Kommentar

Herthas Abwehr erinnert an die eines Absteigers

Die 0:5-Niederlage gegen Hoffenheim ist für den Berliner Bundesligisten der denkbar schlechteste Jahresabschluss. Ohne die notwendige Konstanz bringt sich Hertha in eine prekäre Lage, sagt Jörn Meyn.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Wenn man sich vor eigenem Publikum mit einem 0:5 in die Winterpause verabschiedet, dann darf angenommen werden, dass für Hertha BSC keine geruhsamen Weihnachtstage bevorstehen. Die herbe Pleite gegen Hoffenheim ist der denkbar schlechteste Jahresabschluss für die Blau-Weißen. Sie ist der Tiefpunkt einer Hinrunde, die für die Berliner Fans eine Gefühlsachterbahn, ein ständiges Auf und Ab bereithielt. Das 0:5 lässt die Anhängerschaft mit großen Fragen zurück – und wohl auch mit der Angst davor, dass das Unterfangen Etablierung in der Liga in Gefahr ist.

Sicher, 18 Punkte nach 17 Spieltagen sind kein fatales Ergebnis. Es siedelt Hertha im Bundesligamittelmaß auf Platz 13 an, wo der Klub nach eigener Einschätzung hingehört. Doch die Liga ist in dieser Saison noch einmal ausgeglichener und enger als in den Spielzeiten zuvor. Hertha überwintert daher mit nur einem einzigen Zähler Vorsprung auf die Abstiegszone.

Zustande kam dieses nicht zufriedenstellende Zwischenergebnis, weil das Team von Trainer Jos Luhukay über 17 Runden nie in der Lage war, Konstanz in die eigenen Leistungen zu bekommen. Nach den fünf bisherigen Saisonsiegen folgten vier Mal prompt Niederlagen. Nie gelang es, einmal über drei Partien ungeschlagen zu bleiben.

Wankelmütig wie Schüler

Von Hertha weiß man nicht, was man kriegt. Luhukays Mannschaft ist wankelmütig wie ein Schüler, der nach Wochen mit mangelhaften Leistungen endlich ein Gut zustande bringt, aber bei der nächsten Leistungskontrolle wieder nur mit einem Mangelhaft nach Hause kommt.

Dabei hat Hertha Qualität in den eigenen Reihen. Das hat das Team bei den Erfolgen gegen Mannschaften wie Wolfsburg und Dortmund gezeigt. Aber es hat immer noch keine Balance zwischen Offensive und Defensive gefunden. Vor allem die schwache Abwehrarbeit ist die Achillesferse: Mit 35 Gegentoren unterhält Hertha die zweitschlechteste Defensive der Liga hinter Bremen (39).

Die Situation bleibt gefährlich

Das sind zwei Gegentreffer pro Spiel. Vor einem Jahr, als die Blau-Weißen mit 28 Punkten überraschend auf Platz sechs überwinterten, war gerade die starke Defensive der Schlüssel zum Erfolg. Mit nur 20 Gegentoren hatte der damalige Aufsteiger die fünftbeste Abwehr. Aber dieser Faustpfand ist verloren gegangen, und er muss schleunigst wiedergefunden werden.

Zur Einordnung: Seit Einführung der Drei-Punkte-Regel zur Saison 1995/96 schloss Hertha die Hinrunden nur zweimal mit weniger als 18 Zählern ab: 2009/10 stieg man nach nur sechs Punkten zur Winterpause am Ende ab. 2003/04 gelang trotz nur 13 Punkten nach der Hinserie der Klassenerhalt. Die aktuelle Situation ist noch nicht so prekär wie damals. Aber sie bleibt solange gefährlich, bis Hertha die Konstanz wiedergefunden hat.