Man hat sich ein bisschen in Ruhe gelassen in den vergangenen zwei Wochen Weihnachtsferien bei Hertha. Die Spieler flogen – ihre Trainingspläne im Gepäck – durch die Weltgeschichte in die Sonne oder reisten in die Heimat. Zwischen Trainer Jos Luhukay und Manager Michael Preetz freilich gab es leichten Kontakt. 2014 war sportlich durchwachsen für die Berliner (nur acht Siege aus 34 Partien) und endete mit einem 0:5-Debakel gegen Hoffenheim. 2015 soll und muss es besser werden.
An diesem Montag startet Hertha mit dem ersten Training ins neue Jahr. Um 14 Uhr beginnt auf dem Schenckendorffplatz die Vorbereitung auf die Rückrunde. 27 Tage Zeit hat Luhukay, um den Tabellen-13. auf die Auftaktpartie bei Werder Bremen (Platz 16) am 1. Februar vorzubereiten – gleich ein direktes Duell im Abstiegskampf. Vor dem Trainingsauftakt aber stellen sich einige Fragen. Die Morgenpost beantwortet sie:
1. Kommen neue Spieler?
Die Antwort darauf lautet: vielleicht, und wenn, nur einer. „Aktuell suchen wir nicht. Wir halten uns aber alle Optionen offen und schauen, was möglich ist“, sagt Preetz gegenüber der Morgenpost. Dies geschieht anhand von drei Fragen: 1. Wo gibt es Bedarf im Kader? 2. Was gibt der im Winter traditionell schwierige Markt her? Und 3. Wie viel Geld ist vorhanden?
Die Probleme der Blau-Weißen in der Hinrunde waren offensichtlich: Eine viel zu schwache Defensive (35 Gegentore), sowie eine fehlende Spielkultur, was nur durch eine hohe Effizienz vor dem Tor kaschiert wurde. Besonders im zentralen, offensiven Mittelfeld konnten die Ausfälle von Alexander Baumjohann und Tolga Cigerci nicht kompensiert werden.
Baumjohann (erneuter Kreuzbandriss) wird auch in der Rückrunde fehlen. Und Cigercis Rückkehr nach einer komplizierten Zehenverletzung ist weiterhin völlig offen. Wenn, dann sucht Hertha einen kampfstarken, kreativen Spielgestalter, der auf der Achter- und Zehnerposition sofort weiterhelfen kann. Ob das geschieht, hängt aber auch davon ab, wann Cigerci zurückkehrt und was mit Jens Hegeler passiert.
Preetz sagt: „Wir besitzen Optionen in unserem Kader für all die Probleme, die wir haben. Grundsätzlich glauben wir, dass wir sie aus eigener Kraft lösen können.“ Hegeler wurde im Sommer fürs zentrale Mittelfeld geholt, überzeugte dort aber zu Saisonbeginn nicht und half später im Abwehrzentrum aus. Eine Rückkehr in die Berliner Problemzone zentrales Mittelfeld wäre denkbar: „Jens hat bei früheren Stationen bewiesen, dass er das kann“, sagt Preetz.
Gleiches gilt grundsätzlich für Kapitän Fabian Lustenberger. Wenn der gelernte Mittelfeldspieler gesund war, setzte ihn Luhukay aber meistens als Abwehrchef ein. Zu vermuten ist, dass Preetz zugreift, wenn der Markt einen geeigneten Kandidaten für den Kreativbereich bietet. Etwas Geld dafür wäre da. Mehr als einen neuen Spieler wird es aber nicht geben, so Preetz. Schon im Sommer kamen acht Neue, deren Integration allerhand Probleme erzeugte. Ein Platz im Kader dürfte aber demnächst frei werden: Hany Mukhtar weilte bereits zum Medizincheck beim portugiesischen Meister Benfica Lissabon. Ein Angebot für den 19-Jährigen, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, liegt aber noch nicht vor.
2. Auf wen kommt es nun besonders an?
Mehr als einen neuen Spielgestalter wird es auch deshalb nicht geben, weil Herthas zweites großes Problem, die wacklige Defensive, durch vorhandenes Personal gelöst werden soll: Lustenberger und vor allem Innenverteidiger Sebastian Langkamp, der fast die gesamte Hinrunde verletzt verpasste, sind wieder fit. Gemeinsam sorgten sie im ersten Halbjahr der Saison 2013/14 für eine der stabiles Defensiven der Liga, bis sich Lustenberger verletzte. „Ich hoffe auf sie“, sagt Luhukay.
Aber auch der Niederländer ist nun besonders gefragt: Seit Luhukay im Sommer 2012 nach Berlin kam, ging Hertha stets mit breiter Brust ins neue Jahr: 2013 als Zweiter in Liga zwei, 2014 sogar als Sechster in der Bundesliga. Das ist diesmal mit 18 Punkten und nur einem Zähler Vorsprung auf die Abstiegszone anders. Luhukay muss beweisen, dass er eine Mannschaft in einem aufgeregten Umfeld aus dem Tabellenkeller führen kann. Mit Augsburg gelang ihm 2011/12 die Wende, als man auf Platz 17 mit 15 Punkten nach der Hinrunde am Ende mit 38 Zählern auf Rand elf landete.
3. Was wird aus den unzufriedenen Stars Kalou und Heitinga?
Salomon Kalou bereitet sich derzeit mit der Elfenbeinküste auf den Afrika-Cup in Äquatorialguinea (17. Januar bis 8. Februar) vor und wird im für Hertha schlechtesten Fall die ersten drei Partien der Rückrunde verpassen. Der 29-Jährige war zuletzt unzufrieden mit seiner Reservistenrolle und beschwerte sich öffentlich.
„Wir hoffen, dass Salomon fit, mit Spielpraxis und vielleicht auch mit einem Erfolgserlebnis zu uns zurückkommt“, sagt Preetz. Wie der Starstürmer, der zuletzt sechsmal nur auf der Bank saß, in die Mannschaft integriert werde, hänge davon ab, wie Hertha der Start in die Rückrunde gelingt.
Noch stärker außen vor als Kalou war zum Ende der Hinserie Verteidiger John Heitinga. Der Vize-Weltmeister von 2010 saß nur noch auf der Tribüne. Ein Weggang des erst im Sommer verpflichteten Niederländers sei aber kein Thema, sagt Preetz: „Es gibt diesbezüglich keine Überlegungen unsererseits.“ Fraglich ist, ob es die bei Heitinga gibt.





