Bundesliga

Das 1:0 gegen Dortmund bringt Luhukay Job-Sicherheit

Der Erfolg hilft Hertha und auch Trainer Luhukay. Die Mannschaft beendet mit einer leidenschaftlichen Vorstellung die Diskussion, ob Hertha ein System hat und wie es um den Zusammenhalt bestellt ist.

Foto: Lukas Schulze / dpa

Am Tag danach stand Jos Luhukay entspannt vor den Fernseh-Kameras. Der Trainer von Hertha BSC lobte seine Mannschaft. Sie habe um die schwierige Situation gewusst. „Die Jungs haben einen Charakter, das sie immer dann da sind, wenn wir Probleme haben. Ich bin jetzt seit zweieinhalb Jahren bei Hertha und habe nie einen Moment am Charakter der Mannschaft gezweifelt“, sagte Luhukay.

Das 1:0 gegen Borussia Dortmund war ein Sieg, den nur die großen Optimisten unter den 75.254 Fans erwartet hatten. Entsprechend großzügig verteilte der Trainer sein Lob. Dass Julian Schieber ein technisch so schwieriges Tor wie beim 1:0 erzielt, „hätten ihm nur die wenigsten zugetraut. Das bringt mich innerlich zum Strahlen.“

Bestes Spiel von Brooks

John Brooks, der 83 Prozent seiner Zweikämpfe gewann, „hat sein bestes Spiel in 2014 gemacht. Das freut mich. So möchte ich ihn immer sehen.“

Der fünfte Saisonsieg hat verschiedene Auswirkungen. In der Tabelle hat Hertha nun einen Puffer von drei Punkten auf die Abstiegszone. Torschütze Schieber mahnt: „Wir sind immer noch in einer gefährlichen Situation. Wir brauchen bis Weihnachten noch mehr Punkte auf dem Konto.“ Die beiden letzten Gelegenheiten, das Konto aufzustocken, bieten sich am Mitwoch bei Eintracht Frankfurt und am kommenden Sonntag gegen die TSG Hoffenheim (21. Dezember, 15.30 Uhr).

Kritik aus der Ostkurve

Vor allem aber war die Partie gegen den BVB eine vertrauensbildende Maßnahme für die Einheit von Trainer und Mannschaft. Auf einem Banner in der Ostkurve hatten die Fans nach zuvor fünf Niederlagen in sechs Partien erstmals öffentlich geübt. „Luhukay: Wo ist das System? Wie lautet das Konzept?“ Dazu hatte es vernehmbar geknirscht in der Zusammenarbeit. Am Mittwoch ließ der Trainer die Spieler nach jeweils fehlerhaften Pässen insgesamt 80 Liegestütze machen, die ursprünglich nicht vorgesehen waren. Mit seiner Rotation in den zurückliegenden Wochen, die auch vor namhaften Spielern wie John Heitinga oder Salomon Kalou nicht halt machte, hat Luhukay sich intern nicht nur Freunde gemacht. Wenn es also einer Chance bedurft hätte, um auf eine Kluft aufmerksam zu machen, wäre die Partie gegen den hochkarätig besetzten BVB die Gelegenheit für eine deutliche Niederlage gewesen. Tatsächlich ist jedoch das Gegenteil passiert.

Die Mannschaft kam mit der vom Trainer vorgegeben Route gut zurecht. Ohnehin war klar, dass Dortmund mehr Ballbesitz haben würde (71 Prozent). Das glichen die Peter Niemeyer, Per Skjelbred & Co mit einer immensen Einsatzbereitschaft aus. Herthas Marathonmann Skjelbred wurde erstmals in dieser Saison von Krämpfen geschüttelt und musste nach 70 Minuten ausgewechselt werden. „Per liegt oben auf der Massagebank und hat am ganzen Körper blaue Flecken. Er hat vielleicht etwas zu lange gespielt“, sagte Luhukay. Mit aller Kraft stemmten sich die Berliner gegen den Ansturm der Borussen nach der Pause. Torwart Thomas Kraft glänzte in Serie.

Das Signal steht auf Kontinuität

Diese Einstellung in der Verbindung mit der Kaltschnäuzigkeit, die Hertha im Vorwärtsgang hat – zwei Chancen, ein Tor (Schieber/40.) – reichten für den ersehnten Erfolg.

Die 17 Punkte sind für Hertha wichtig. Aber auch für Luhukay. Die Vereinsführung steht ohnehin zum Cheftrainer. Die Art und Weise, wie der Sieg gegen Dortmund erkämpft wurde, belegt, dass die Gruppe samt Trainer intakt ist. Intern hatte man selbst für den schlechtesten Fall, dass Hertha mit nur 14 Punkte in den Winter gegangen wäre, hochgerechnet: Der Trainer bleibt, aber dann braucht es eine Rückrunde mit 20 Punkten. Es wird davon ausgegangen, dass man für den Klassenerhalt in dieser Spielzeit (mindestens) 34 Zähler braucht. Doch nach dem fünften Saisonsieg ist sogar die Marke von 20 Zählern bis Weihnachten in Reichweite. Heißt: Die Signale bei Hertha stehen auf Kontinuität. Luhukay wird mit Manager Michael Preetz die Vorbereitung in der Winterpause leiten. Das Duo wird entscheiden, ob Hertha bis zum Ende der Transferperiode am 31. Januar noch eine Verstärkung holt.

Luhukay: Ich lasse mich nicht beirren

Luhukay ist die Unruhe, die sich vor allem bei einigen Anhängern im Internet verbreitet hat, nicht entgangen. Zur Kritik in der Ostkurve sagte der Trainer: „Mir ist immer daran gelegen, dass es eine Harmonie gibt zwischen den Fans und der Mannschaft. Und die Fans stehen wie eine Eins hinter dem Team. Ich nehme die Kritik an. Aber ich lasse mich davon nicht beirren oder umwerfen.“

Luhukay sagte, er verstehe, dass die Erwartungen an Hertha steigen. „Das ist normal.“ Ebenso, dass Hertha an den Stammtischen der Stadt am jeweils aktuellen Tabellenplatz abgerechnet werde. „Aber als Trainer muss ich den Blick etwas weiter haben.“

Er erinnert ans Saisonziel: „Wir sind im zweiten Jahr in der Bundesliga. Es geht darum, dass wir Hertha etablieren. Und im zweiten Jahr geht es nicht immer in die gewünschte Richtung.“ Deshalb war der Sieg gegen Dortmund ein Schritt in die richtige Richtung. „Aber wir müssen weitere Schritte gehen.“