So guter Dinge war Lucien Favre (51) schon lange nicht mehr. Vor dem Pressegespräch, danach, währenddessen sowieso – der Schweizer strahlte am Freitag übers ganze Gesicht. Ein Teil der guten Laune bezog sich auf den Rückrunden-Auftakt am Sonnabend gegen Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr, Olympiastadion). „Gut, dass es losgeht. Es wird spannend“, sagte Favre. Vor allem aber erbaute ihn die Nachricht des Tages. Neben dem Trainer von Hertha BSC saß ein ebenfalls zufriedener Dieter Hoeneß, der Vorsitzende der Geschäftsführung. „Ich freue, mich, dass ich ein Bonbon vermelden kann. Wir haben den Vertrag mit Lucien Favre vorzeitig um ein weiteres Jahr bis Juni 2011 verlängert. Es ist schön, dass wir vor der Rückrunde so ein Signal setzen können. Wir haben diesen frühen Zeitpunkt gewählt, um einen Vertrauensbeweis zu erbringen.“ Dann war Favre an der Reihe: „Ich bin froh, dass Hertha so viel Vertrauen hat. Wir haben gute Perspektiven und wollen hohe Ziele erreichen.“
Was für eine Bestätigung für Favre. 2007 war er als weitgehend unbekannter Trainer in die Bundesliga gewechselt. Seine Titel aus der Schweiz (zwei Pokalsiege, zwei Meisterschaften) waren hier zu Lande kaum registriert worden. Doch bereits nach der Hälfte der Laufzeit, ursprünglich bis 2010, legte ihm der Hauptstadt-Klub eine Vertragsverlängerung vor. Der Sohn eines Bauern aus dem Kanton Waadt darf sich über verbesserte Konditionen freuen. Wurde Favre Grundgehalt bisher auf rund 800.000 Euro taxiert, dürfte es fortan im Millionen-Bereich liegen. Dazu kommen Prämien (250.000 Euro für Uefa-Cup, 350.000 für Champions League).
Grundsatz-Gespräch in Marbella
Dabei ist das Binnenverhältnis zwischen Hoeneß und Favre durchaus schwierig. Beide reiben sich häufig. Doch wie die Entwicklung zeigt zum Wohle des Vereins. In der Hinrunde 2007/08 war Hertha mit Favre Tabellen-Zwölfter. In der Rückrunde 07/08 stellten die Berliner das sechstbeste Team. Aktuell überrascht Hertha die Bundesliga als Dritter.
Nach ersten Verhandlungen Anfang Januar in Berlin hatte es im Trainingslager in Marbella zwischen Hoeneß, Favre und Präsident Werner Gegenbauer ein Grundsatz-Gespräch gegeben. Der Präsident hatte Herthas Bereitschaft erklärt, langfristig mit dem Trainer zu arbeiten. Hoeneß übernahm die Ausgestaltung des Vertrages. Bei Hertha wussten sie, dass Favres Arbeit nicht unbeobachtet geblieben war. Bei dessen Berater in der Schweiz hatte ein Premier-League-Klub aus England konkretes Interesse an Favre bekundet.
"Cufre ist polyvalent"
Das Thema ist mit der Vertragsverlängerung vom Tisch. Hoeneß sagte, dass beide Seiten künftig regelmäßig über die Perspektiven sprechen wollen. „Läuft es gut, setzen wir uns jeweils im ersten Halbjahr zusammen und reden über die Verlängerung um ein weiteres Jahr.“
Seinen neuesten Mitarbeiter hat Favre bei dessen erstem Training verwirrt. Leandro Cufre (30) staunte, dass eine Fußball-Mannschaft Handball spielte. Der Argentinier, am Donnerstag ablösefrei vom AS Monaco bis Saisonende verpflichtet, ließ fast jeden Ball durch die Hände rutschen. Favre sagte: „Cufre ist polyvalent. Er kann links und rechts spielen, aber auch Innenverteidigung. Er wird uns etwas bringen.“
Cufre war bei der Vorstellung auf die Frage nach seinem Ausraster im WM-Viertelfinale 2006 gegen Deutschland (1:1, 2:4 i.E.) vorbereitet. Damals hatte er im Olympiastadion die Tumulte nach dem Abpfiff ausgelöst, als er Per Mertesacker getreten hatte. „Das Schicksal will es, dass ich wieder in Berlin und in dem Stadion bin. Wenn Mertesacker und ich gegeneinander spielen, werde ich mich entschuldigen.“ Hoeneß sagte: „Ich finde es gut, dass er sich entschuldigen will. Dabei sollte man es belassen. Das ist damals aus der Emotion heraus passiert.“
Nachdem Freitagnachmittag die erforderliche Aufenthaltsgenehmigung eingetroffen war, wird Cufre heute im Hertha-Kader stehen.





