Bundesliga

Thomas Doll lockt Herthas Peer Kluge nach Budapest

Er war das Herz der Berliner in Liga zwei. Doch nun spielt Peer Kluge keine Rolle mehr. Jetzt will ihn Ex-Bundesliga-Trainer Thomas Doll nach Budapest holen. Auch ein anderer Klub ist interessiert.

Foto: Annegret Hilse / picture alliance / Annegret Hils

Peer Kluge zeigt an, wo es langgeht. Herthas Mittelfeldakteur steht auf dem Spielfeld und schaut entschlossen. Es ist das Gesicht eines Mannes, der weiß, dass sein Kommando zählt. Mit dem rechten Zeigefinger deutet Kluge dorthin, wo der Ball ankommen soll, und es war davon auszugehen, dass dieser Anweisung entsprochen wurde.

Damals, in der Zweiten Liga. Als die Dinge noch ihren erwartbaren Lauf nahmen für Peer Kluge. Eine Zeit, von der das große Farbfoto in Herthas Medienraum zeugt, das jene Szene festhielt.

Gestern aber war gestern. Nun, ein paar Monate später sitzt Kluge dem Foto gegenüber auf einem gelben Hocker im Medienraum und soll über das Jetzt sprechen. Ein Jetzt, das in einem krassen Widerspruch zum Gestern steht, und das unweigerlich die Frage aufwirft: Was zur Hölle ist nur passiert?

Nur zehn Minuten auf dem Feld

Denn den Peer Kluge aus Herthas erfolgreicher Zweitliga-Saison, der Vizekapitän und Führungsspieler war, der 27 Partien von Beginn auf dem Feld stand und als das Herz der Mannschaft galt, den gibt es nicht mehr. Der Peer Kluge der Gegenwart hat in der aktuellen Bundesliga-Spielzeit nur zwei Mal mitwirken dürfen. Als Einwechselspieler wenige Augenblicke vor Abpfiff.

Lediglich zehn Minuten stand er auf dem Platz. Zuletzt am vierten Spieltag gegen den VfL Wolfsburg, sein Trainer Jos Luhukay wechselte ihn in der 87. Minute ein, als die Messen schon gelesen waren, und Hertha 0:2 hinten lag.

Seitdem sind fast genau fünf Monate vergangen, in denen Kluge kein einziges Pflichtspiel bestritt, oft nicht einmal in den 18-Mann-Kader berufen wurde und sogar in der U23-Regionalligamannschaft der Berliner aushelfen musste. Peer Kluge – wie abgetaucht.

Verdrängt von der Jugend

„Natürlich bin ich enttäuscht, dass ich nicht spiele“, sagt Kluge, und sein Blick wandert dabei scheu zwischen Fußboden und Gesprächspartner. Er trägt eine graue Wollmütze und einen ebenso grauen Rollkragenpullover.

Hinter ihm, bei einem weiteren Pressetermin, erzählt sein Mitspieler Per Skjelbred, 25, gerade in Trainingskleidung, dass er froh sei, endlich bei Hertha Stammspieler zu sein. Skjelbred hat zuvor mit dem Team trainiert. Kluge konnte nicht mitmachen, weil er sich bei einem Testspiel der U23 am Sonnabend am Knie verletzt hat.

Dass er überhaupt im Reserveteam der Berliner aushelfen musste und nicht beim Rückrunden-Auftakt gegen Eintracht Frankfurt (0:1) dabei war, hat auch mit Skjelbred zu tun. Im Kampf mit dem Norweger und Tolga Cigerci, 21, der ebenso wie Skjelbred im Sommer kam, hat Kluge seinen Platz im zentralen Mittelfeld verloren.

Die Konkurrenten sind laufstark und jung. Kluge, der für Mönchengladbach, Nürnberg, Schalke sowie Hertha insgesamt 220 Bundesligaspiele bestritten hat und mit den Königsblauen Vizemeister (2009/10) und DFB-Pokalsieger (2010/11) wurde, ist bereits 33 Jahre alt.

