Mit dem Rückenwind eines Auswärtssieges greift Hertha BSC an. Als Tabellenletzter versuchen die Berliner alles, um erstmals in dieser Saison zwei Erfolge in Serie zu landen. Zudem hat der Hauptstadt-Klub beim zahlenden Publikum etwas gut zu machen. Seit 200 Tagen, genauer gesagt seit dem 8. August 2009, einem 1:0 gegen Hannover, wartet Hertha im Olympiastadion vergebens auf einen Erfolg.

Die Kernkompetenz Heimstärke, die ein Erstligist als Basis für den Klassenerhalt braucht, will sich partout nicht einstellen. In zehn Anläufen seither gelang nur eine schwache Bilanz: fünf Remis, fünf Niederlagen. Das soll sich am Sonnabend ändern. Zumal Hoffenheim anreist. Eine Mannschaft, die bei vielen Fans für Spektakel steht – eine Erinnerung an die Hinrunde der vergangenen Saison. Wer aber ab 15.30 Uhr im Olympiastadion begeisternden Angriffsfußball erwartet, dürfte enttäuscht werden.

Die Zeiten haben sich geändert. Geduld ist gefragt. Vorsichtiges Taktieren. Unnötige Fehler vermeiden, bloß nicht in Rückstand geraten. Hertha-Trainer Friedhelm Funkel sagt verhalten: „Wir werden versuchen, einen Heimsieg zu schaffen. Aber wir treffen auf einen starken Gegner, der gar nicht anders kann, als offensiv zu spielen.“

Seine Mannschaft wird sich nur ungern daran erinnern. Dem 1:5-Desaster in der Hinserie folgte die Entlassung des damaligen Trainers Lucien Favre. Hoffenheim-Coach Ralf Rangnick geht davon aus, „dass Hertha sich präsentieren wird wie zuletzt in Freiburg. Wir dürfen nicht glauben, dass sie so spielen wie im Hinspiel.“ Da hatte SC-Coach Robin Dutt seinem Kollegen Funkel nach dem Berliner 3:0 attestiert: „Friedhelm lässt immer aus einer gesicherten Defensive spielen. Was dabei rauskommen kann, hat man hier gesehen.“

Elf Spiele in zehn Wochen

Die Herthaner wollen an diesen Auswärtssieg anknüpfen – und nicht an das 0:4 bei Benfica Lissabon am vergangenen Dienstag, das das Ausscheiden in der Europa League bedeutet hat. „Jetzt zählen keine Ausreden mehr. Wir müssen punkten“, sagt sich Kapitän Arne Friedrich mit Blick auf die verbleibenden elf Spiele in den kommenden zehn Wochen.

Trainer Funkel setzt darauf, dass einige Leistungsträger in Portugal gar nicht am Ball waren und deshalb frisch und unvoreingenommen in die 24. Liga-Runde gehen. In der Verteidigung wird Manndecker Roman Hubnik (1,91 Meter) zurückkehren, auf dessen Kopfballstärke die Berliner besonders hoffen. Links in der Vierer-Abwehrkette hat Levan Kobiashvili seine Grippe auskuriert. Von der Erfahrung des georgischen Rekordnationalspielers will Hertha bei dessen 296. Bundesliga-Einsatz profitieren. Im defensiven Mittelfeld hatte Fabian Lustenberger in Lissabon pausiert, gegen Hoffenheim wird der Dauerläufer mit dem guten Auge für das Spiel wieder seinen Dienst verrichten. Im Sturm wird Theofanis Gekas zurückerwartet, auch der Grieche hat sich bei seinem 27-Minuten-Einsatz im Estadio da Luz nicht übermäßig verausgabt.

Gäste mit den Ex-Herthanern Josip Simunic und Sejad Salihovic

Die Gäste aus Hoffenheim mit den Ex-Herthanern Josip Simunic und Sejad Salihovic setzten jedoch ähnlich wie die Berliner auf Abwarten. Bereits zehn Niederlagen und derzeit Platz zehn – das ist nicht das, was sich der ehrgeizige Emporkömmling für diese Saison vorgestellt hat. Entsprechend ist Trainer Rangnick vorsichtig. Man wolle gegen Hertha mit dem einen oder anderen Konter Nadelstiche setzen.

Die Konstellation legt nahe, dass Hertha einiges für einen Sieg investiert. „Wir haben uns eine Ausgangslage erarbeitet, dass wir ein oder zwei Konkurrenten überholen können“, sagt Funkel. Hertha (15 Punkte) hat ein Heimspiel, ebenso wie Abstiegskonkurrent Hannover (17/gegen Wolfsburg). Die weiteren Rivalen treten auswärts an: Nürnberg (17) in Bochum und Freiburg (19) in Mönchengladbach.

Nur braucht es dafür bei Trainer Funkel mehr Mut als in den vergangenen drei Heimspielen, von denen kein einziges gewonnen wurde. Beim 1:1 gegen Mainz hatte es ob der mutlosen ersten Hälfte erstmals Pfiffe gegeben. Die Fans wollen keine vorsichtige und zaghafte Hertha sehen. Sondern eine Mannschaft, die mit Schwung und viel Einsatz darum kämpft, nach 200 Tagen endlich einen Heimsieg einzufahren und dem Klassenerhalt einen Schritt näher zu kommen.