Morgenpost Online : Herr Friedrich, haben Sie in diesen Tagen schon mit Josip Simunic telefoniert?

Arne Friedrich: Joe ist ein sympathischer Kerl, aber privat haben wir nie viel zusammen unternommen. Seitdem er gegangen ist, haben wir vielleicht dreimal Kontakt gehabt. Trotzdem freue ich mich, wenn wir uns im Stadion wieder sehen; wir hatten auf dem Platz eine gute Zeit.

Morgenpost Online: Vergangene Saison sogar die beste Ihrer Karriere?

Friedrich: Letztes Jahr hat für uns beide verdammt viel gepasst, dieses Jahr haben er und ich es im Verein beide schwerer, das stimmt. Aber solche Jahre gibt es.

Morgenpost Online: Hoffenheim – war das 1:5 im Hinspiel der Tiefpunkt dieser Saison?

Friedrich: Tiefpunkte gab es so einige, leider. Dazu zähle ich auch das 0:4 gegen Freiburg. Aber vielleicht ist das ein gutes Omen: Freiburg haben wir im Rückspiel 3:0 geschlagen. Wir sind nicht mehr mit der Hinserie zu vergleichen.

Morgenpost Online: Aber immer noch Tabellenletzter.

Friedrich: Deshalb sollten wir auch dringend die Kirche im Dorf lassen. Unser Sieg in Freiburg ist nur was wert, wenn wir zu Hause daran anknüpfen – mit einem Sieg, auf alle Fälle mit einem Punkt. Unterm Strich kann es für uns eine gute Woche werden – oder eine beschissene.

Morgenpost Online: Weil eine Niederlage die aufgekeimte Aufbruchstimmung sofort wieder zerstörte?

Friedrich: Klar, dann herrscht wieder Trauer. Und wir brauchen die Punkte jetzt auch. Wir können uns nicht darauf verlassen, dass die anderen da unten uns ewig in die Karten spielen.

Morgenpost Online: Ist es, aller ersten Enttäuschung zum Trotz, angesichts der bevorstehenden entscheidenden elf Wochen in der Liga sogar von Vorteil, aus der Europa League ausgeschieden zu sein?

Friedrich: Ja und nein. Da sind jetzt nur noch super Mannschaften übrig, mit denen sich zu messen schon reizvoll gewesen wäre. Andererseits muss man so ehrlich sein: Benfica – das war eine Nummer zu groß für uns, Müdigkeit hin oder her. Aber das Kapitel ist abgehakt. Wir konzentrieren uns absolut auf den Endspurt. Jetzt haben wir keine Ausreden mehr.

Morgenpost Online: Freiburg, Hannover, Nürnberg und Hertha – nach jetzigem Stand kämpfen in der Bundesliga vier Teams ums Überleben. Was spricht für den Tabellenletzten Berlin?

Friedrich: Der positive Trend seit Beginn der Rückrunde. Wir haben schon jetzt mehr Punkte geholt als in der Hinrunde.

Morgenpost Online: Was nicht so schwer war.

Friedrich: Richtig, trotzdem: Von im Winter zehn Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz sind nur noch zwei übrig. Wir treten mental jetzt ganz anders auf und entsprechend auch spielerisch. Deshalb war das 3:0 in Freiburg so wichtig. Es hat nicht nur einen Konkurrenten unten mit reingezogen. Sondern bei unserer Offensive auch so manche Blockade gelöst.

Morgenpost Online: Sie klingen auf einmal wieder so selbstbewusst. Fühlen Sie sich etwa wohl in der Rolle des Jägers?

Friedrich: Ich würde mich wohler fühlen, wenn wir 15. wären (lacht).

Morgenpost Online: Was nicht ist, kann ja noch werden.

Friedrich: Hannover hat schon einen richtigen Absturz hinter sich. Aber auch Freiburg ist ein Riesenunterschied zur doch guten Hinrunde. Dagegen wirkt Nürnberg sehr gefestigt. Mit Ottl und Breno haben sie sich gut verstärkt und werden von den dreien noch am ehesten punkten.

Morgenpost Online: Also machen Berlin und Nürnberg Platz 15 unter sich aus?

Friedrich: Das zu sagen wäre vermessen. Aber gerade Hannover wird es sehr, sehr schwer haben.

Morgenpost Online: Wie schwer wird es für Hertha am Sonnabend gegen Hoffenheim?

Friedrich: Ich schaue denen persönlich unheimlich gerne beim Kicken zu. Im ersten Spiel der Rückrunde haben sie den Bayern in deren Stadion eine Halbzeit lang richtig zugesetzt, ehe sie dann hinten raus etwas müde wurden. Auch wir sollten auf einigen Druck gefasst sein. Trotzdem haben auch die ein paar Probleme.

Morgenpost Online: Welche?

Friedrich: Sie haben unverändert super Einzelspieler, aber mir scheint der Teamspirit ein wenig verloren gegangen zu sein. Sie wirken auf mich nicht mehr so kompakt wie noch vergangene Saison.

Morgenpost Online: Offensiv spielt Hoffenheim aber noch immer. Ein Vorteil für Hertha?

Friedrich: Definitiv. Sie können nicht anders als auf Angriff spielen. Blind nach vorne rennen werden wir deswegen garantiert nicht. Aber gut zu stehen und kontern war schon im Vorjahr unter Lucien Favre unsere Stärke.

Morgenpost Online: In der Tabelle lockt mit einem Sieg Platz 16. Verführerisch?

Friedrich: Ja, aber auch gefährlich. Wie gesagt, wir können eine tolle Woche spielen – aber auch viel kaputt machen.