Bundesliga

Herthas Brooks - „Kritik kann auch mal etwas ruppiger sein“

Wie der Innenverteidiger den Konkurrenzkampf gegen Fabian Lustenberger, Sebastian Langkamp und John Heitinga bestehen will. Am Sonntag startet Hertha bei Werder Bremen in die Rückrunde der Bundesliga.

Foto: JOHANNES EISELE / AFP

Der Countdown läuft. Heute Nachmittag beginnt die Trainingswoche für Hertha BSC, an deren Ende am Sonntag der Start in die Rückrunde bei Werder Bremen steht (15.30 Uhr, Weserstadion). Ob Trainer Jos Luhukay oder Manager Michael Preetz – unisono antworten die Verantwortlichen auf die Frage, was besser werden soll: Die Abwehr muss sicherer stehen. Es braucht eine funktionierende Achse, damit die Balance zwischen Defensive und Offensive dauerhaft funktioniert.

Durch die Rückkehr der Hinrunden-Patienten Fabian Lustenberger und Sebastian Langkamp stellt sich die Lage im Abwehrzentrum so dar, wie sie sich ein Trainer es sich wünscht: Vier Kandidaten kämpfen um zwei Innenverteidiger-Plätze: Lustenberger, Langkamp sowie John Heitinga und John Brooks.

Es gibt keine Stammplatz-Garantie

Eine Situation, die bei einigen Anhängern zu Schweißausbrüchen führt. Die Spielpraxis, die Trainer Luhukay den L&L-Rückkehrern in den vier Testspielen gewährte, wurde kritisiert: Damit werde John Brooks verbrannt. Hertha setze, entgegen der öffentlichen Bekundungen, in Wahrheit nicht auf die eigenen Talente.

Einer jedoch bleibt gelassen ob der Aufregung im Umfeld: Brooks. Der ist nicht nur gebürtiger Berliner, sondern auch seit 2007 im Klub. Vor allem aber ist Brooks Realist: „Ich versuche, alles aufzusaugen, was man mir auf den Weg gibt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mir irgendjemand etwas Böses will.“

Luhukay hadert mit den Formschwankungen

Im Fanforum Immerhertha.de, dem Blog der Morgenpost, wird Kritik an Brooks von einigen als Majestätsbeleidigung gewertet. Dabei gehört Kritik zum Profi-Alltag. Hertha war im letzten Spiel der Hinrunde, beim 0:5 gegen Hoffenheim, auf die Verliererstraße geraten, weil Brooks zunächst ein Eigentor unterlaufen war. Drei Minuten später hatte er einen Elfmeter verursacht, der das 0:2 zur Folge hatte. „Diese Schwankungen bei John kennen wir schon länger“, stöhnte Trainer Luhukay. „Dass muss er einfach in den Griff bekommen.“ Brooks sagt dazu, wenn die Kritik „mal ein bisschen ruppiger ist, dann ist das okay für mich.“

Brooks ist ein spannender Spieler. 1,93 Meter groß, athletisch, gutes Kopfballspiel. Und, was in der Branche selten ist, mit einem starken linken Fuß ausgestattet. Der vergangene Sommer hat ihm einen weiteren Schub gegeben. Der Deutsch-Amerikaner war im Team von Nationaltrainer Jürgen Klinsmann für die USA bei der WM in Brasilien. Und veränderte gleich mit seinem ersten Turnier-Einsatz, samt Kopfball-Tor zum 2:1-Siegtreffer der USA gegen Ghana seinen Status von Nobody zu Everybody’s Darling. Seither tritt Brooks, privat ein zurückhaltender Typ, auf dem Platz selbstbewusster auf. Er coacht die Kollegen, feuert auch an. „Das ist mit der Zeit gewachsen. Ich habe verstanden, dass ich mehr Verantwortung übernehmen muss.“

Aufmunterung aus der Mannschaft

Aber, mit seinen 21 Jahren ist er nach wie vor in der Entwicklung. Neben souveränen Vorstellungen schleichen sich immer mal wieder Konzentrationspatzer ein, die in der Bundesliga meist gnadenlos bestraft werden. Siehe Hoffenheim. „In dem Moment habe ich mich elendig gefühlt“, sagt Brooks. „Die ganze Mannschaft arbeitet so hart, und dann passiert mir so ein Missgeschick.“ In der Mannschaft habe danach ein paar aufmunternde Schulterklopfer, aber niemand habe großen Worte verloren.

Zum Profifußball gehört nicht nur technisches, taktisches und körperliches Vermögen. Sondern auch eine gewisse mentale Robustheit. Brooks erzählt, dass er vom Typ her jemand ist, der viel grübelt. „Ich denke viel nach – nicht nur im Fußball, sondern auch privat. Ich versuche es, schon allen recht zu machen. Dabei muss ich manchmal aufpassen, dass ich nicht zu kurz komme.“

Brooks will gegen Bremen spielen

Ebenso ist es ein Prozess zu verstehen, wie viele Facetten der Begriff Professionalität für einen Profi hat. Dazu gehört nicht nur bewusste Ernährung und regelmäßiger Schlaf, sondern auch das Wissen um den richtigen Zeitpunkt, wann man sich Tattoos stechen lässt. Ein weiterer Schlüssel ist es, die Motivation auch bei Rückschlägen hochzuhalten. Überlegungen, ob er als Hertha-Eigengewächs eine Stammplatz-Garantie bekommen müsste – so stellen sich das manche Fans vor – verblüffen ihn.

Über die Konkurrenten Lustenberger und Langkamp, sagt Brooks, „mache ich mir wenig Gedanken. Ich versuche mich anzubieten und hoffe, dass ich gegen Bremen in der Startelf stehe.“ Und falls nicht? Brooks: „Dann mache ich einfach weiter.“