Berlin vs. Bayern

Als Herthas Michael Preetz im Unterhemd feierte

Wenn die Bayern zu Hertha ins Olympiastadion kommen, gibt es oft großes Kino. Als Aufsteiger gelang den Berlinern einst die Sensation gegen den Deutschen Meister. Es folgten aber auch herbe Pleiten.

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Michael Preetz trat halb nackt vor die Kamera. Der Stürmer hatte eben sein Trikot in die Ostkurve geschmissen, wo die Hertha-Anhänger den 2:1-Sieg gegen den FC Bayern besangen. Und nun sprach er im Unterhemd. „Heute haben es sich die Fans verdient, endlich mal ein Trikot zu kriegen“, sagte Preetz. „Der Verein ist da ja sonst immer etwas knickrig.“

Preetz war dafür verantwortlich, dass der Berliner Bundesliga-Aufsteiger eine Sensation gegen den Deutschen Meister schaffte: Er erzielte das 1:0 und bereitete das 2:0 von Ante Covic vor.

Dem Kapitän war es auch zu verdanken, dass den knapp 76.000 Zuschauern im Olympiastadion im ersten Spiel gegen die Münchner nach dem Wiederaufstieg 1997 großes Kino geboten wurde. Denn sieben Minuten vor Abpfiff köpfte Preetz den Ball ins eigene Tor, was die Bayern um Lothar Matthäus und Mario Basler noch einmal zu wütenden Angriffen animierte.

Weil es am Ende aber für den ersten Sieg gegen die Münchner seit 20 Jahren reichte, gab es nach Abpfiff einen freundlichen Tritt in den Hintern von Kollege Andreas Thom.

Oft konnten die Berliner Paroli bieten

Preetz wird sich gern an jenen 23. Spieltag der Saison 1997/98 erinnern. Heute ist der 46-Jährige Manager bei Hertha BSC, und knickrig ist man mittlerweile nicht mehr mit den Trikotgeschenken.

Seit dieser Partie am 14. Februar 1998 gastierte der FC Bayern 13 Mal in der Bundesliga im Olympiastadion. Nach fast zwei Drittel der Partien gingen die Berliner Zuschauer glücklich nach Hause, denn Hertha verlor acht Mal nicht.

Und dann war da ja auch die Wiederholung der Sensation, als Hertha neun Monate nach dem 2:1 wiederum die Bayern bezwang (1:0) – diesmal sogar in Unterzahl und wieder durch ein Preetz-Tor.

Die Bayern schimpften: „Armutszeugnis für den Fußball“

Da war auch der Jubel nach dem 2:1-Erfolg 2001, als die Blau-Weißen einen 0:1-Rückstand durch Tore von Andreas Neuendorf und Pal Dardai aufholten, und das Stadion „Zieht den Bayern die Lederhosen aus“ sang. Der bisher letzte Sieg liegt fünf Jahre zurück (2:1 im Februar 2009).

Doppeltorschütze Andrey Voronin brachte die Bayern zur Verzweiflung, die danach schimpften, dies sei ein „Armutszeugnis für den Fußball“, weil Hertha den Sieg ermauerte.

Dazwischen und danach aber setzte es oft auch heftige Pleiten: Das 3:6 im Mai 2003 unter Trainer Huub Stevens. Und nicht zu vergessen das 0:6 am 26. Spieltag 2011/12, als Hertha schon nach 19 Minuten 0:3 hinten lag.

Es sollte das bisher letzte Aufeinandertreffen im Olympiastadion sein. Beim allerersten in der Bundesliga hoffte Hertha in der Saison 1968/69 nach einem frühen Tor von Franz Brungs auf den Sieg. Dann kam Gerd Müller, traf zwei Mal, und am Ende hieß es 1:2. Ein Unterhemd trug er damals vermutlich auch.