte Hajnal, nur zögerlich von Pal Dardai bedrängt, für Alexander Frei auf. Der Borussen-Stürmer enteilte Hertha-Kapitän Arne Friedrich und vollendete ins lange Eck, 0:1 (26.). "Ihr werdet nie Deutscher Meister" höhnten rund 8000 Dortmunder Fans.
Das sah Hertha anders und hatte nun seine stärkste Phase. Reihenweise wurden Chancen erarbeitet. Aber Maximilian Nicu scheiterte ebenso an Borussen-Torwart Roman Weidenfeller (32.) wie Cicero oder Andrey Voronin (36., 37.). Der Ukrainer hatte ungeachtet seines Nasenbeinbruches, den er sich im Länderspiel in England zugezogen hatte, auf eine Carbon-Maske verzichtet und lieferte eine ordentliche Partie. Pech hatte Rodnei, der einen Kopfball nach einer Ebert-Ecke an die Latte setzte (39.). Ebert mühte sich nach seiner Begnadigung, doch unterliefen ihm wieder einmal zahlreiche Abspielfehler.
Favre wagt Dreifachwechsel
In Minute 56 fiel der längst fällige Ausgleich. Raffael wurde mangels anderer Anspielstationen vor dem Dortmunder Strafraum in ein Dribbling gezwungen. Der Brasilianer tanzte Kehl, Subotic und Santana aus und schob den Ball überlegt an Weidenfeller vorbei, 1:1. "Ein Klassetor", räumte Dortmunds Trainer Jürgen Klopp ein.
Nur waren die Gäste kein Stück beeindruckt. Zwar drängte Hertha auf die Führung, die gefährlichen Aktionen erarbeitete sich aber der BVB. Eine Chance von Valdez parierte Torwart Jaroslav Drobny noch (57.). Nach einer Dede-Flanke köpfte Kehl ein, 1:2 (63.).
Auf dem Feld gingen bei Hertha nun die Köpfe runter. "Deshalb wollte ich nochmal ein Zeichen setzen", sagte Trainer Favre. Erstmals seit er in Berlin ist, wagte er einen Dreifach-Wechsel: Marko Pantelic, Valeri Domovchiyski und Gojko Kacar kamen. Prompt wurde es gefährlich. Der eifrige Pantelic legte für Cicero auf, der den Ball aber um Zentimeter verpasste (73.). Zwei Minuten später spielte Pantelic Raffael frei, dessen Schuss der Dortmunder Subotic mit dem Kopf auf der Linie abwehrte (75.). Endgültig besiegelt war die Niederlage mit dem 1:3 von Valdez (82.). "Dortmund hat seine Chancen genutzt und wir nicht. Das war der Unterschied", sagte Favre. "Und wir haben manchmal nicht mit 100prozentiger Konzentration verteidigt. Das 1:2 darf nicht kommen. Wir haben die Flanke nicht verhindert."
Die Saison geht auf die Zielgeraden. Hertha muss bei drei Heimspielen noch fünf Mal auswärts antreten, kommenden Samstag in Hannover. "Die Niederlage wirft die Mannschaft nicht um, sie wird aufstehen", sagte Michael Preetz, der Leiter der Lizenzspieler-Abteilung. Auch Simunic präsentierte sich kämpferisch: "Das tut weh. Aber wir haben noch acht Spiele. Unser Traum lebt noch."



