Bundesliga

Hertha BSC tappt gegen Nürnberg in die Abseitsfalle

Aufsteiger Hertha BSC ärgert sich nach dem 1:3 gegen Nürnberg über Schiedsrichter Weiners umstrittene Entscheidung: Ronny trifft, doch Ramos steht im Abseits. Das Tor wird aberkannt.

Foto: Bongarts/Getty Images

Zumindest der Sportsgeist war bei Hertha nach dem Abpfiff im Olympiastadion noch intakt. Marcel Ndjeng streckte Schiedsrichter Michael Weiner die Hand hin, ebenso Sandro Wagner. Schließlich hatte der Unparteiische mit seinen Entscheidungen in den Schlussminuten dafür gesorgt, dass Hertha BSC sein Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg mit 1:3 (1:1) verlor.

Nach einer ohnehin schwachen Spielleitung geriet Weiner in der 90. Minute ins Schwimmen. Ronny hatte mit einem Geniestreich eine Fußabwehr von Nürnbergs Torwart Raphael Schäfer volley genommen. Der Ball segelte über den Schlussmann hinweg und senkte sich unmittelbar vor der Latte. Dort faustete Verteidiger Ondrej Petrak den Ball heraus, den Abpraller jagte Hertha-Torjäger Adrian Ramos ins Netz – Riesenjubel. Mannschaft und Fans waren der Meinung, Hertha habe zum 2:2 ausgeglichen. Weiner rannte in die Traube, zeigte auf Petrak und zückte die Rote Karte. Und zeigte auf den Elfmeterpunkt.

Konfusion um Ramos’ Abseits

Nun schaltete sich der Schiedsrichter-Assistent, Norbert Grudzinski, ein. Weiner zog sich zu einer längeren Beratung zurück. Und verwandelte mit seiner Entscheidung das Olympiastadion in ein Tollhaus. Weiner nahm den Platzverweis zurück, Petrag blieb auf dem Platz. Hertha erhielt weder ein Tor noch einen Elfmeter – sondern einen Freistoß gegen sich. Wütende Proteste. Ramos äußerte sich sogar auf Deutsch: „Der Schiedsrichter hat gesagt, ich hätte Foul gegen Schäfer gemacht.“ Schäfer hingegen sagte: „Es war Abseits von Ramos.“

Nun ist es in der Tat so, dass Ramos in dem Moment, als Ronny aus 30 Metern schoss, im Abseits stand. Doch der Kolumbianer griff nicht ins Spiel ein, sondern kreuzte den Weg mit Schäfer, der sich ins Tor zurückorientierte. Allerdings war der Ball zu diesem Zeitpunkt längst über Schäfer hinweggeflogen. Auf der Linie versuchten Pinola und Petrag den ankommenden Ball abzuwehren.

Die Konfusion setzte sich nach dem Spiel fort. Wagner sagte: „Im Spiel hat der Schiedsrichter gesagt, es war Abseits. Nach dem Spiel hat er mir gesagt, dass es Foul an Schäfer gewesen sei.“ Per Skjelbred war außer sich: „Keine Ahnung, was der Schiedsrichter gemacht hat. Erst entscheidet er auf Tor und Rote Karte. Dann auf Rote Karte und Elfmeter. Dann auf Abseits. Und am Ende sagt er, es war ein Foul.“

Preetz schaute sich die Szene nach dem Ende gemeinsam mit Nürnbergs Trainer Gertjan Verbeek an. „Ich habe es gesehen wie alle: Rot und Elfmeter“, sagte Preetz. „Schiedsrichter Weiner hat seine Entscheidung direkt getroffen, dann hat der Linienrichter eingegriffen mit seiner sehr exklusiven Sicht auf die Dinge.“

Etwas später, in der Ruhe der Kabine erklärte Schiedsrichter Weiner seine Entscheidung dem Fernsehsender Sky: „Wenn der Spieler im Abseits einen Zweikampf mit einem gegnerischen Spieler bestreitet, ist zwingend auf Abseits zu entscheiden.“ Damit hat Weiner das Kreuzen des Laufweges zwischen Ramos und Schäfer als Zweikampf bewertet – obwohl beide Akteure in dem Moment nicht ins Spiel eingriffen.

In der Nachspielzeit führte Marcel Ndjeng einen ungeschickten Zweikampf gegen Nürnbergs Daniel Ginczek – Elfmeter. 1:3 durch Josip Drmic 1:3 (90.+4). Hertha-Trainer Jos Luhukay war enttäuscht: „Das Schiedsrichter-Gespann soll das Spiel leiten, aber nicht zum Hauptdarsteller werden.“ Gäste-Coach Verbeek bekannte, dass die Gäste Glück hatten: „Man muss ehrlich sein. Der Schiedsrichter hätte auch auf Rot und Elfmeter entscheiden können.“

Dabei hatte es anderthalb Stunden zuvor ganz andere Themen gegeben. Die Ostkurve reagierte skeptisch auf den Einstieg des Privat-Equity-Finanzunternehmens KKR bei Hertha. Auf Spruchbändern hieß es dort: „Ein wunderbarer Tag für alle Herthaner??“ und „Partner von der Wall Street – ein Pakt mit dem Teufel?“ Bekanntlich hat der Hauptstadt-Klub 61,2 Millionen Euro vom neuen strategischen Partner erhalten. Ungeachtet dessen teilte Preetz mit, dass Hertha Adrian Ramos und Pierre-Michel Lasogga jeweils unterschriftsreife Verträge vorgelegt habe.

Jetzt wartet der HSV

Das Spiel begann mit einem Klassiker der jüngeren Hertha-Historie: Ecke Ronny, Kopfball von Ramos, nach drei Minuten hieß es 1:0. Der schöne Vorsprung war allerdings bald dahin. Johannes van den Bergh wirkte nach einer Oberschenkel-Verletzung nicht ganz fit, sah früh Gelb (2.). Nach 20 Minuten wollte van den Bergh im eigenen Strafraum eine Nürnberger Flanke klären, schlug den Ball aber direkt Markus Feulner auf den Fuß. Der zog schnörkellos von der Strafraumgrenze ab, 1:1. Trainer Luhukay ersetze van den Bergh durch Peter Pekarik.

Mitte der ersten Hälfte hatte Hertha die beste Phase. Ronny erkämpfte den Ball, legte ab auf Allagui, der den Ball aber nicht an Schäfer vorbeibrachte (34.). Nico Schulz leitete mit einem Powersprint den besten Spielzug der Partie ein, legte ab auf Ramos. Doch der Kolumbianer setzte den Ball aus vollem Lauf übers Nürnberger Tor (35.). Weshalb Trainer Luhukay als eigentlichen Grund für die Niederlage ausmachte: „Wir haben es leider verpasst, mit zwei Toren Vorsprung in die Pause zu gehen.“ Am Sonnabend geht es zum HSV.