Fussball

Hertha hat die jüngsten Fans der Bundesliga

Eine neue Studie belegt: Jeder dritte Hertha-Fan ist jünger als 20 Jahre. Und rund ein Viertel der Heimzuschauer ist weiblich. Damit hat der Berliner Club deutlich jüngere und mehr weibliche Fans als andere Bundesligavereine. Allerdings fehlt es noch an Zuspruch aus dem Ostteil der Stadt.

Wenn Ingo Schiller über die aktuellen Zuschauerzahlen von Hertha BSC spricht, lächelt er zufrieden. Der für Finanzen zuständige Geschäftsführer des Bundesligaklubs hat lange darauf gewartet, dass die Ränge des Olympiastadions so gefüllt sind wie erhofft. In dieser Saison ist es soweit. Seit Hertha Tabellenführer ist, strömen immer mehr Berliner zu den Heimspielen. Gegen Bayer Leverkusen kamen zuletzt knapp 59.000, und gegen Borussia Dortmund rechnet der Klub sogar mit einem zum zweiten Mal in der laufenden Saison ausverkauften Olympiastadion.

Noch mehr als die gestiegenen Zuschauerzahlen freut Schiller aber vor allem der Trend hinsichtlich der Zuschauerstruktur. „Unser Publikum ist in den vergangenen Jahren jünger und weiblicher geworden.“ Dies geht aus einer Studie von Hertha zur Untersuchung der soziodemografischen Daten hervor, die der Morgenpost vorliegt.

Diese hat ergeben, dass durchschnittlich bereits rund ein Viertel der Zuschauer bei Heimspielen der Mannschaft von Trainer Lucien Favre weiblich ist. Etwa 16 Prozent der Dauerkarteninhaber sind Frauen. Um diese Zahlen zu erreichen, hat Hertha in den vergangenen Jahren viel getan: Mit www.herthafreundin.de erstellte der Verein eine Internetseite, die sich ausschließlich an weibliche Fans richtet. Im Fanshop gibt es inzwischen rosa Mützen mit dem Vereinsemblem und im Stadionmagazin Artikel über und für Frauen.

Der Familienblock kommt gut an

Auch die Zahl der jugendlichen Besucher ist gestiegen: 36 Prozent der Stadiongänger sind jünger als 20 Jahre. „Die Frauen und Kinder fühlen sich bei uns auch wohl, weil sie sich sicher fühlen können. Und auch die Kinderbetreuung und der Familienblock tragen dazu bei, dass immer mehr Familien ins Olympiastadion kommen“, sagt Schiller. Außerdem haben Herthas Aktionen an Schulen und der Kids-Club für junge Vereinsmitglieder Erfolge gebracht.

Der Verein weiß viel über sein Publikum. Der typische Hertha-Fan lässt sich dennoch nicht ausmachen. „Unser Zuschauerspektrum ist so breit gestreut wie die Bevölkerung in Berlin“, sagt Schiller. Ins Olympiastadion kommen Menschen aus allen Schichten, Berufen und Altersgruppen.

Große Fraktionen bilden auch die Zuschauer zwischen 31 und 40 Jahren (20 Prozent) sowie zwischen 41 und 50 Jahren (19 Prozent). Zwischen 21 und 30 Jahren alt sind 18 Prozent. Ältere Menschen hingegen kommen kaum zu Hertha. Gerade einmal vier Prozent sind zwischen 51 und 60 Jahre alt, nur drei Prozent des Publikums im Olympiastadion sind noch älter. Hier sehen die Verantwortlichen deutliches Steigerungspotenzial. Derzeit überlegt die Vereinsführung, mit welchen Angeboten sie zusätzlich zu den jungen Fans mehr Ältere für die Heimspiele begeistern können. Eine Überlegung ist, Parkscheine bereits in den Wochen vor dem Spiel zu verkaufen. Bislang sind diese erst am Spieltag erhältlich. Auch der Service und der Sitzkomfort im Stadion sollen weiter verbessert werden. Zuletzt gab es einen Modellversuch, wie Zuschauer künftig mit dem Handy Bratwürste und Getränke zu ihrem Platz ordern könnten.

Zudem könnte es künftig in den Berliner Kiezen organisierte Fantreffs geben. So will Hertha dafür sorgen, dass jeder Fußballinteressierte direkt in seiner Nachbarschaft einen Ansprechpartner hat, an den er Fragen stellen kann. „Wir arbeiten an Angeboten, die speziell auf die unterschiedlichen Altersgruppen zugeschnitten sind“, sagt Schiller.

Ein Drittel der Fans wohnt außerhalb

Neben der Alters- hat Hertha deswegen auch die Berufsstruktur der Zuschauer untersucht. Auch hier zeigt sich, dass die meisten Fans sehr jung sind. 27 Prozent der Zuschauer gehen noch zur Schule, sechs Prozent sind Studenten. Auszubildende, Wehrdienst- und Zivildienstleistende sowie Rentner und Arbeitslose machen 20 Prozent aus. Die meisten Hertha-Fans sind Angestellte, Arbeiter, Beamte und Selbständige (47 Prozent).

Der Großteil des Publikums kommt aus dem Westen Berlins. Lediglich 22 Prozent der Besucher reisen aus dem Ostteil zum Olympiastadion. Ein gutes Drittel der Hertha-Zuschauer wohnt gar nicht in Berlin. Ein Viertel kommt aus Brandenburg und zehn Prozent aus anderen Bundesländern. Zudem profitiert Hertha von den vielen Touristen, die es in die Stadt zieht: Drei Prozent der Zuschauer kommen aus dem Ausland. Die Entwicklung, dass das Hertha-Publikum immer jünger und weiblicher wird, zeigt sich auch in der Mitgliederstruktur. Rund zwanzig Prozent sind Frauen und fast 38 Prozent der Mitglieder sind 17 Jahre oder jünger. Damit hat Hertha die jüngste Zuschauerstruktur der ersten und zweiten Bundesliga. Zum Vergleich: Bei Rekordmeister Bayern München liegt der Anteil der 0-bis-17-Jährigen bei gerade einmal 14 Prozent.