Verletzungspech

Das war ein Tag voller Unheil für Hertha BSC

Nach der Verletzung von Haraguchi müssen die Berliner zwei weitere Ausfälle hinnehmen: Baumjohann reißt sich erneut das Kreuzband, Langkamp verletzt sich im Training schwer. Nun soll Skjelbred kommen.

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Am Morgen hingen die Wolken schwer über dem Trainingsgelände von Hertha BSC. Der Sommer, er verabschiedet sich langsam, und er scheint all die guten Gefühle der Berliner aus den vergangenen sieben Wochen mitzunehmen. Denn dieser Dienstag war ein schmerzhafter für Hertha – ein Tag voller Unheil, der gleich drei Hiobsbotschaften brachte.

Zunächst war da die Gewissheit, dass sich Alexander Baumjohann erneut das vordere Kreuzband im rechten Knie gerissen hat. Der Mittelfeldspieler, der sich vor fast genau einem Jahr im Auswärtsspiel gegen den VfL Wolfsburg schon einmal die schwere Knieverletzung zugezogen und sieben Monate gefehlt hatte, war am Mittwoch im Training ohne Fremdeinwirkung im Rasen hängen geblieben. Zunächst hieß es, Baumjohann habe nur eine „leichte Zerrung“ erlitten. Eine genauere Diagnose sollte folgen. Wie „Bild“ berichtet, fuhr Baumjohann am Freitag zu Dr. Ulrich Boenisch nach Augsburg, und der Spezialist stellte den erneuten Kreuzbandriss fest.

„Das ist eine schlechte Nachricht für uns“, sagte Herthas Trainer Jos Luhukay. „Persönlich ist es für Alex das Schlimmste. Es ist das zweite Mal und für einen Fußballliebhaber wie ihn mental schwer zu verkraften“, so Luhukay. „Für uns alle ist das ein Schock. Wir können das noch gar nicht glauben“, sagte Kapitän Fabian Lustenberger. Als Luhukay am Dienstag vom Trainingsplatz schlich, hatte sich seine Miene noch einmal verfinstert, und tiefe Falten legten sich über seine Stirn. Dass er auf Baumjohann mindestens in den kommenden sechs Monaten wird verzichten müssen, hatte der Niederländer schon am Wochenende erfahren. Seiner Mannschaft teilte er es erst nach der Partie gegen Bremen (2:2) am Sonntag mit, um sie vor dem Saisonauftaktspiel nicht zu verunsichern.

Auch Ronny fehlt in Leverkusen

Doch für Luhukay und Hertha war es nicht die einzige schlechte Nachricht an diesem Tag. Wenige Augenblicke zuvor hatte ein Aufschrei den Schenckendorffplatz erschüttert: Sebastian Langkamp hatte sich im Training in einen Schuss von Julian Schieber geworfen und war mit dem linken Fuß umgeknickt. Der Innenverteidiger musste vom Feld getragen und mit Blaulicht ins Krankenhaus gefahren werden. „Und ihr sagt immer, wie hätten einen zu großen Kader“, grummelte Luhukay in Richtung der wartenden Journalisten. Langkamp wird mindestens vier Wochen ausfallen. Der 26-Jährige zog sich einen Außenbandanriss und eine knöcherne Randkanten-Absprengung im Fersenbein zu.

Innerhalb von nur drei Tagen muss Hertha somit drei schwere Rückschläge verkraften, denn auch der japanische Zugang Genki Haraguchi zog sich gegen Bremen eine Schultereckgelenk-Verletzung zu und wird den Blau-Weißen wochenlang fehlen. „Das ist grausam. In der ganzen Vorbereitung sind alle gesund geblieben, und nun fallen drei potenzielle Erste-Elf-Spieler aus“, sagte Luhukay. Darüber hinaus – und das passte zu diesem unheilvollen Tag für die Berliner – kam am Dienstagabend die Meldung, dass auch Ronny beim Auswärtsspiel gegen Leverkusen am Sonnabend fehlen wird. Der Brasilianer zog sich einen kleinen Muskelfaserriss im Hüftbereich zu und muss zehn Tage pausieren. Zudem hat sich Ersatztorwart Marius Gersbeck beim U23-Spiel verletzt. Der 19-Jährige wurde am Dienstag bereits am Meniskus operiert und wird ebenfalls lange ausfallen.

Nach lautlosen Wochen der Vorbereitung, da schon früh sieben neue Spieler verpflichtet werden konnten, beginnen jetzt für Herthas Manager Michael Preetz noch einmal turbulente Tage bis zum Ende der Transferperiode am Montag. Langkamps Verletzung – ebenso wie die von Haraguchi – kann der Kader zwar kompensieren. Für ebensolche Fälle hatte sich Hertha zur neuen Saison personell breiter aufgestellt. Zudem steht Lustenberger nach seiner Muskelverletzung, die ihn die komplette Rückrunde zur Pause zwang, vor dem Comeback. Doch im zentralen Mittelfeld wird nun dringend ein Ersatz für Baumjohann gesucht. Der erste Kandidat dafür ist Per Skjelbred.

Skjelbred soll kommen

Der Norweger hatte Baumjohann schon in der vergangenen Saison zusammen mit Tolga Cigerci gut vertreten, als ihn Preetz für ein Jahr vom Hamburger SV auslieh. Hertha versucht ohnehin seit Monaten, Skjelbred fest zu verpflichten. Zunächst wurden 750.000 Euro geboten und dann auf rund 1,2 Millionen Euro erhöht. Der HSV aber fordert eine Summe jenseits der Zwei-Millionen-Euro-Marke. Preetz wollte abwarten, um kurz vor Ende der Transferperiode einen neuen Versuch zu wagen, wenn der HSV Gefahr läuft, Skjelbred (Vertrag bis 2015) behalten zu müssen und im nächsten Jahr ablösefrei zu verlieren. Durch die Verletzung von Baumjohann ist die Verhandlungsposition für Preetz nun aber deutlich schlechter geworden. Der HSV weiß, dass Hertha dringend Bedarf hat und wird dementsprechend pokern.

Neben einem neuen Stürmer, den Hertha ebenfalls noch sucht, beginnt jetzt das Ringen um Skjelbred. Doch ein anderes Problem könnte sich vorerst lösen: Hany Mukhtar, 19, hat nunmehr doch noch Aussicht auf Spielpraxis bei Hertha. „Hany kann sich jetzt mehr Hoffnung auf Einsatzzeiten im zentralen Mittelfeld machen“, sagte Luhukay. Es war die einzige gute Nachricht für die Berliner an diesem Tag.