36 302. Heute Abend steht diese Zahl auf dem Prüfstand. Dann wird im Olympiastadion die Zuschauerzahl im Heimspiel von Hertha BSC gegen Hannover (20 Uhr) vermeldet werden. Es steht zu befürchten, dass der bisherige Tiefstwert der laufenden Saison, stammend aus der Partie gegen Arminia Bielefeld, unterboten wird. Was verwundert - denn für einen Stadionbesuch hat Hertha in den vergangenen Wochen etliche gute Gründe geliefert.
Positive Entwicklung
Die Mannschaft von Trainer Lucien Favre ist seit vier Pflichtspielen ungeschlagen - und das, obwohl kaum ein Spieler im Kader sich nicht mit irgendwelchen Wehwehchen herumplagt. "Umso wichtiger ist Unterstützung von außen", sagt Manager Dieter Hoeneß. "Sie trägt dazu bei, Schmerzen zu vergessen." Nur der VfB Stuttgart hat ebenso viele Pflichtspiele ausgetragen wie Hertha (18), die kurze Folge der Spiele lässt die notwendige Regeneration kaum zu. "Trotzdem wollen wir immer siegen", sagt Favre selbstbewusst.
Entscheidende Phase
Nach neun Spieltagen liegt Hannover als Tabellen-14. ganze sechs Punkte hinter Hertha oder auch Meister FC Bayern. Diese immer weiter zunehmende Ausgeglichenheit der Liga ist auch für Hannovers zurzeit verletzten Torhüter Robert Enke "schon eine Überraschung, macht aber die Bundesliga spannender und interessanter - für die Fans und die Spieler". Und doch "wird sich demnächst die Spreu vom Weizen trennen - wir wollen dann möglichst zum Weizen gehören", sagt Hoeneß. "Da ist jeder Sieg Gold wert."
Gute Siegchance
Die Chancen auf den zweiten Heimsieg der Saison sind statistisch gesehen hervorragend. Von 14 Spielen im Olympiastadion hat Hertha gegen Hannover nur eines verloren.
Seit jenem 2:3 im September 2003 erzielten die 96er in Berlin insgesamt nur noch ein Tor; die Auswärtsbilanz der laufenden Saison ist kaum dazu angetan, den Trend wesentlich zu verändern. In vier Spielen erzielte Hannover in fremden Stadien erst ein Tor (1:1 bei Borussia Dortmund).
Moral und Kampfgeist
Hertha spielt nicht so mitreißend wie die Sensationsmannschaft aus Hoffenheim. Die Berliner feiern auch nicht solche Tor- (und Gegentor-)Festivals wie Werder Bremen. Aber die Mannschaft bewies zuletzt in jedem Spiel Moral und Kampfgeist. Die Niederlagen in der Liga gegen Cottbus (0:1) und im Pokal in Dortmund (1:2 n.V.) waren heilsam, seitdem kombiniert die Mannschaft schönes Spiel mit dem nötigen Maß an Leidenschaft und Aggressivität. Hoeneß erkennt auf dem Platz "eine Mannschaft, die bereit ist, sich zu zerreißen - für den eigenen Erfolg, aber auch für Hertha, für die Fans".
Schöne Aussichten
Hertha hatte vor der Saison deutlich Ambitionen angemeldet. Die Zielgabe sieht vor, sich nicht mehr nur über die Fairplay-Wertung, sondern auf sportlichem Wege für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. "Das ist sehr ehrgeizig, denn elf, zwölf Mannschaften haben dasselbe vor wie wir", sagt Hoeneß, "aber im Moment sind wir auf Kurs." Mit einem Sieg gegen Hannover kann sich Hertha im oberen Tabellendrittel festbeißen. In diesem Fall "werden alle nächsten Spiele Spitzenspiele sein", frohlockt Hoeneß. "Verlockend" findet er die kommenden Gegner Bremen (1. November, auswärts), Hoffenheim (9.11.) und Hamburger SV (15.11., beide zu Hause). Hat das Spiel gegen Hannover bei solchen Aussichten da eine Minuskulisse verdient?





