Geboren wurde Gojko Kacar am 26. Januar 1987 in Novi Sad. Es war ein zähes Ringen, ehe Hertha BSC den Mittelfeldspieler im Januar 2008 verpflichten konnte. Die Berliner überwiesen drei Millionen Euro Ablöse an FK Novi Sad. In der Bundesliga absolvierte Kacar 54 Einsätze (neun Tore, drei Vorlagen). Kacar spielte 2008 für die Olympia-Auswahl von Serbien in Peking, im Sommer 2009 war er für die U21 bei der EM-Endrunde in Schweden im Einsatz. Das Trikot der A-Nationalmannschaft hat Kacar 14 Mal getragen. Er ist einer der wertvollsten Spieler von Hertha BSC: Transfermarkt.de beziffert den Marktwert von Kacar auf 9,5 Millionen Euro. Steigt Hertha ab, dann ist der Mittelfeldprofi nicht zu halten.

Berliner Morgenpost: Herr Kacar, Sie haben wegen Kniebeschwerden seit Anfang Dezember 2009 kein Bundesliga-Spiel für Hertha absolviert. Wie geht es Ihnen?

Gojko Kacar: Danke, ganz gut. Ich habe keine Schmerzen mehr.

Berliner Morgenpost: Wann können Sie spielen?

Gojko Kacar: Mein Plan ist, diese Woche mit der Mannschaft zu trainieren. Ich werde versuchen, am Sonntag gegen den SC Freiburg dabei zu sein. Genau kann ich nicht sagen, wie viel Zeit ich brauche. Ich hoffe, Hertha bald wieder helfen zu können.

Berliner Morgenpost: Sie waren im vergangenen Jahr mehrmals verletzt, jetzt wieder. Ist das nur Pech?

Gojko Kacar: 2008 habe ich mich im Dezember verletzt, ein Jahr später wieder im Dezember. Also immer vor der Rückrunden-Vorbereitung. Das ist Pech. Im Spiel gegen Sporting Lissabon habe ich einen sehr harten Schlag auf das Knie bekommen. So etwas kann immer passieren. Beim Laufen hatte ich noch Wochen danach Probleme. Die Beschwerden waren weg, kamen aber wieder. Das nervt mich am meisten. Ich könnte in Zukunft theoretisch vorsichtiger in Zweikämpfe gehen. Aber das ist nicht mein Spiel. Ich gebe alles und gehe hart rein.

Berliner Morgenpost: Während Sie fehlen, übernimmt Fabian Lustenberger Ihre Position und zeigt gute Leistungen. Wie schwer wird es für Sie, ihn zu verdrängen?

Gojko Kacar: Fabian hat seine Aufgabe gut gelöst, zumal er meist allein vor der Abwehr gespielt hat. Ich denke derzeit nur daran, fit zu werden. Die Saison ist lang. Ich bin sicher, dass ich meine Chance bekomme. Für mich ist es nicht entscheidend, ob die Leistung meiner Kollegen gut oder schlecht für mich ist. Entscheidend ist, dass sie der Mannschaft helfen.

Berliner Morgenpost: In Ihrer Karriere ist es das erste Mal, dass Sie nicht zur Stammelf gehören.

Gojko Kacar: Wie kommen Sie darauf? Wenn ich fit war, habe ich immer gespielt. Dass ich zuletzt nicht gespielt habe, hat ausschließlich mit meiner Verletzung zu tun. Sobald ich fit bin, werde ich meine Aufgabe auf meiner Position erfüllen. Ich erwarte, dass ich spiele, wenn ich wieder bei hundert Prozent bin.

Berliner Morgenpost: Sprechen Sie mit Trainer Friedhelm Funkel über Ihre Perspektive?

Gojko Kacar: Er fragte kürzlich, wie ich vorankomme. Als ich in der Kabine war, sagte mir Co-Trainer Christoph John, dass sie mich brauchen.

Berliner Morgenpost: Wie ist Ihr Verhältnis zu Funkel?

Gojko Kacar: Wir sprechen nicht zu viel. Ein Trainer hat nicht die Zeit, jeden Tag mit jedem Spieler ausführlich zu reden. Wir sind Profis. Unser Verhältnis ist normal und nicht gestört, wie zuletzt vermutet wurde.

