Trainingslager

Herthas Sorgenkind Ronny darf sich als Gewinner fühlen

Der Brasilianer überzeugte im Trainingslager in Belek. Und so darf er sich als einer der Gewinner der Vorbereitung fühlen. Den letzten Test vorm Rückrundenstart verlor Hertha dennoch 0:3.

Foto: Frank Hoermann/SVEN SIMON / picture alliance / Sven Simon

Jedes Mal, wenn die Mannschaft von Hertha BSC in den vergangenen sieben Tagen auf dem zum Teamhotel gehörenden Rasenplatz trainierte, rumpelte und polterte es. Baustellen überall. Noch ist nicht alles so, wie es sein soll.

Hinter dem meterhohen Maschendrahtzaun, der die Übungsfläche der Berliner im Trainingslager an der türkischen Mittelmeerküste abgrenzte, fuhren Lkw hoch und runter. Ein Kran stand nebenan und zeugte von größeren Bauprojekten. Der Küstenabschnitt des Tourismusortes Belek mit den aufgereihten Luxushotels ist längst instand. Dahinter wird weiter gewerkelt. Für noch mehr Hotels, für noch mehr Zukunft.

Der Ort, den Hertha sich zum dritten Mal in Folge für die Vorbereitung auf die in zehn Tagen beginnende Bundesliga-Rückrunde ausgesucht hatte, entbehrte nicht einer gewissen Symbolik. Denn auch die Berliner Fassade – mit 28 Punkten in der überraschend erfolgreichen Hinserie und Tabellenplatz sechs – machte ja schon vor der Abreise in die Türkei einiges her. Dahinter aber – das war der Plan für das Winterlager – musste weiter gewerkelt werden. Grundsteine sollten gelegt werden. Für noch mehr Punkte. Für noch mehr Erfolge.

Dafür verlangte Herthas Cheftrainer Jos Luhukay seinen Profis viel ab. Seit Beginn der Vorbereitung vor knapp zwei Wochen hatten die Spieler keinen einzigen Tag trainingsfrei. In Belek durften sie das Büffet mit allerhand Köstlichkeiten im Hotelrestaurant nur aus der Ferne bewundern. Für sie war ein gesondertes vorbereitet – Fisch, Fleisch und Nudeln. Bestenfalls Joghurt zum Nachtisch. Verzicht hatte Luhukay auf die Agenda geschrieben – Verzicht und Feinarbeit.

Luhukay will Tempo sehen

In den täglich zwei Trainingseinheiten legte der Niederländer den Fokus vor allem auf das Kombinationsspiel, das Einstudieren von Laufwegen sowie das schnelle Umschalten von Abwehr auf Angriff und umgekehrt. Immer wieder unterbrach er die Übungen, oftmals mit sich überschlagender Stimme forderte er: „Es geht um Kleinigkeiten! Es geht um Details. Ich will höchste Konzentration sehen. Ich will Tempo sehen.“

Vor einem Jahr noch, als Hertha in der Zweiten Liga um den Aufstieg spielte, hatte Luhukay in Belek vor allem Lösungen für die letzten 30 Meter vor dem gegnerischen Tor einstudiert, weil sich die Liga-Kontrahenten meist verschanzten. Diesmal ging es um die Verfeinerung dessen, was Hertha schon in der Hinserie erfolgreich gemacht hatte: Handlungsschnelligkeit und die Bereitschaft, einen hohen Aufwand zu betreiben.

„Die Einstellung und Bereitschaft ist da bei den Spielern“, lobte Luhukay. „Wenn man die hat, ist es kein Wunder, dass man sich auch im Spiel etwas erzwingt. Dann profitieren alle davon.“ Er wolle seine Mannschaft „auf 100 Prozent Perfektion bringen“, um für den Auftakt in die Rückrunde am 25. Januar bei Eintracht Frankfurt gewappnet zu sein, sagte der 50-Jährige. Das Team habe artig mitgezogen, und deshalb sei es „eine Freude, ihm derzeit zuzusehen“.

In Belek hinterließ Ronny einen guten Eindruck

2013 im Sommer-Trainingslager in Irdning noch hatte ein Spieler Luhukay alles andere als Freude bereitet: Ronny. Der Star der Zweitligaspielzeit (18 Tore und 14 Vorlagen) kam mit schlechten Fitnesswerten aus dem Heimaturlaub. Luhukay zählte den Brasilianer in Österreich an und entzog ihm dann den Stammplatz.

In Belek hinterließ der 27-Jährige nun einen guten Eindruck. Er hatte schon eine Woche vor den Kollegen mit der Vorbereitung begonnen und in Berlin an seiner Fitness gearbeitet. Ronny war nicht nur im ersten Testspiel gegen den FC Aarau (1:1) der dominante Spieler auf dem Feld und erzielte das einzige Berliner Tor. Er sorgte auch gegen Hannover 96 (0:0) maßgeblich dafür, dass die Blau-Weißen in der zweiten Halbzeit die bessere Mannschaft waren. Luhukay lobte später: „Die Jungs haben mich sehr beeindruckt.“ Ronny darf sich als einer der Gewinner der Vorbereitung fühlen.

Gegen Borussia Mönchengladbach am Mittwoch, dem letzten Test vor der Rückrunde, allerdings blieb auch Ronny blass. Luhukay hatte ihn für den angeschlagenen Tolga Cigerci in die erste Elf befördert. Zwar war der Spielgestalter bemüht, hatte außer zwei Distanzschüssen aber keine auffälligen Szenen. Gegen das Team von Ex-Hertha-Trainer Lucien Favre, der auf Ronnys Bruder und ehemaligen Hertha-Profi Raffael verzichtete, wirkten die Hauptstädter müde. Zur Halbzeit lag Hertha gegen den Bundesligadritten durch ein Tor von Amin Younes (25. Minute) 0:1 hinten. Luhukay wechselte die komplette Mannschaft. Nur der erst zum Jahresbeginn verpflichtete norwegische Schlussmann Rune Jarstein spielte durch. Stammtorwart Thomas Kraft fehlte wie schon gegen Hannover, als er wegen einer Knieblessur passen musste, leicht angeschlagen. Diesmal zwickte der Rücken. Sein Vertreter Jarstein konnte das 0:2 durch Max Kruse (60.) und das 0:3 von Peniel Mlapa (79.) nicht verhindern. Hertha hatte Pech, als ein Schuss von Hany Mukhtar an den Pfosten sprang (78.). „Wir sind natürlich nicht zufrieden, wenn wir 0:3 verlieren, aber das gehört zur Vorbereitung dazu“, sagte Luhukay. „Die Ergebnisse hier sind für uns unwichtig. Wichtig ist das Ergebnis gegen Frankfurt.“

Heute reisen die Herthaner zurück nach Berlin. Dann könnte es sein, dass Ben Sahar nicht mehr mit im Flieger sitzt. Der Israeli hat bei Hertha keine Perspektive und wird von Arminia Bielefeld umworben. „Wir hatten gute Gespräche“, sagte Sahar. „Bielefeld wäre eine Chance für mich, um zu spielen und in Deutschland zu bleiben.“