Mit einem Tross von 20 Profis besteigt Hertha BSC am Sonnabend die Linienmaschine nach Stuttgart, zwei mehr als am Sonntag beim SC Freiburg auf der Bank sitzen dürfen. Von Stuttgart aus geht es per Bus in den Breisgau, wo der Tabellenletzte aus Berlin beim Liga-15. antritt. Der große Kader hat damit zu tun, dass der Hauptstadt-Klub nur 49 Stunden nach dem Abpfiff in Freiburg am Dienstag sein Rückspiel in der K.o.-Runde der Europa League bei Benfica Lissabon bestreitet. Manndecker Roman Hubnik wird in der Liga spielen, aber in Portugal fehlen; der Tscheche war bereits für Sparta Prag im gleichen Wettbewerb im Einsatz.

Einer, der sich vor dieser Woche Hoffnungen gemacht hatte, in Freiburg vielleicht dabei zu sein zu, wird fehlen. Gojko Kacar trainierte am Freitag erstmals nach zweimonatiger Pause mit den Kollegen. Nach einem intensiven Trainingsspiel räumte der Serbe ein, dass Wunsch und Wirklichkeit noch nicht zusammenpassen: „Von der Kraft her geht es, aber mir fehlt Luft.“

Auch Trainer Friedhelm Funkel schloss aus, dass der ehrgeizige Akteur bald im Einsatz sein wird. „Spieler wollen immer möglichst schnell auf den Platz. Aber Trainer haben Erfahrung. Das haben wir gerade in München mit Franck Ribery erlebt. Louis van Gaal hat Ribery fünf, sechs Wochen trainieren lassen.“ Funkels Sorge: „Wenn man zu früh anfängt, besteht die Gefahr, sich wieder zu verletzen.“

Einen anderen, der nach einer Sprunggelenksoperation seit mittlerweile drei Wochen Anlauf nimmt, wird der Trainer hingegen mitnehmen. „Pal Dardai ist einen großen Schritt weiter als Gojko“, heißt: Der Ungar ist wohl im Kader.

Nicu und Ebert habe keine Punkte gemacht

Hertha wird bei der Belastung von fünf Partien in 14 Tagen rotieren müssen. Bleibt die Frage, wer von den Reservisten sich im Hinspiel gegen Benfica (1:1) empfohlen hat. Um mit dem Positiven zu beginnen: In der Abwehr bestätigten sich auch auf internationalem Niveau die Fortschritte. Steve von Bergen spielte neben Kapitän Arne Friedrich ordentlich in der Innenverteidigung. Egal, wer da zurzeit aufgeboten wird: Defensiv hat Hertha an Sicherheit gewonnen. So wird in Freiburg wohl Hubnik auflaufen, am Dienstag in Lissabon übernimmt von Bergen.

In den anderen Regionen hingegen zeigte sich, dass die Qualität im Kader schmerzhaft unterschiedlich ist. So rechtfertigte der Trainer ausdrücklich die erneute Aufstellung von Christoph Janker. Nein, es sei kein Trotz gewesen, Janker nach dem Mainz-Spiel (1:1) wieder zu bringen. „Wenn ich von jemandem überzeugt bin, stehe ich dazu. Er hat gespielt, weil ich einen kopfball- und zweikampfstarken Spieler haben wollte. Gegen Benfica hat Christoph ein gutes Spiel gemacht.“ Das hat Janker indessen nicht gemacht. Herthas Problem gegen Lissabon wie in allen zurückliegenden Heimspielen des Jahres war: Die Mannschaft baut zu wenig Druck auf, die Stürmer bekommen zu wenig Bälle, dementsprechend gibt es zu wenige Chancen.

Neben Janker hatten gegen Benfica Patrick Ebert rechts und Maximilian Nicu links im Mittelfeld die Gelegenheit sich zu empfehlen. Beide waren eifrig, bewegten sich viel. Indessen war nicht zu übersehen, dass der Spielrhythmus fehlte. Nicu hatte Pech, dass er bei einer Direktabnahme nur den Pfosten traf. „Auf diesem Niveau muss man so eine Chance verwerten“, haderte Funkel. Fazit: Weder Ebert noch Nicu haben im internen Konkurrenzkampf Punkte gemacht. Es ist zu erwarten, dass die beiden in Freiburg wieder aus dem Team rotieren und die Stammspieler Florian Kringe und Cicero auf ihre Positionen zurückkehren.

Cicero als Sinnbild der Misere

An Cicero lässt sich jedoch beschreiben, wie fehlender Druck schädlich sein kann. Nach Abwehrfehlern in Bremen (1:2) hatte der Trainer dem Brasilianer eine Denkpause verordnet. Als Cicero in der Folgewoche gegen Mainz eingewechselt wurde, spielte er engagiert wie schon lange nicht und bereitete den 1:1-Ausgleich durch Ramos vor. Da aber kein Druck von der Bank kommt, war gegen Benfica wieder der Cicero zu erleben, der um Längen von der Dynamik und Entschlossenheit der vorangegangenen Saison entfernt ist.

Aber Lamentieren gilt nicht. Freiburg hat 19 Punkte, Hertha zwölf. „Wir wollen gewinnen, um den Gegner mit in den Abstiegskampf zu ziehen“, sagte Funkel. Wenn Hertha BSC das Wunder vom Klassenerhalt noch schaffen will, sollte das Vorhaben umgesetzt werden.