Bundesliga

Ende des Heimfluchs - Youngster Brooks erlöst Hertha

Mit einem 2:0 gegen Braunschweig ist Hertha der erste Heimsieg des Jahres gelungen - dank John Brooks. Die Berliner sind endlich den Makel los, das schlechteste Team der Rückrunde zu sein.

Foto: TOBIAS SCHWARZ / REUTERS

Die Choreographie war bunt und wuchtig. Der Slogan dazu bittersüß. „Berliner Sorgenkind, geboren am 25. Juli“ stand in großen Lettern über der Ostkurve zu lesen. Darunter prangte das Enblem von Hertha BSC, bekanntlich gegründet am 25. Juli 1892. Eine Halbzeit lang präsentierte sich Hertha den eigenen Zuschauern in der Tat als Sorgenkind, dann war der Bann gebrochen. 2:0 (0:0) gewannen die Berliner gegen Eintracht Braunschweig durch Tore von John Brooks (61.) und Sami Allagui (77.). Damit wurden die Blau-Weißen endlich den Makel los, nach zuvor acht Partien ohne Sieg das schlechteste Team der Rückrunde zu sein. Außerdem gelang Hertha im siebten Anlauf der erste Heimerfolg im Jahr 2014.

Im Mittelpunkt stand Brooks. Der Youngster brachte Hertha in einem lange Zeit offenen Spiel vor 51.953 Besuchern auf die Siegerstraße. Nach einer Serie von Ecken nutzte Brooks einen Patzer von Eintracht-Torwart Daniel Davari, der den Ball beim Herauslaufen verfehlte. Die Braunschweiger Innenverteidigung war einen Moment konsterniert, eiskalt schaufelte Brooks den Ball um zwei Gegenspieler herum unter die Latte, 1:0 (61.). Großer Jubel in der Ostkurve, auf die Brooks sofort zulief.

Im Anschluss rannte Brooks an den Mitspielern vorbei hin zur Bank und zelebrierte mit Änis Ben-Hatira mit ausgebreiteten Armen eine Art Adler-Gang. Es gibt das Gerücht, dass das Tattoo, das Brooks sich zur Unzeit während der laufenden Saison auf dem Rücken stechen lässt, ein großer grüner Adler sei. Vor zwei Wochen noch hatte Trainer Jos Luhukay Brooks aussortiert, weil der als Folge seiner schmerzhaften Tattoositzungen nicht ordentlich in Form war. Am vergangenen Sonnabend in Augsburg (0:0) war der 21-Jährige unmittelbar vor dem Anpfiff für den verletzten Fabian Lustenberger in die Startelf gerutscht.

Brooks hofft noch auf sein WM-Ticket

Gegen Braunschweig schloss Brooks nahtlos an seine seriöse Vorstellung in Augsburg an. In den 180 Minuten, in denen er in der Innenverteidigung stand, spielte Hertha zwei Mal zu Null. Nun zelebrierte Brooks mit ausgebreiteten Adler-Schwingen sein zweites Saisontor. Erleichtert reagierte Luhukay: „John Brooks mit seinem Tor hat das Spiel für uns gekippt.“

Nach dem Abpfiff wollte Brooks, der auf sein WM-Ticket für die USA hofft, vor keine TV-Kamera. Dafür sprach sein Verteidigungspartner Sebastian Langkamp: „Da sieht man mal, wie schnelllebig Fußball ist. In einer Woche ist man der Depp, in der nächsten der Star.“

Braunschweig, als Tabellenletzter angereist, musste nach dem Rückstand nun mehr riskieren. Wie immer, wenn der Gegner versucht Druck aufzubauen, kommt Hertha besser ins Spiel. So war es auch an diesem 32. Bundesliga-Spieltag. Braunschweig hätte den Relegationsplatz erobern können. Entsprechend weit orientierte sich die Eintracht nach vorn. Folge: Die Berliner hatten das, was sie am liebsten haben – Platz zum Kontern. Einen dieser gefährlichen Angriffe schloss der eingewechselte Adrian Ramos mit einem 16-Meter-Schuss ab. Der Ball wurde abgefälscht, Torwart Davari konnte nur mit dem Fuss parieren, der Ball sprang Sami Allagui vor die Füße, der den Abpraller aus zehn Metern flach einschob, 2:0, das neunte Tor des Angreifers (77.).

Damit war die Begegnung entschieden. Auch wenn sich in der Schlussminute Torwart Thomas Kraft und Peter Niemeyer noch ein erregtes Wortduell im eigenen Strafraum lieferten. Der aufgebrachte Kraft monierte, bei einer Kumbela-Chance hätte Niemeyer nicht ordentlich verteidigt. Das ließ sich der Ex-Kapitän nicht gefallen, ein Wort gab das nächste. Die Szene erinnerte an die jüngste Auseinandersetzung in Dortmund zwischen Torwart Roman Weidenfeller und Marco Reus.

Baumjohann in der Startelf

Ein Ärgernis hingegen war die erste Hälfte. Da sah es aus, als ob sich wie in der Vorsaison zwei Zweitligisten gegenüber standen. Braunschweig, eigentlich zur Offensive verdammt, riskierte nichts. Die Hausherren fanden keine Mittel gegen das Abwehr-Bollwerk der Eintracht. Einzige Ausnahme war Alexander Baumjohann, der erstmals seit seinem Kreuzbandriss im August 2013 wieder in der Hertha-Startelf stand. Baumjohann spielte Allagui frei, der in Bedrängnis den Ball aus zwei (!) Metern nicht über die Linie brachte (25.). „Ich weiß nicht, was da passiert ist“, sagte Allagui, „der Abwehrspieler hat noch einen Fuß dazwischen bekommen.“

Unmittelbar vor der Pause scheiterte Baumjohann an Torwart Davari. Die Gäste hatten ihre besten Gelegenheiten kurz nach der Pause. Da klärte Torwart Kraft energisch gegen Kumbela (49.) und gegen Karim Bellarabi (50.). Eintracht-Trainer Torsten Lieberknecht: „Die erste Halbzeit, das war zu wenig. Die Mannschaft hat in der zweiten Hälfte eine Reaktion gezeigt. Da hatten wir gute Chancen. Unser Kopf bleibt oben.“

Hertha trifft in den beiden letzten Saisonspielen auf Werder Bremen (auswärts) und Borussia Dortmund (heim).