Bundesliga

Hertha BSC packt die Sehnsucht nach dem DFB-Pokal

Im Gegensatz zu Bayern oder Dortmund hat Hertha seine Saisoneröffnung im kleinen Amateurstadion gefeiert. Das passt zur Berliner Bescheidenheit. Doch einen Traum will sich Hertha endlich verwirklichen.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Groß und wuchtig steht das Olympiastadion im Hintergrund des kleinen Amateurstadions, in dem Hertha BSC seine offizielle Saisoneröffnung feierte. Am 6. Juni 2015 wird in der riesigen Arena vor über 70.000 Zuschauern das Finale der Champions League gespielt. Es geht dann um den bedeutendsten Titel, der für Klubmannschaften auf der Welt zu vergeben ist. Hertha ist allerdings nur Zaungast, wenn die besten Vereine Europas um die Königskrone kämpfen.

Doch so richtig traurig ist darüber bei den Blau-Weißen niemand mehr. Zu heftig waren die Tiefschläge der Abstiege in der Vergangenheit, zu zart sind die Knospen des aktuellen Erfolges. Das Gerede vom „schlafenden Riesen Hertha“, der nur wachgeküsst werden müsse, um dann wie selbstverständlich mit den Top-Vereinen des Kontinents mithalten zu können, scheint wie aus einer anderen Zeit. Daran lässt die Stimmung auf dem Fanfest keinen Zweifel. Die einstige Skandalnudel Hertha ist längst seriös geworden.

Amateurstadion statt große Arena

Es wirkt aber schon etwas seltsam, dass ausgerechnet in der mit Abstand größten Stadt Deutschlands die Saisoneröffnung im kleinen Stadion des Nachwuchses abgehalten wird, während Top-Teams wie Dortmund oder Bayern ihre Arenen dafür öffnen. Das Münchener Stadion war bei der Mannschaftspräsentation voll besetzt und bei der Borussia kamen fast 100.000 Anhänger zur Eröffnung.

In Berlin dagegen stehen sechs Fans mit übergroßen Fahnen auf dem Rasen des Amateurstadions, das mit schätzungsweise 5000 Hertha-Fans gefüllt ist, während ein Spieler nach dem anderen auf den Platz gerufen wird. Es ist dieser Gegensatz, der Michael Preetz sagen lässt: „Die Liga ist in der Spitze relativ weit weg von den Mannschaften dahinter. Aber unterhalb dieser Top-Teams ist sie sehr, sehr ausgeglichen. Das ist ein sehr enges Feld, in dem viele Mannschaften schauen müssen, dass sie eine gute Rolle spielen. Und das wollen wir im nächsten Jahr.“

Darum passt das Ambiente eines Familienfestes im Olympiapark mit insgesamt 28.000 blau-weißen Anhängern auch gut zur aktuellen Hertha. Ein konkretes Saisonziel hat der Klub sowieso nicht ausgegeben. Die Europapokalplätze sind zu weit weg und für Abstiegskampf der Kader im Prinzip zu gut besetzt. Trainer Jos Luhukay, der die Arbeit der Show vorzieht, verzichtet sowieso ganz gerne auf den großen Auftritt mit Konfettikanone. Der Niederländer winkte kurz, als er auf den Rasen läuft und sagte: „Ich bedanke mich, dass so viele Fans gekommen sind.“

Mehr Dauerkarten als im Vorjahr

Bei strahlendem Sonnenschein wehte der Geruch von Bratwürsten und Buletten hinüber auf die Ränge. Die Stimmung war ausgelassen. Von hohem Erwartungsdruck keine Spur. Das Wort Europapokal scheint bei den Hertha-Anhängern größtenteils auf dem Index zu stehen. Der Großteil machte den Anschein, mit einer Saison, die erneut die Abstiegsränge auf großem Sicherheitsabstand hält, mehr als zufrieden zu sein.

Dagegen kam der geringe Abstand zu den Profis im Amateurstadion sehr gut an. Beim kurzen Showtraining reichen ein paar gelungene Aktionen beim Schusstraining, um die Zuschauer zum Jauchzen zu bringen. Hertha zum Anfassen. Dafür sorgte auch die Autogrammstunde der ganzen Mannschaft danach, die bis zum Abend dauerte.

Trotz der realistischeren Erwartungshaltung ist die Vorfreude auf die neue Saison zu spüren, die am 23. August mit einem Heimspiel gegen Bremen beginnt. „Wir haben bereits jetzt 36.000 Karten für die Partie verkauft. Das ist für diesen Zeitpunkt ein sehr guter Wert“, sagte Finanz-Chef Ingo Schiller. Der Dauerkarten-Verkauf liegt schon über 1000 Tickets höher als zum vergleichbaren Tag im Vorjahr. 20.063 Saisontickets wurden in der letzten Saison verkauft. Mindestens diesen Wert möchte Schiller wieder verbuchen.

Preetz träumt vom Pokalfinale in Berlin

Wer wissen möchte, wie es um den Gemütszustand der Hertha-Fans bestellt ist, musste sich nur eine Szene auf dem Fanfest ansehen, als Manager Preetz auf einer kleinen Bühne über die Saisonziele sprach. „Ich halte es nicht so gerne mit vollmundigen Versprechungen“, sagte er. Noch bevor er den Satz komplett zu Ende sprechen konnte, wurde er mit großem Applaus von den Anhängern unterbrochen.

Wenn es eine Sehnsucht bei Hertha gibt, dann projiziert die sich nicht auf die Bundesliga, sondern auf den DFB-Pokal. Am 16. August starten die Berliner in der ersten Runde bei Viktoria Köln. „Bitte, bitte!“, flehte Preetz fast, als er gefragt wurde, ob Hertha in dieser Saison vielleicht wieder weiter als erste oder zweite Runde kommen würde. „Ich traue mich fast gar nicht mehr, darüber zu sprechen. Aber unser Ziel ist es, weiter zu kommen. Vielleicht sogar ganz weit. Denn das Finale im eigenen Stadion wäre automatisch ein Heimspiel.“ Im Gegensatz zum Champions-League-Endspiel nervt es im DFB-Pokal doch, als Zaungast immer nur vom Olympiapark hinüber zum großen Stadion zu schauen.