Rechts, links, rechts, links. Herthas Athletiktrainer Hendrik Vieth hatte das Aufwärmprogramm kaum beendet, da klebte der Ball schon an Tolga Cigercis Füßen. Während seine Kollegen gemächlich auf den Hauptplatz schlenderten, wo Chefcoach Pal Dardai mit der nächsten Übung wartete, fing Cigerci an zu jonglieren. Rechts, links, rechts, links.
Dem 22 Jahre alten Mittelfeldspieler war am Mittwochvormittag deutlich anzumerken, wie sehr er das Mannschaftstraining vermisst hatte. Sein letztes Spiel für den Berliner Bundesligisten absolvierte Cigerci Ende April vergangenen Jahres. Gegen Braunschweig zog er sich damals einen Kapselriss am rechten großen Zeh zu.
Seitdem hat Cigerci 306 zumeist frustrierende Tage erlebt. In der Sommervorbereitung quittierte sein großer Onkel endgültig den Dienst, es folgten eine OP und mehrere gescheiterte Comebackversuche – zuletzt Mitte Dezember. Am Mittwoch aber hielt der Zeh. „Ich merke fast gar nichts mehr“, sagte Cigerci, dem die ersten kleinen Spielformen doch „ein bisschen auf die Lunge“ gingen. Um seine Ausdauer wieder auf Vordermann zu bringen, brauche er erfahrungsgemäß aber nicht lange.
Bei Hertha fiebern sie der Rückkehr des technisch starken Strategen schon seit Monaten entgegen. Kreativität, Schnelligkeit, das Auge für die Mitspieler – Cigerci bringt vieles von dem mit, was Hertha derzeit fehlt.
Auch Ben-Hatira kehrt zurück
Dardais Vorgänger Jos Luhukay bezeichnete Cigerci einmal als „Herthas Herz“. Gemeinsam mit Änis Ben-Hatira, der nach zweimonatiger Zehenverletzung ebenfalls am Mittwoch das Teamtraining aufnahm, könnte Cigerci dem blassen Berliner Angriffsspiel neues Leben einhauchen.
„Beide Spieler sind sehr wichtig“, sagt Dardai. „Ich würde sofort mit ihnen planen, aber das geht leider nicht.“ Ein zu früher Einsatz nach solch langen Pausen sei mit einem zu hohen Verletzungsrisiko verbunden. Eine Prognose über mögliche Einsatztermine wollte er am Mittwoch nicht geben.
Ben-Hatira, 26, mit drei Toren und vier Vorlagen zweitbester Berliner Scorer, dürfte schon zeitnah eine Option sein. Cigerci indes wird sich wohl bis Anfang April gedulden müssen. Nach einer Länderspielpause wären dann noch acht Partien zu spielen. „Ich habe so lange Geduld gehabt, auf ein paar Wochen kommt es jetzt auch nicht mehr an“, sagt Cigerci. Hertha aber benötigt seine Qualitäten dringender denn je. Langsam aber sicher wird die Luft dünn im Abstiegskampf. Cigercis Comeback, es wird ein Wettlauf gegen die Zeit.





