Hajime Hosogai war bewegt, Levan Kobiashvili war bewegt. Und Adrian Ramos verschlug es beinahe die Sprache. „Adrian hatte Sorge, dass er am Samstag im Olympiastadion zu den 77.000 Fans sprechen muss“, sagte Manager Michael Preetz auf der Hertha-Mitgliederversammlung in Messehalle 20. „Aber Adrian, jetzt komm nach vorn, hier musst du was sagen.“
Standing Ovations für den Stürmer aus Kolumbien, der mit 16 Saisontoren Herthas Bester in der vergangenen Saison war und nun zu Borussia Dortmund wechselt. „Vielen Dank, ihr habt mich in all den Jahren immer unterstützt“, sagte Ramos auf Deutsch, „ich werde für immer Herthaner bleiben.“ Levan Kobiashvili, der am vergangenen Wochenende seine Profikarriere beendet hat, sagte: „Ich bin sehr dankbar, dass ich vier Jahre das Trikot von Hertha tragen durfte.“ Hosogai war von seiner Ausbootung für die WM in Brasilien total überrascht worden. „Mich hat niemand informiert, ich habe es aus den Medien erfahren“, sagte Hosogai. Die Hertha-Fans spendeten dem Mittelfeldspieler lautstarken Trost.
Ein Projekt aus der Fanszene wurde mit überwältigender Mehrheit von den 1418 stimmberechtigten Mitgliedern angenommen. Seit Montagabend ist als Vereinsemblem „Fahne pur“ in der Satzung verankert. Die Hürde einer Dreiviertel-Mehrheit wurde bei nur neun Gegenstimmen locker übersprungen.
Schillers Vertrag wird verlängert
Manager Michael Preetz skizzierte die abgelaufene Saison, die der Aufsteiger auf Rang elf abgeschlossen hatte. „Wir dürfen zufrieden sein. Wir sind aber nicht selbstzufrieden.“ Vor allem schaute Preetz nach vorn: „Wir müssen uns in allen drei Mannschaftsteilen verstärken.“ Der Abgang von Ramos soll genutzt werden, um künftig insgesamt torgefährlicher zu werden. Mit dem derzeit an den HSV ausgeliehenen „Pierre-Michel Lasogga bekommen wir einen echten Torjäger mit viel Qualität zurück“, sagte Preetz. Mit Jens Hegeler (von Bayer Leverkusen) hat Hertha „einen fertigen Bundesliga-Spieler verpflichtet, der vielseitig einsetzbar ist.
Preetz freute sich über die neuen Möglichkeiten, die durch den Einstieg von Finanzinvestor KKR im Januar möglich geworden sind. Gleichzeit betonte Preetz: „An unserer bisherigen Strategie, auf die Nachwuchsarbeit zu setzen, werden wir weiter festhalten.“
Etwas unklar war die Anmoderation der Wahlen zum Aufsichtsrat. Präsidiumsmitglied Ingmar Pering sagte, ein Kandidat habe ein Problem, weil das Hertha-Mitglied, das ihn vorgeschlagen hat, im Nachhinein seinen Vorschlag zurückgezogen habe. Pering nannte keine Namen. Nach Morgenpost-Informationen geht es um Jörg Thomas. Der wurde zur Wahl vorgeschlagen von Erich Beer, der seinen Vorschlag dann zurücknahm. Um juristische Komplikationen zu vermeiden, durfte Thomas an der Abstimmung teilnehmen.
Das erwartet Hertha in der kommenden Saison
Im ersten Wahlgang erhielten der Aufsichtsratsvorsitzende Bernd Schiphorst (1064), Andreas Schmidt (1057), Torsten-Jörn Klein (787) und Scott Körber (863) die erforderlichen mindestens 50 Prozent der Stimmen.
Präsident Werner Gegenbauer gab bekannt, dass das Präsidium den Vertrag mit Ingo Schiller, dem Geschäftsführer Finanzen, vorzeitig bis Juni 2018 verlängert hat. Schiller konnte nach dem Einstieg von Finanzinvestor KKR im Januar zum ersten Mal seit Jahren einen Haushalt mit veränderter Struktur präsentieren. Für die Saison 2014/15 rechnet Hertha BSC mit Einnahmen von 81 Millionen und Ausgaben von 80,7 Millionen Euro.
Bei der Planung ist Hertha von folgenden Prämissen ausgegangen: Dass in der kommenden Saison 40 Punkte geholt, im DFB-Pokal zwei Runden gespielt werden. Der Zuschauer-Schnitt im Olympiastadion ist mit 47.500 angesetzt. Größte Posten bei den Einnahmen sind 26,7 Millionen aus dem Spielbetrieb sowie 23,5 Millionen aus dem TV/Radio-Bereich. An diesem Posten würde sich für den Fall etwas ändern, dass der Hamburger SV in der Relegation gegen Greuther Fürth scheitert. Dann würde Hertha in der TV-Geldrangliste von Platz 16 einen Platz nach oben klettern. Das würde weitere 1,3 Millionen Euro in die Kasse bringen. Erstmals seit Jahren hat Hertha mit Transfereinnahmen geplant. Zwölf Millionen sind in den Haushalt eingestellt, die zum Großteil durch den Verkauf von Ramos an Dortmund hereinkommen.
Auch die Konkurrenz investiert
Bei den Ausgaben investiert Hertha vor allem ins Personal. Hier sind für die kommende Spielzeit 36,9 Millionen Euro vorgesehen, davon 31 Millionen für den Lizenzspieler-Kader. So viel Geld hat Hertha noch nie für kickendes Personal vorgehalten. „Dieser Etat versetzt uns hoffentlich in die Lage, unser Ziel, die Etablierung in der Bundesliga, zu erreichen“, sagte Schiller. Gleichzeitig warnt er vor überhöhten Erwartungen. Auch die Konkurrenz investiert. Im Liga-Vergleich liegt Hertha mit diesem Personal-Etat zwischen Rang 12 und 15.





