Bundesliga

Für Hertha wurde das Spiel in Mönchengladbach zur Lehrstunde

Die Berliner waren chancenlos beim 0:3 in Mönchengladbach. Im Laufe der ersten Hälfte lief schief, was schieflaufen konnte. Und Ramos traf diesmal ins eigene Tor.

Foto: Juergen Schwarz / Bongarts/Getty Images

Ronny trennt sich blitzschnell vom Ball und passt auf die rechte Seite hinaus. Dort geht Adrian Ramos, nimmt den Kopf hoch, schaut und flankt in die Mitte. Änis Ben-Hatira löst sich im rechten Moment vom Gegenspieler – und dann beginnt das Hertha-Drama. 20 Minuten sind gespielt, 0:0 zeigt die Videotafel im Borussia-Park, der Berliner muss aus elf Metern nur den Ball ins Tor drücken.

Doch Ben-Hatira schiebt den Ball am rechten Pfosten vorbei. Leichtfertig gibt Hertha die Chance weg, eine Überraschung in die Wege zu leiten. Stattdessen zahlt der Aufsteiger Lehrgeld. 0:3 (0:3) unterliegt Hertha bei Borussia Mönchengladbach.

Nach zwei Saisondritteln holt die Berliner ein, was sie bisher vermeiden konnten: eine kleine Krise. Aus den vergangenen vier Partien wurden zwei Punkte geholt. Damit haben sich auch die letzten Spekulationen in Richtung Europa League erledigt. Hertha muss froh sein über die bisher erreichten 36 Zähler, die derzeit Rang neun bedeuten.

Gladbach hingegen hat den Anschluss an die Champions-League-Ränge geschafft. „Wenn wir 1:0 in Führung gehen, läuft das Spiel vielleicht anders“, sagte Hertha-Trainer Jos Luhukay. „Aber wir sind für unsere Fehler im Abwehrverband brutal bestraft worden. Wir stoßen im Moment an unsere Grenzen.“

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Den Gastgebern reichen zwölf Minuten, um die Unterschiede zu zeigen. Drei Chancen erarbeiteten sich die Borussen in der ersten Hälfte, alle drei endeten im Hertha-Netz. Zunächst lief der schnelle Patrick Herrmann auf der linken Seite Johannes van den Bergh davon, Dessen Vorlage quer durch den Hertha-Strafraum nahm Juan Arango, wuchtig schlug es im Hertha-Eck ein, 0:1 (28.).

Eine Führung, die sich bis dahin nicht abgezeichnet hatte. Hertha hatte mutig nach vorn verteidigt. Die Ausrichtung war offensiv. Trainer Jos Luhukay hatte sich für Ben-Hatira, Adrian Ramos, Sami Allagui und Ronny entschieden. Somit stieg das erste Bruder-Duell zweier Brasilianer in der Bundesliga. Raffael umarmte bei der Begrüßung Ronny.

Im Laufe der ersten Hälfte lief dann schief, was schieflaufen kann. Bei einem Gladbacher Freistoß half Adrian Ramos im eigenen Strafraum aus. Statt die Situation zu klären, köpfte der Hertha-Torjäger den Ball aufs eigene Tor, vorbei an Torwart Thomas Kraft, 0:2 (32.).

Für Hertha wiederholte sich Negativerlebnis

Nun waren die Berliner geschockt. Die Sicherheit der Anfangsphase war dahin. Stattdessen ließ sich das Mittelfeld mit einer einfachen Kombination überspielen. Dann kam es zum Laufduell zwischen Raffael und Peter Niemeyer. In dem, wenig überraschend, der Gladbacher den Sieg davontrug, den Ball über den herausstürzenden Torwart Kraft hinweghob, 0:3 (40.). Raffael, der von 2008 bis 2012 das Hertha-Trikot getragen hatte, jubelte nur verhalten.

Für Hertha wiederholte sich damit das Negativerlebnis des vorangegangenen Spiels. Dort hatten Hannover 96 drei Schüsse für drei Tore gereicht.

Mit den schlechten Nachrichten war immer noch nicht Schluss. Sebastian Langkamp kassierte Mitte der zweiten Hälfte nach einem Foul an Raffael eine Gelbe Karte. Es war seine fünfte. Somit fehlt Herthas stabilster Innenverteidiger dieser Saison am Dienstag, wenn Bayern München im Olympiastadion gastiert. Ein bitterer Ausfall, da auch Kapitän Fabian Lustenberger nach einer Muskelverletzung nicht einsatzfähig ist.

Nun taktierte Trainer Luhukay mit Blick auf die kommenden Aufgaben am Dienstag sowie am kommenden Freitag beim FC Schalke. Der klare Rückstand in Gladbach wurde als zehnte Saisonniederlage abgebucht. Dauerläufer Hajime Hosogai, ebenfalls mit vier Gelben vorbelastet, wurde vom Platz geholt (68.). Erstmals in diesem Jahr durfte Christoph Janker Einsatzzeit sammeln.

Jos Luhukay schonte Ramos

Ramos nahm nach 73 Minuten Platz auf der Bank, in der verbleibenden Spielzeit war Sandro Wagner unterwegs. Für die Zuschauer wurde fast nichts mehr geboten. Martin Stranzl setzte einen Kopfball an den Außenpfosten von Hertha (52.). Auf der anderen Seite hatte Sami Allagui eine gute Gelegenheit, sein Schuss aus spitzem Winkel ging jedoch deutlich am langen Pfosten vorbei (69.).

Somit bleibt aus Chronistenpflicht nur ein Statement von Michael Preetz nachzutragen. Der Hertha-Manager sagte, dass die Personalie Adrian Ramos nach wie vor offen sei. „Wir versuchen alles, dass Adrian bei uns verlängert. Hier ist er ein Fixpunkt in der Mannschaft und bei jedem Spiel gesetzt.“ Bekanntlich sind diverse Topklubs, die mit Champions-League-Ambitionen locken, am Kolumbianer dran, allen voran Borussia Dortmund.

Peter Pekarik, der erstmals Hertha-Kapitän war, sagte: „Ich habe mir meinen Einstand mit einem besseren Ergebnis vorgestellt. Wir müssen das schnell abhaken.“ Ronny sagte: „Gladbach hat verdient gewonnen. Raffael hat ein gutes Spiel gemacht.“