Bundesliga

Hany Mukhtar wird verlängern, aber Hertha verlassen

Um sich zu entwickeln, muss der 19 Jahre alte Hany Mukhtar spielen. In Berlin war das zuletzt kaum möglich. Doch Hertha will ihn unbedingt halten. Deshalb wird jetzt eine kreative Lösung gefunden.

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Woran es gelegen hat, wenn Hertha in dieser Saison gewonnen oder verloren hat, weiß Hany Mukhtar immer genau. Der 19-Jährige arbeitet neben seiner Hauptbeschäftigung – ein hoffnungsvolles Mittelfeldtalent zu sein – in der Geschäftsstelle des Aufsteigers. Bei Videoanalysen und Spielauswertungen hilft er vornehmlich mit.

Ein Praktikum ist das, Teil des Fachabiturs, das Mukhtar ablegt. Der schulische Part ist geschafft. Der praktische wird bei Hertha erbracht. Sieben Monate noch, ein paar Stunden in der Woche.

Bei den Videosichtungen allerdings wird Mukhtar aufgefallen sein, dass er seine eigene Leistung dabei nur selten begutachten konnte. Meist saß er in dieser Saison auf der Bank, manchmal auch auf der Tribüne. Auf nur acht Einsätze kam er – ein einziger von Beginn an. Insgesamt stand er nur 203 Minuten auf dem Feld.

Nur 203 Minuten Einsatzzeit in dieser Saison

Vor der vergangenen Zweitliga-Spielzeit übersprang der damals 17 Jahre alte und 1,71 Meter kleine B-Jugend-Kapitän zwei Nachwuchsteams und rückte sofort in den Profikadern von Trainer Jos Luhukay auf. Eine Saison der Eingewöhnung sollte es sein. Sieben Kurzeinsätze wurden es.

Im zweiten Jahr hoffte Mukhtar auf mehr Spielanteile. Doch er musste feststellen, dass das Erwachsenwerden im Profigeschäft so seine Schwierigkeiten birgt.

„Es ist einfacher, in die Mannschaft zu kommen, als sich dort festzubeißen und Stammspieler zu werden“, sagt Mukhtar. „Der nächste Schritt ist der schwere.“ Er habe lernen müssen, das Spiel schneller zu lesen, sich einzufügen in eine Teamformation und robustere Zweikämpfe zu führen.

Luhukay, der seine eigene Profikarriere im niederländischen Venlo einst selbst als schmalschultriger 17-Jähriger begann, helfe ihm dabei. „Ich schätze sehr, dass er meine Defizite klar anspricht“, sagt Mukhtar. „Geschenke verteilt er nicht.“

Weiterentwicklung durch Spielpraxis

Luhukay hatte die Hauptaufgabe, sein Team in der Liga zu etablieren, und für Mukhtar war da selten Platz. Das hat den deutschen U19-Nationalspieler zum Nachdenken gebracht. Sein Vertrag bei Hertha läuft nur noch ein Jahr bis zum Sommer 2015. Die Berliner würden gern verlängern. Doch Mukhtar zögert, weil er befürchtet, auch in der kommenden Saison oft nur Zuschauer zu sein.

Das Wichtigste für seine eigene Weiterentwicklung sei, dass er spiele, sagt Mukhtar. „Wenn ich schon reif genug bin, dass ich sage: Ich setze mich hier durch. Dann bleibe ich gern in Berlin. Hier sind meine Freunde, meine Familie. Wenn es nicht klappt, muss man sich natürlich Gedanken machen.“

Gedanken machen sie sich auch bei Hertha über Mukhtar. Im Klub gilt der Sohn eines sudanesischen Chemieprofessors und einer deutschen Angestellten als Kronprinz auf die Königsposition des Spielgestalters. „Wir wollen mit Hany verlängern und dass er sich weiterentwickelt“, sagt Herthas Manager Michael Preetz.

Greuther Fürth ist interessiert

Die Gespräche laufen. „Am besten wäre es für ihn, wenn er bei uns spielt“, sagt Preetz und weiß gleichermaßen, dass dies in der kommenden Saison nicht unbedingt einfacher werden wird als in dieser. Und deshalb gibt es bei Hertha ebenso wie auf Mukhtars Seite nun ein anderes Ziel: „Manchmal ist auch ein Zwischenschritt eine gute Lösung“, sagt Preetz vieldeutig.

Beide Seiten, Hertha und Mukhtars Berater, wollen eine Vertragsverlängerung. Aktuell geht es um die Konditionen, und da gibt es noch Differenzen. Doch in der kommenden Woche wird nach Morgenpost-Informationen voraussichtlich Vollzug vermeldet. Mukhtar wird bei Hertha verlängern, um dann für eine Saison ausgeliehen zu werden. So wollen es beide Seiten.

Ein ambitionierter Zweitligist soll es werden, bei dem Mukhtar Spielpraxis sammeln kann. Steigt Greuther Fürth wider Erwarten nicht auf, wären die Franken im Rennen. Sie haben sich bereits nach Mukhtar erkundigt und schätzen den wendigen Mittelfeldspieler.

Ein Jahr in der Zweiten Liga

Ein Erstligist oder ein Klub im Ausland sind eher unwahrscheinlich. Die Entscheidung soll noch vor Ende dieser Spielzeit fallen, weil die Saison der Zweiten Liga Anfang August drei Wochen vor derjenigen der Bundesliga beginnt und Mukhtar die Vorbereitung beim neuen Klub absolvieren muss, um gute Chancen auf einen Stammplatz zu haben.

Sich zunächst bei Hertha vorzubereiten, um erst am Ende der Transferperiode im August zu wechseln, wenn sich herausstellen sollte, dass es in Berlin nur zum Mitläufer reichen wird, käme für Mukhtar zu spät.

Noch sagt er: „Am besten wäre es, würde ich nächstes Jahr bei Hertha Stammspieler werden. Es hängt von mir ab, ob ich das schaffe.“ Doch Hany Mukhtar wird aller Wahrscheinlichkeit nach den Umweg über die Zweite Liga nehmen. Die Videoanalysen müssen dann erst einmal andere machen.