Bundesliga

Levan Kobiashvili - „Ich mache mir überhaupt keine Sorgen“

Der schwache Saisonstart von Hertha beunruhigt Levan Kobiashvili nicht. Der georgische Rekordnationalspieler über neue Herausforderungen im Fußball-Ruhestand und seine Prognose für den Berliner Klub.

Foto: Alex Grimm / Bongarts/Getty Images

Zum ersten Mal seit 20 Jahren hat Levan Kobiashvili, 37, seine Heimat Georgien in diesem Sommer sechs Wochen am Stück besucht. „Es war wunderschön und sehr gut zum Runterkommen“, erzählt er. Aber seit drei Woche beschleicht ihn immer wieder ein wehmütiges Gefühl. „Es tut weh“, sagt Kobiashvili, jetzt, wo die Bundesliga begonnen hat. 20 Jahre war Kobiasvhili Fußball-Profi für den SC Freiburg, den FC Schalke und seit 2010 bei Hertha BSC. 351 Bundesliga-Spiele hat er bestritten, die zweitmeisten aller Ausländer in der Liga (Claudio Pizarro/371), mit 100 Länderspielen ist er Rekordnationalspieler von Georgien.

Nun steht Kobiashvili am Rande des Schenckendorff-Platzes. Ein Fan mit seinem Sohn kommt vorbei. „Kobi, trotz Sonnenbrille erkenne wir Dich, Zeit für ein Foto?“ Kobiashvili nimmt die Sonnenbrille ab, natürlich hat er Zeit. Auf seiner Visitenkarte steht „Mitarbeiter der Fußball-Akademie von Hertha BSC“. Ein Beschreibung für alles und nichts. Und das trifft es derzeit. „Ich bin dabei mich zu orientieren“, sagt Kobiashvili. Gegen neun Uhr geht es los. Sitzungen, Besprechungen mit den Jugendtrainern. Am Nachmittag schaut er sich an, etwas wie Pal Dardai mit der U15 von Hertha trainiert. Die Arbeitstage nach der Karriere sind länger geworden verglichen mit der Zeit als Profi. „Meine Tochter hat sich schon beschwert, dass ich weniger zuhause bin als früher“, sagt Kobiashvili.

Am Freitag spielt Hertha auswärts beim SC Freiburg. „Das war immer ein besonderes Spiel für mich, bei meinem ehemaligen Verein.“ Vorbei. Kobiashvili wird die Partie des vierten Spieltages vom heimischen Sofa in Klein Machnow verfolgen. Bei der Frage, welche Art von Tribünen-Besucher er ist, schmunzelt Kobiasvhili: „Wie auf dem Platz: Äußerlich ruhig, drinnen toben die Emotionen.“

Mit Kritik muss ein Profi umgehen können

Nach wie vor fasziniert ihn Fußball. „Die 70. Minute gegen Mainz, das war doch unglaublich. Bei uns wird Salomon Kalou eingewechselt, die Hoffnung, dass wir zurückkommen. Und in der gleichen Minuten schießt Sami Allagui, unser Ex-Spieler, das vorentscheidende Tor für Mainz.“

Kobiashvili hat die Hertha-Abstiege 2010 und 2012 mitgemacht. Die aktuelle Stimmung um den Hauptstadt-Klub überrascht ihn nicht. „Dass nach einem Punkt aus drei Spielen Kritik aufkommt, ist normal. Damit muss man leben.“ Seine Einschätzung: „Die Kader von Hertha ist durch die neuen Spieler richtig gut. Wir haben Erfahrung, wir haben Talent.“

Es fehlt ein Erfolgserlebnis

Dennoch rangiert Hertha nach einem Remis und zwei Niederlagen im Tabellenkeller. Kobiashvili: „Ich mache mir überhaupt keine Sorgen. Was fehlt, ist ein Erfolgserlebnis, damit das Selbstbewusstsein da ist. Ein Sieg in Freiburg, und schon sieht die Welt wieder anders aus.“