Berliner Morgenpost: Funkel hatte nach einer Ihrer Länderspiel-Reisen vermutet, dass die serbischen Nationalspieler wohl nicht richtig trainieren und Kaffee trinken würden.

Gojko Kacar: Ich habe das gelesen, bewerte es aber nicht über.

Berliner Morgenpost: Vorgänger Lucien Favre hat so etwas nie gesagt. Haben Sie seit seiner Entlassung mit ihm gesprochen?

Gojko Kacar: Nein. Aber ich sollte ihn mal anrufen und fragen, wie es ihm geht. Ja, das werde ich machen.

Berliner Morgenpost: Was ist Herthas größtes Problem im Abstiegskampf?

Gojko Kacar: Das größte Problem ist der Rückstand auf die anderen Mannschaften. Wenn du Letzter bist, kannst du nicht so frei sein im Kopf wie die Mannschaften vor dir.

Berliner Morgenpost: Haben Sie Angst vor dem Abstieg?

Gojko Kacar: Wir haben tolle Fans. Sie kommen ins Stadion, weil sie an den Klassenerhalt glauben. Und ich glaube auch dran. Wie jeder der Spieler. Wir werden unser Ziel erreichen.

Berliner Morgenpost: Seit dem Winter hat sich das Team durch die Neuen verändert. Wo sehen Sie Ihre Position?

Gojko Kacar: In der Raute ist es nicht einfach für mich. Ich mag am liebsten das System mit zwei Spielern vor der Abwehr, einem offensiveren und einem defensiveren. Allerdings entscheidet der Trainer, welche Position die beste für mich ist. Wenn ich im Sturm oder Tor spielen soll, werde ich auch hier mein Bestes geben.

Berliner Morgenpost: Zuletzt gab es viele Gerüchte um Sie. Zahlreiche Vereine aus dem Ausland sollen an Ihnen interessiert sein. Nerven Sie die Spekulationen?

Gojko Kacar: Am Anfang haben sie mich genervt. Jetzt interessiert mich das gar nicht mehr. Ich konzentriere mich darauf, fit zu werden. Meine volle Konzentration gilt Hertha. Mit anderen Vereinen beschäftige ich mich nicht.

Berliner Morgenpost: Raffael hat kürzlich gesagt, dass er nicht wisse, ob er auch in der Zweiten Liga für Hertha spielen würde. Würden Sie es tun?

Gojko Kacar: Wir spielen jetzt in der Europa League. Dort treffen wir auf die besten Mannschaften Europas und haben gezeigt, dass wir guten Fußball spielen können. Die Zweite Liga wäre in Anbetracht dessen natürlich sehr schlecht. Ich kann derzeit nur sagen: Ich tue alles dafür, damit wir in der Bundesliga bleiben.

Berliner Morgenpost: Sie werden oft nach Ihrer Zukunft gefragt.

Gojko Kacar: So lange verletzt zu sein, das ist schwer. Noch mal: An andere Klubs denke ich wirklich nicht.

Berliner Morgenpost: Bei Abstieg sind Sie aber einer der wenigen Spieler, die Hertha gewinnbringend verkaufen kann.

Gojko Kacar: Wenn Sie das sagen.

Berliner Morgenpost: Als serbischer Nationalspieler wollen Sie zur WM. Beeinflusst Herthas schlechte Saison Ihren Nationaltrainer Radomir Antic in seiner Entscheidung, Sie zu nominieren?

Gojko Kacar: Ich träume von einer WM, seit ich ein kleiner Junge bin. Jetzt ist der Traum ganz nahe. Ob Herthas Situation meine Chancen beeinflusst, müssen Sie Antic fragen. Mein Gefühl sagt mir, dass es keine Rolle spielt, ob Hertha Erster oder Letzter ist.

Berliner Morgenpost: Wie oft sprechen Sie mit Antic?

Gojko Kacar: Er hat mich zum Geburtstag am 26. Januar angerufen und gefragt, was meine Verletzung macht. Er betonte, dass ich sie auskurieren soll. Unsere Nationalmannschaft ist wie eine große Familie. Antic sagte, dass wir gemeinsam daran arbeiten werden, wieder ein Lächeln auf mein Gesicht zu zaubern. Und das wird klappen.