Gegen Hamburger SV

Hertha BSC hofft auf die Rückkehr von Tolga Cigerci

Fast drei Wochen musste der Mittelfeldakteur pausieren. Ohne ihn verlor Hertha beide Spiele der Rückrunde. Ein Beweis dafür, dass Tolga Cigerci für Hertha inzwischen unverzichtbar ist?

Foto: Uwe Anspach / dpa

Tolga Cigerci ist ein modebewusster Typ. Berlin, sagt der Mittelfeldspieler von Hertha BSC, gefalle ihm besonders wegen der tollen Shoppingmöglichkeiten. Sein neuestes Accessoire kommt allerdings nicht aus einer Boutique am Kurfürstendamm, sondern dem Hause Hertha. Physiotherapeut David de Mel griff kürzlich zur Schere – und schnitt einen akkuraten V-Ausschnitt in die Ferse von Cigercis Fußballschuh.

Das hatte Stil. Dank der eigenwilligen Kreation kann der 21-Jährige seit dieser Woche wieder im Mannschaftstraining mitmischen. Eine Verletzung an der Achillessehne, zugezogen im Trainingslager in Belek, hatte Cigerci fast drei Wochen außer Gefecht gesetzt. „Der neue Schuh nimmt den Druck von der Sehne“, erklärt Cigerci, der sich körperlich wieder bei „80 bis 90 Prozent“ fühlt.

Kleider machen bekanntermaßen Leute, und im Fall von Cigerci können sie sogar die Leistung eines ganzen Fußballteams ausmachen. „Ich hoffe, dass Tolga gegen Hamburg wieder im Kader steht und vielleicht sogar mitspielen kann“, sagt Trainer Jos Luhukay. „Wir haben ihn schmerzlich vermisst.“

Schwache Bilanz ohne Cigerci

Ohne den Deutsch-Türken verlor Hertha in der Rückrunde beide Spiele und rutschte von Platz sechs auf acht ab. „Quatsch“, antwortet Cigerci auf die Frage, ob das an seinem Ausfall lag: „Wir haben ja genug Chancen erspielt.“

Und doch wurde gegen Eintracht Frankfurt (0:1) und den 1. FC Nürnberg (1:3) deutlich, woran es fehlte: dem schnellen Umschalten von Abwehr auf Angriff, das der Aufsteiger in der Hinrunde über Strecken wunderbar zelebrierte und an dem Cigerci mit seiner Dynamik und Laufstärke maßgeblich beteiligt war.

„Tolga hat sich in der Hinrunde von Woche zu Woche gesteigert“, lobt Luhukay, „er hat eine sehr gute Spielübersicht und ist zum Denker und Lenker zwischen Angriff und Abwehr geworden.“

Eine flexible Lösung – und bezahlbar

Anders gesagt: Cigerci ist bei Hertha nicht mehr wegzudenken. Als er sich an einem regnerischen Septembertag 2013 mit einem schnörkellosen „So, da bin ich“ in Berlin vorstellte, war das nicht zu erahnen. Wegen des Ausfalls von Mittelfeldregisseur Alexander Baumjohann hatte Hertha kurzfristig reagiert. Eine flexible und vor allem bezahlbare Lösung sollte es sein.

Für den VfL Wolfsburg hatte Cigerci in der Saison bis dahin noch gar nicht gespielt. Mit den Niedersachsen holte er 2011 zwar die deutsche A-Jugendmeisterschaft, doch nach einem Wechsel zu Borussia Mönchengladbach kam er nur wenig zum Zug.

Erst in Berlin hat Cigerci sein Potenzial entfaltet. Spielte er, holten die Berliner pro Partie durchschnittlich 0,6 Punkte mehr. Ligaweit gehört er zu den fleißigsten Läufern. Nach Trainingsende legt er regelmäßig Extra-Schichten ein. Nicht umsonst ist es der Brasilianer Ronny, dem er den Platz im Mittelfeld streitig gemacht hat.

Leihvertrag bis zum Sommer

„Man muss immer ein bisschen mehr tun und darf sich auf nichts ausruhen“, findet Cigerci, der stets gleichermaßen selbstbewusst und bescheiden auftritt. Seine Art passt ins Profil des Hauptstadtklubs, der ohne echte Stars, sondern über die Geschlossenheit kommt. Gekrönt wurde Cigercis Engagement am 15. Spieltag in Braunschweig mit dem ersten Bundesligator.

Bis zum Sommer läuft der Leihvertrag mit den Wolfsburgern, für eine Million Euro könnte Hertha die Kaufoption ziehen. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist hoch. Eine Verpflichtung würde den Berlinern gut zu Gesicht stehen. Genau wie drei Punkte gegen den HSV. „Sie haben Druck, das müssen wir ausnutzen“, sagt Cigerci, der keinen Druck verspürt. Zumindest an der Achillessehne. Sollte er am Sonnabend auflaufen dürfen, will er wieder zum speziellen Schuhdesign greifen.