Die Sitzung ist eine außerordentliche. Das Präsidium wird sich Donnerstagnachmittag um 15 Uhr an einem derart geheim gehaltenen Ort treffen, dass am Abend alle TV-Stationen Bilder der ankommenden neun Mitglieder senden werden. Im Hintergrund wird das Trainingsgelände zu sehen sein, im Vordergrund die Geschäftsstelle. Die Tagesordnung umfasst vier Punkte. Nicht extra ausgewiesen ist das zentrale Thema, die Trainer-Frage. Friedhelm Funkel (56), um dessen Zukunft es geht, wird nicht anwesend sein. Manager Michael Preetz, der Mittwochabend mit dem Coach das Länderspiel gegen Argentinien in München besucht hat, wird im sportlichen Bericht darlegen, wie er die verbleibenden elf Saisonspiele des Tabellenletzten plant. Morgenpost Online beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

•Tut Funkel Hertha gut? Nein. Keines der Ziele, mit denen er im Oktober als Nachfolger von Lucien Favre angetreten war, hat er erreicht. Hertha hat keinen Konkurrenten überholt. Die Berliner sind unter Funkel eine komplette Halbserie durchgehend Tabellenletzter.

•Hat Funkel Fehler gemacht? Ja. Da Hertha nichts zu verteidigen hat, sondern gewinnen muss, versteht niemand seine risikoscheuen Aufstellungen. Dazu kommen seine zögerlichen, sparsamen Wechsel, die der Mannschaft keinen Mut machen. Gleichwohl hat Funkel den Kader auch entwickelt. Hertha steht defensiv besser und wirkt mental stärker als in der Hinrunde.

•Macht ein dritter Trainer Sinn? Nicht, um Aktionismus zu betreiben. Vor der Entscheidung, Funkel zu entlassen, muss die Analyse stehen: Warum? Und: Mit wem wird es besser? Einen Kardinalfehler kann derzeit kein Trainer ändern: Der Kader ist nicht ausgewogen besetzt, vor allem die Offensive hat offensichtlich Defizite. Artur Wichniarek, Valeri Domovchiyski und mit Abstrichen Theofanis Gekas helfen dem Team kaum oder gar nicht.

•Welchen Typus braucht Hertha? Wenn man über einen Wechsel nachdenkt, geht es um die Frage Feuerwehrmann bis Saisonende oder Perspektiv-Trainer für langfristiges Arbeiten, notfalls auch durch die Zweite Liga.

•Welche Alternativen gibt es? Für den ersten Fall, den Kurzzeit-Trainer, ist etwa Hans Meyer auf dem Markt. Volker Finke, derzeit in Japan bei den Urawa Red Diamond, ist jemand, mit dem nur ein längerfristiges Projekt Sinn machen würde. Jürgen Röber, bekennender Hertha- und Berlin-Liebhaber, wäre in beiden Funktionen vorstellbar. Als interne Lösung sind Amateur-Trainer Carsten Heine oder Rene Tretschok denkbar

•Kommt Lucien Favre zurück? Nein, der Schweizer Trainer kehrt derzeit definitiv nicht zurück.

•Wie steht der Manager zu Funkel? Fest. Michael Preetz wird dem Präsidium vortragen, warum er darauf setzt, die Saison mit Trainer Funkel zu Ende bringen: weil die Mannschaft sich verbessert hat, weil Hertha den Abstand von einst zehn auf drei Punkte zum Relegationsplatz 16 verkürzt hat, weil Funkel Zugang zur Mannschaft hat.

•Sitzt der Manager fest im Sattel? So fest, wie man als Manager eines Ligaletzten im Amt sitzen kann. Präsident Werner Gegenbauer stützt Preetz und Funkel. Das Trio ist der Meinung, dass von den vier abstiegsbedrohten Klubs – Hertha, Hannover, Nürnberg, Freiburg – jener bestimmt absteigen wird, dessen Vereinsführung die Nerven verliert und unüberlegte Dinge macht.

•Wie einheitlich ist das Präsidium? Uneinheitlich. Trotz aller Sorgen, dass Hertha absteigen muss, sind fünf, sechs der Präsidiumsmitglieder dafür, der Linie von Preetz und Funkel zu folgen. Zum Problem ist es geworden, dass mindestens drei Vertreter hinter dem Rücken versucht haben, eine Mehrheit zur Funkel-Ablösung zu finden, dazu aber nicht stehen. So hat am Mittwoch mancher Beobachter gestaunt, dass ausgerechnet Vizepräsident Jörg Thomas sich zum Thema Funkel öffentlich wie folgt zitieren ließ: „Es bringt nichts, mitten im Galopp das Pferd zu wechseln. Ich denke, darüber wird es nach der Sitzung keine zwei Meinungen geben.“

•Wie geht die Sitzung aus? Wie das Hornberger Schießen. Funkel bleibt, egal wie Hertha am Samstag beim HSV spielen wird.