Trainer Lucien Favre winkte ab. Er wollte gestern keine Frage hören, erst recht nicht antworten. Ob sein Torjäger Marko Pantelic (30) irgendwo ein Interview gegeben hat oder nicht – egal. „Volle Konzentration auf das Spiel gegen Hannover.“

Pantelic nahm ganz normal an der Vorbereitung teil und stand in Herthas Startelf. Intern hatte man bei Hertha BSC entschieden, vor dem Anpfiff nicht auf das Interview zu reagieren, das Pantelic der Sportbild gegeben hatte. Andere wurden deutlicher. Hertha-Präsident Werner Gegenbauer sprach von „diffusem Zeugs“, das Pantelic von sich gegeben habe. Dieses Gespräch dürfte auch dem Letzten klar gemacht haben, wie es um die Weltsicht des Stürmers bestellt ist. Und, weshalb sich die Wege des Serben und des Hauptstadt-Klubs spätestens zum Saisonende trennen werden.

Was war geschehen? Pantelic hatte in der "Sport Bild" – mit Ausnahme von Manager Dieter Hoeneß – alles und jeden bei seinem Arbeitgeber kritisiert. „Bei Hertha schützen mich die Fans . . . selten aber die Entscheidungsträger.“ Oder: „Bei Hertha wird ein mieses Spiel mit mir getrieben.“ Oder: „Mir werden meine Verdienste am Verein kaputt geredet.“ Folge: „Ich habe die Schnauze voll.“

Der Trainer wird attackiert. „Ich respektiere ihn. Aber ich wünsche mir, dass er auch meine Leistung respektiert.“ Pantelic jammert: „Vom ersten Tag, als Favre kam, habe ich das Gefühl gehabt, dass ich nicht der Lieblingsspieler vom Trainer war.“

Pantelic will mehr Geld als Friedrich

Pantelic will Topverdiener werden. Es sei normal, „dass der Topstürmer einen besseren Vertrag hat als der Verteidiger“.Zudem stellt der Stürmer klar, dass seine Forderungen, die er Hertha bereits übermittelt hat, nicht verhandelbar sind. „Hertha muss akzeptieren, was ich will. Oder nicht.“ Dann gehe er halt.

Seit 2005 spielt Pantelic in Berlin. Er hat sich in nur 96 Bundesliga-Spielen mit 40 Treffern zum fünftbesten Torjäger der Hertha-Historie gemausert. Seine theatralische Art kommt beim Publikum an. Pantelic lässt die Fans mitleiden oder mitfeiern. Doch so lange er in Deutschland spielt, so lange fällt sein Mangel an Teamfähigkeit und Professionalität auf. Mit seiner egozentrischen Art sprengt er eins ums andere Mal alle internen Regeln. Eine Zeit lang vermochte er Kritiker mit Toren zu besänftigen. Bei Lucien Favre indessen schützen Pantelic selbst die nicht vor klaren Ansagen. Der Trainer hat das eigensinnige Spiel des Serben als einen Grund ausgemacht, warum Herthas Offensive häufig ins Leere läuft. Wer auf Pantelic achtet: Er bestreitet wenige Zweikämpfe, spekuliert stattdessen permanent, ob der Gegenspieler den Ball durchrutschen lässt.

Wie es anders geht, zeigt Andrey Woronin. Der schießt zwar nicht so viele Tore, setzt aber mit einer hohen Laufbereitschaft den Gegner beim Aufbau unter Druck. Nicht zufällig griff sich Pantelic beim ersten Spiel von Woronin gegen Wolfsburg den Ball beim Elfmeter. Die Schlagzeilen des Matchwinners sollten Pantelic feiern – und nicht den Neuen vom FC Liverpool. Da mutet es wie Ironie an, dass Pantelic prompt verschoss.

Präsident Gegenbauer positioniert sich in der Angelegenheit klar. „Wenn der Trainer keine Lieblingsspieler hat, sondern nach Leistung aufstellt, tut Favre genau das, was wir von ihm erwarten.“ Zum Thema Vertrauen, das Pantelic bei Hertha so arg vermisst, sagt Gegenbauer: „Pantelic hat immer gespielt. Es sei denn, er war verletzt oder suspendiert.“

Ein Angebot, dass er nur ausschlagen kann

Gegenbauer verweist auf die Fakten. „Die Zahl der Spiele und die Tore sprechen klar für Pantelic. Und für den Trainer, der Pantelic immer aufstellt.“ Er rät dem Serben dringend, das Zündeln, wer bei Hertha eigentlich das Sagen hat, zu unterlassen. „Die Autorität des Trainer-Teams ist unangetastet und bleibt es auch.“

Gegenbauer wundert sich über die Strategie von Pantelic, zu einem neuen Vertrag kommen zu wollen. „Warum verkündet er das in den Medien, statt mit Dieter Hoeneß zu reden?“

Der Manager will nach außen dokumentieren, dass Hertha sich um den erfolgreichsten Angreifer der vergangenen Jahre bemüht. Deshalb wird Pantelic ein Angebot erhalten, „ob er will oder nicht“ (Hoeneß). Allerdings keinen Vier-Jahres-Vertrag, dotiert mit insgesamt 16 Millionen Euro, wie Pantelic es aufgerufen hat.

Es wird ein Angebot sein, dass der Stürmer nur ausschlagen kann. Dass die Arbeitsgrundlage zwischen Pantelic und der Mannschaft samt Trainer zerrüttet ist, weiß Hoeneß. Es geht nur noch um die Frage, ob alle Beteiligten einen eleganten Weg finden, um in die Winter- oder längstenfalls Sommerpause zu kommen.