Marko Pantelic stand auf und klatschte. Er lächelte, und es sah ein bisschen so aus wie bei Politikern, die nach EU-Kongressen fürs Gruppenfoto posieren. Dutzende Kameraobjektive richteten sich auf den ganz in Schwarz gekleideten Stürmer in Reihe eins der Ehrengast-Tribüne. So richtig spontan gehen die Mundwinkel da nicht nach oben.

Ein paar Meter weiter, auf dem Spielfeld, hatte gerade Mittelfeldspieler Gojko Kacar die Rolle eingenommen, die eigentlich sein serbischer Landsmann Pantelic für sich reserviert sah – er hatte das Spiel für Hertha BSC gegen den VfB Stuttgart entschieden.

Kacar mit „Killerinstinkt“

Fast in letzter Minute (87.), mit einem dynamischen Antritt und einem platzierten Flachschuss, hatte der Serbe das Tor zum 2:1 (1:0) erzielt. Er rutschte jubelnd in Richtung Eckfahne und formte die Arme, als schieße er einen Pfeil ab. „Wir haben endlich Killerinstinkt bewiesen“, übte sich Manager Dieter Hoeneß später in martialischer Wortwahl. Die Fans stimmten in der Kurve, wenn auch noch etwas holprig, den Sprechchor „Gooojko – Gojko Kacar“ an. Großes Theater vor 42336 Zuschauern. Mit dem selbsternannten Hauptdarsteller von Hertha BSC auf der Tribüne.

Es war, das konnten die Beteiligten nicht oft genug betonen, ein richtungweisender Sieg. Und reich an Symbolik noch dazu: Der erste Sieg im vierten Heimspiel der Saison war der 250. Bundesligaheimsieg von Hertha. Er hievt die Mannschaft von Platz acht auf vier, was „schon ganz gut aussieht“, wie Hoeneß zufrieden feststellte.

Das glückliche 2:1 ist aber auch der erste Sieg in Abwesenheit von Pantelic seit dessen Verpflichtung im August 2005. In zuvor 13 Spielen ohne ihn hatte Hertha fünf Mal Unentschieden gespielt und acht Mal verloren. Diese schwarze Serie durchbrachen die Kollegen nun endlich. Doch derartige Zusammenhänge wollten die Akteure nicht herstellen. „Wir haben nicht gegen Marko gespielt“, betonte Maximilian Nicu, „wir haben für die Mannschaft gespielt. Und letztlich hatten wir natürlich auch Glück im Abschluss.“

Nicu: Torpremiere in der Bundesliga

Ganz nebenbei erzielte er dabei sein erstes Bundesligator. Nicu widmete den Treffer (29.) seinem Vater, der gestern 62 Jahre alt geworden ist. „Ich musste gar nicht viel dafür tun“, gab Nicu freimütig zu, und tatsächlich hatte Raffael ihm den Ball freistehend vor Torwart Jens Lehmann perfekt aufgelegt. Den Vater, der zu Hause in Unterhaching bei München am TV zugesehen hatte, wird es trotzdem gefreut haben. Ebenso wie Hoeneß: „Max hat seine Chance definitiv genutzt.“

Nach zwei weiteren Berliner Chancen durch Nicu (38.) und des stark verbesserten Raffael (41.), kamen die feldüberlegenen Stuttgarter mit mehr Druck aus der Kabine – und zum Ausgleich. Nachdem Cacau aus sieben Metern noch über das Tor des erneut souveränen Jaroslav Drobny schoss (48.), schob er den Ball nach einem Kopfball von Mario Gomez über die Linie – das 1:1 (51.). Die Partie wurde nun hitziger. Nach einem Tritt gegen Cicero bekam Gomez die Gelbe Karte – und hätte Rot verdient gehabt. Andrej Woronin, der nach seinem Nasenbeinbruch mit einer Gesichtsmaske spielte, sah kurz darauf nach einem Foul am gegnerischen Strafraum ebenfalls Gelb (76.).

Stuttgart hatte nun durch Gomez' Pfostenschuss (79.) und Cacaus Schuss aus vier Metern (82.) die besseren Chancen. Doch Hertha entschied anders als in den bisherigen Heimspielen die Partie – auch wenn der nach vorne geeilte VfB-Torwart Jens Lehmann in der Nachspielzeit die letzte Chance hatte. So war der eingewechselte Kacar der Held des Tages und erzählte, er habe „für meinen Vater und für Marko gejubelt“.

Am Donnerstag gegen Lissabon

Außer Arne Friedrich („Was er getan hat, geht so nicht“) wählten die Verantwortlichen für die Anekdote von Pantelics geschwänztem Arbeitstag versöhnliche Worte, der Sünder wird am Donnerstag im Uefa-Cup gegen Benfica Lissabon wieder im Kader der Berliner stehen. Eine Wahl bleibt ihnen auch kaum: Hertha stehen vor den stressigen Wochen mit Pflichtspielen im Vier-Tage-Rhythmus gerade einmal 15 Feldspieler zur Verfügung.