Zum ersten Mal steigt ein Finanzinvestor bei einem Bundesligaklub ein, allein auf diese Premiere kann Hertha BSC stolz sein – und der Rest der Liga ebenso.
Denn in diesem Fall kann es sich ja nun wirklich nicht auf eine kühl kalkulierte Zerlegung eines Unternehmens drehen, wie man sie einer „Heuschrecke“ heute sofort unterstellt. Dafür ist der Einfluss des ungewöhnlichen Partners zu überschaubar – und übrigens auch bei allen Optionen geringer, als es die ohnehin strengen Regularien der Deutschen Fußball Liga (DFL) zulassen.
Es geht hierbei wohl eher um die Wette auf eine Zukunft, die in Berlin eben auch außerhalb des Start-up-Bereichs derzeit sehr verlockende Aussichten bietet. Denn der deutsche Fußball birgt in den kommenden Jahren einfach die größten Wachstumschancen im Sportgeschäft. Angetrieben von einer unterhaltsamen Nationalmannschaft, die bei der WM im Sommer um den Titel spielt, und einem FC Bayern München, der inzwischen sogar Europas bisherige Giganten aus Spanien und England vorführt, zieht die Bundesliga immer mehr Interesse und damit auch Marktchancen an. In diesem Zusammenhang wirken etwa die internationalen Fernseheinnahmen unterdimensioniert, ein größerer Sprung scheint hier geradezu programmiert.
Hertha hat jetzt Luft nach oben
Eine durch Regularien geförderte Ausgeglichenheit sorgt zudem dafür, dass es hinter den Bayern ziemlich eng zugeht in der Bundesliga. Selbst ein zweimaliger Absteiger wie Hertha kann sich nun, da man jährlich von einigen Millionen Euro Zinsbelastung befreit ist, wieder weiter nach oben orientieren. Und schon bei etwas mehr Erfolg ist Wachstum in vielen Bereichen garantiert.
An dieser Stelle sind wir am entscheidenden Punkt dieser Angelegenheit angelangt. Der neue finanzielle Freiraum ist zwar schön, so groß aber nun auch wieder nicht. Wenn man bedenkt, dass ein Scheich schon über eine Milliarde Euro in Manchester City gepumpt hat, ohne dass dieses Team dadurch unschlagbar wirkt, klingen die gerade in Berlin ausgehandelten Summen fast lächerlich. Weltstars wird man damit also nicht anlocken können, es kommt vielmehr darauf an, die eigenen Möglichkeiten nun seriöser zu nutzen als in der Ära Hoeneß. Insofern setzt der Deal die handelnden Personen, so sehr sie sich über den Abschluss freuen dürfen, gehörig unter Druck. Denn so eine Chance gibt es nur einmal.





