Zum ersten Mal wird die Mitgliederversammlung von Hertha BSC an diesem Dienstag im CityCube Berlin am Messedamm stattfinden (19 Uhr, Liveticker bei immerhertha.de). Mit Spannung erwartet wird die Rede von Michael Preetz, dem Geschäftsführer Sport und Medien/Kommunikation. Hertha BSC hat am Wochenende eine schwierige Saison auf Platz 15 beendet. Damit ist das wichtigste Ziel erreicht: Hertha spielt auch 2015/16 erstklassig. Wie knapp es war, zeigt der Umstand, dass die Berliner nur dank des besseren Torverhältnisses gegenüber dem punktgleichen Hamburger SV die Relegation vermeiden konnten.

Die vom Verein verschickte Tagesordnung umfasst elf Punkte. Preetz wird bei Punkt sieben sprechen, „Bericht der Geschäftsführung“. Er wird sich bei der Aussprache auf kritische Nachfragen einstellen müssen. Was aus dem Ziel geworden sei, den Zuschauern im Olympiastadion attraktive Heimspiele zu bieten? Tatsächlich hat Hertha im Jahr 2015 kein einziges begeisterndes Spiel gezeigt. Wie ist die Transferpolitik zu bewerten, wenn neben guten Zugängen (wie Julian Schieber, Valentin Stocker oder Per Skjelbred) namhafte Neue wie John Heitinga, Jens Hegeler oder auch Salomon Kalou enttäuschten.

Warum gab es im Winter keinen neuen Mittelfeldspieler?

Interessant sein wird zu hören, wie Preetz begründet, dass Hertha im Winter keinen offensiven Mittelfeldspieler verpflichtet hat, obwohl der Manager und Luhukay der Meinung waren, dass Hertha auf dieser Position Bedarf hatte. Dieses Thema ist komplex, weil damit unmittelbar die Frage zusammenhängt, wie weit das ‚Prinzip der Einstimmigkeit‘ reicht zwischen Manager und Trainer.

Warum der Manager den damaligen Trainer Jos Luhukay nicht nach der 0:5-Heimpleite zum Ende der Hinrunde entlassen und Pal Dardai erst Anfang Februar inthronisiert hat – nachdem sowohl die Rückrunden-Vorbereitung als auch die Transferperiode just beendet waren.

Wo bleiben die eigenen Talente?

Dann wird es Fragen geben zu Herthas Ausbildungsarbeit. Die ist stark, Herthas A-Jugend trifft Sonnabend im deutschen Pokalfinale auf Energie Cottbus. Aber: Wo bleiben die Talente? In dieser Saison hat kein einziger Jugendspieler den Sprung zu den Hertha-Profis geschafft.

Gut möglich, dass Preetz den Mitgliedern Pal Dardai als Cheftrainer mit frisch unterschriebenem Vertrag präsentieren wird. Dann gehen Herthas Rekordtorjäger (Preetz) und Herthas Rekord-Bundesligaspieler (Dardai) als Führungsduo in die Saison 2015/16. Das wird Beifall von den Fans geben.

Es bleibt die Frage: Wie stellt sich die sportliche Leitung Herthas ‚Taktik der Zukunft’ vor? Welche Spieler braucht es dafür? Geschwindigkeit, Speed wird im modernen Fußball immer wichtiger. Trainer Pal Dardai hat jedoch gerade erst moniert, dass neben Torjäger Kalou „leider mehrere Spieler nicht die beste Schnelligkeit haben“.

Mit dem Schwung des Klassenerhaltes

Preetz hat im März in der Morgenpost von „Hebeln“ gesprochen, „die identifiziert wurden, wie Hertha den Abstand zu den Topklubs der Liga verkürzen will.“ Nun ist der Klassenerhalt sichergestellt. Die Mitglieder werden gespannt sein zu hören, was die Verantwortlichen da genau ausgemacht haben.

Hertha wirkt derzeit wie ein erschöpfter Verein. Müde nach einer langen Saison, in der es vor allem galt ein Problem nach dem nächsten zu lösen. Die Schönheit des Fußballs, die Leichtigkeit im Spiel fand in anderen Stadien der Republik statt.

Wofür will Hertha künftig stehen?

Trotz der Widrigkeiten hat Hertha die Bundesliga gehalten. Und bräuchte nun eigentlich einen Aufbruch. Schwung und Zuversicht, um neue Ziele zu formulieren: Wofür soll Hertha künftig stehen? Womit sollen die Zuschauer im Olympiastadion, womit die Fans in Fußball-Deutschland begeistert werden? Die Antworten interessieren auch den künftigen Hauptsponsor, den Hertha aktuell sucht.