Manager Preetz würde Kluge ziehen lassen

Das allein aber ist nicht der Grund, warum Luhukay nicht mehr auf ihn setzt. „Der Trainer hat mir seine Sicht erläutert. Ich weiß, woran ich arbeiten muss“, sagt Kluge. Was genau das ist, will er nicht sagen.

Schon während der Hinrunde haben Luhukay und Herthas Manager Michael Preetz ihm signalisiert, dass sich an seinem Reservisten-Dasein wohl kaum etwas ändern werde. „Der Verein war sehr ehrlich zu mir, hat mir sehr früh gesagt, dass sie mich gehen lassen würden, wenn ein anderer Verein käme. Das war korrekt“, sagt Kluge.

Kluges Vertrag bei den Blau-Weißen läuft noch bis 2015 und soll hervorragend vergütet sein. Gehen oder Bleiben hängt somit auch davon ab, unter welchen Bedingungen.

Ein hohes Gehalt verdienen oder seinen Beruf ausüben können, das ist eine Frage, die sich Kluge stellt: „Natürlich muss ich beide Seiten betrachten. Ich bin in einem Alter, in dem ich mir Gedanken über das Ende meiner Karriere machen muss. Und wie es weiter geht. Aber ich bin Fußballer und will spielen. Mir macht es keinen Spaß, immer nur zuzuschauen“, sagt Kluge, hält kurz inner und fügt an: „Ich gehöre noch nicht zum alten Eisen. Ich bin immer noch wichtig.“

Am Freitag endet die Wintertransferperiode

Nur noch bis Freitag ist das Transferfenster geöffnet. Lange hatte Kluge, der im Sommer 2012 von Schalke für kleines Geld zu Hertha gewechselt war, für sich ausgeschlossen, Berlin noch im Winter zu verlassen. „Weil ich mich immer noch wohl fühle.“

Doch der Fakt, dass Preetz Anfang Januar auch öffentlich kommuniziert hat, Kluge bei einem entsprechenden Angebot ziehen zu lassen, und das Beispiel Maik Franz, 32, ein anderer Routinier ohne Perspektive in der Mannschaft, der sogar darüber nachdenkt, als Führungsspieler in die U23 zu wechseln, haben Kluge umdenken lassen.

Auf Dauer in der U23 die Karriere ausklingen zu lassen, kommt für ihn nicht in Frage. „Ich bin bestrebt, soweit wie möglich oben zu spielen“, sagt er. Und Alternativen sind schließlich vorhanden.

Thomas Doll lockt den Routinier

„Es gibt derzeit interessante Angebote. Das prüfen wir jetzt“, sagt Kluge. Mit „wir“ meint er sich und seinen Berater Jörg Neubauer, der auch Franz berät. Es müsse jetzt alles schnell gehen, wenn er noch in dieser Transferperiode wechseln will.

Franz hatte ein Angebot des abstiegsbedrohten Zweitligaklubs Energie Cottbus abgelehnt, und auch Kluge sagt: „Abstiegskampf in der Zweiten Liga tue ich mir nicht mehr an.“ Die Perspektive müsse stimmen.

Kluge hat zwei konkrete Anfragen vorliegen, und beide klingen exotisch. Hapoel Tel Aviv, 13-maliger israelischer Meister, ist interessiert. Ein weiterer Klub, der die Fühler nach Kluge ausgestreckt hat, kann mit einem deutschen Trainer punkten: Ferencváros Budapest.

Dort sitzt Thomas Doll auf der Trainerbank, Ex-Trainer des Hamburger SV und von Borussia Dortmund. „Beide Klubs sind auch interessant für Peer. Jetzt schauen wir, was sich realisieren lässt“, sagt Neubauer. War dies sein letztes Interview als Hertha-Spieler? Kluge lächelt zum Abschied: „Es ist möglich.“