Hertha BSC

Ben-Hatira kämpft sich erneut an die Startelf heran

Aufgrund seiner Spielweise ist Herthas Mittelfeldspieler Änis Ben-Hatira sehr verletzungsanfällig. Im Trainingslager im türkischen Belek schuftete der Linksfuß an seinem Comeback.

Foto: Karpe-Gora / pA/Sport Moments

Augen auf, Schuhe an und raus auf den Rasen. Als allerletzte Übungseinheit im Trainingslager an der türkischen Mittelmeerküste stand für Herthas Profis am Donnerstagmorgen eine 40-minütige leichte Laufeinheit an. Chefcoach Jos Luhukay lief vorne weg, auch Manager Michael Preetz joggte mit. Die müden Beine der Berliner sollten vor dem Rückflug gelockert werden.

Dass nach einer strapaziösen Woche der Vorbereitung auf die Bundesligarückserie der letzte Tag etwas gemächlicher verlief, dürfte den meisten Spielern gut in den Kram gepasst haben. Nur einer war damit unzufrieden: Änis Ben-Hatira.

Viel zu viel nur gerannt ist der Mittelfeldspieler in den vergangenen Tagen, viel zu wenig durfte er am Training der Mannschaft mit dem Ball teilnehmen. Immer, wenn die Kollegen nassgeschwitzt vom Platz traten, schürte Ben-Hatira die Laufschuhe oder absolvierte mit Co-Trainer Markus Gellhaus ein individuelles Programm.

Nach seinem Syndesmoseriss, den er sich Anfang Dezember im Training zugezogen hatte, will ihn Luhukay behutsam aufbauen. „Eigentlich wäre ich gern schon von Anfang an hier in Belek ins Mannschaftstraining eingestiegen. Endlich mal wieder mit dem Ball und den Jungs arbeiten“, sagte der 25-Jährige. „Aber sicher ist sicher, hat der Trainer gesagt. Das muss ich akzeptieren.“

In Belek schuftete der Linksfuß an seinem Comeback. Wieder einmal. Schon vor einem Jahr, als Hertha ebenfalls an der türkischen Riviera das Winterlager aufgeschlagen hatte, werkelte Ben-Hatira an seiner Rückkehr. Damals zog ihn eine mysteriöse Sprunggelenksverletzung drei Monate lang aus dem Verkehr. Weil lange nicht zu ermitteln war, was dem Flügelspieler überhaupt so starke Schmerzen bereitete, zog sich der Genesungsprozess immer weiter in die Länge. „Das hat mich damals fast verrückt gemacht“, sagte Ben-Hatira. Diesmal aber sei es anders: „Der ganze Heilungsprozess verläuft viel besser. Mein Fuß fühlt sich schon wieder richtig gut an.“ Zudem hätte eine Untersuchung ergeben, dass seine Fitnesswerte noch besser seien als vor der Hinserie im Sommer.

Viele Dribblings und Eins-gegen-Eins-Situationen

Dass es diesmal wieder eine Sprunggelenksverletzung war, die ihn erneut zur Pause zwang, ist kein Zufall. Ben-Hatiras größte Stärke – die vielen Dribblings und Eins-gegen-Eins-Situationen – ist gleichsam auch sein größter Schwachpunkt. Denn, wer den Ball lange hält, geht das Risiko ein, oft gefoult zu werden. Der tunesische Nationalspieler ist sich dessen bewusst. Ändern aber will er es nicht: „Das ist einfach mein Spiel. Wenn du gefoult wirst und hinfällst, musst du halt wieder aufstehen.“

Änis Ben-Hatira ist gewissermaßen Herthas Stehaufmännchen – und ein ungeduldiges dazu. „Mein Ziel ist es“, sagte er, „schon gegen Frankfurt wieder spielfähig zu sein. Ob der Trainer das dann auch so sieht, ist natürlich eine andere Frage.“ Luhukay, der in der Vergangenheit die Politik verfolgte, rekonvaleszente Spieler erst eine gewisse Zeit wieder im Mannschaftstraining unter hoher Belastung zu testen, bevor er sie in einem Punktspiel einsetzt, hat auch diesmal eine klare Haltung: „Bei Änis darf es uns nicht darum gehen, ihn nur schnell wieder auf den Platz zu stellen“, sagte der Niederländer. In Belek habe Ben-Hatira nur ein einziges Mannschaftstraining absolviert und noch nicht einmal ein Trainingsspiel bestritten. Der Rückrundenauftakt gegen Eintracht Frankfurt am 25. Januar komme für den Deutsch-Tunesier definitiv noch zu früh.

Montag fliegt Ben-Hatira für die Abschlussuntersuchung zu Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt nach München. Gibt der Teamarzt des FC Bayern Grünes Licht, will Ben-Hatira wieder voll ins Mannschaftstraining einsteigen und könnte vielleicht schon gegen den 1. FC Nürnberg, eine Woche nach der Partie in Frankfurt, wieder im Kader stehen. Dann hätte er noch 16 Partien, um etwas zu schaffen, was ihm in den vergangenen drei Jahren nicht gelungen ist: mehr als drei Tore pro Saison zu erzielen.